(neu: Aufmachung, Stimmen.)
MARANELLO/BERLIN (dpa-AFX) - Der Luxussportwagenbauer Ferrari
Am Montag hatte Ferrari in Rom sein erstes vollelektrisches Auto vorgestellt. Der Autobauer selbst will mit dem mehr als eine halbe Million Euro teuren Luce ein neues Kapitel in der Geschichte der Marke aufschlagen. Doch das Aussehen, an dem der ehemalige Apple
Auch am Aktienmarkt hatte das Design die Anleger enttäuscht, die Aktie fiel zu Wochenbeginn in Mailand spürbar von zuvor um die 310 Euro auf unter 290 Euro. Auch am Donnerstag notierte sie weiter unter der Marke. Goldman-Sachs-Analyst Christian Frenes hielt die enorm negative Marktreaktion für übertrieben, wie er am Donnerstag schrieb. Der Erfolg des Luce hänge letztlich davon ab, ob das Fahrgefühl weniger technische Spielereien als bei der Konkurrenz kompensieren könne.
Experte Michael Filatov von der Privatbank Berenberg hält es hingegen für ein enormes Risiko des Managements, das Portfolio des Sportwagenherstellers zu erweitern und Käufer aus einer zunehmend technikorientierten Gruppe vermögender Kunden zu gewinnen. Dabei stehe der Ruf einer 80 Jahre alten Marke auf dem Spiel, schrieb er.
Schiefes Gesamtkonzept
"Ferrari macht beim Luce einen Fehler, den viele andere Hersteller schon hinter sich haben: Bei Elektroautos auf stark abweichende Designs zu setzen und damit ein Fahrzeug zu bauen, das zu sehr nach Stromer und nicht mehr nach der eigenen Marke aussieht", sagt Branchenfachmann Ferdinand Dudenhöffer. Das Gesamtkonzept des Luce sei schief, sagt der Branchenexperte. "Der sieht nicht mehr aus als sei er in Italien entwickelt, sondern wie ein fahrendes Smartphone."
Die deutschen Autohersteller sind beim E-Autodesign schon weiter. "Mercedes
Die ID-Modelle waren vielen zu wenig VW
VW hatte beim Start seiner Elektro-Familie 2019 viel Kritik einstecken müssen. Das Design, das der Konzern den ID-Modellen unter dem damaligen Konzernchef Herbert Diess verpasste, sollte eigentlich das Neue im Vergleich zu den Verbrennern herausstellen. Doch bei den Kunden polarisierte es vor allem: Frisch und entspannt sagten die einen, zu steril und vor allem zu wenig VW die anderen.
Am Ende änderte VW die Richtung. Nach dem Abgang von Diess 2022 verordnete die neue Konzernspitze auch dem ID-Design einen Neustart. Ein VW müsse wieder aussehen wie ein VW, verkündete Markenchef Thomas Schäfer. Der ID.3 wurde per Facelift entschärft, den geplanten Kleinwagen darunter ließ Schäfer noch einmal komplett neu zeichnen. Ergebnis: Der ID.Polo, der demnächst anläuft, sieht wieder fast so aus wie der Verbrenner-Polo.
Mercedes legt ebenfalls Kehrtwende hin
Auch Mercedes-Benz
Konzernchef Ola Källenius vollzog daraufhin eine Kehrtwende - und kündigte vor zwei Jahren eine Designsprache an, die unverkennbar Mercedes sei. Die neuen E-Modelle sollen wieder unter den etablierten Modellnamen angeboten und stärker an Klassiker angelehnt werden.
Der 2025 vorgestellte, elektrische CLA kehrte zum Beispiel zu gewohnten Proportionen zurück und unterscheidet sich kaum von der Verbrenner-Variante. Der vergangene Woche vorgestellte Mercedes-AMG GT polarisiert allerdings heftig im Netz - vor allem wegen des Designs.
BMW hat früh gelernt
BMW setzt bei Elektroautos schon lange auf Design nah am Verbrenner. Beim 2013 vorgestellten i3 waren die Münchner noch andere Wege gegangen - vom Material der Karosserie bis zum Aussehen. Der durchschlagende Erfolg blieb dem Modell verwehrt, möglicherweise auch aus optischen Gründen. Bei späteren Elektroautos verzichtete BMW auf große Design-Sonderwege.
"Ich glaube ein großer Teil des Erfolges, den BMW bei Elektroautos in den vergangenen Jahren außerhalb Chinas hatte, geht darauf zurück, dass sie auch bei den Stromern auf ihr klassisches Design vertraut haben", sagt Dudenhöffer.
Porsche: Evolution statt Revolution
Auch der Sportwagenbauer Porsche
Die Unterschiede zu den Verbrennern liegen daher vor allem im Detail: Taycan, Macan und Cayenne sind aerodynamischer und haben beispielsweise statt eines Kühlergrills eine geschlossene Frontpartie mit aktiven Luftklappen. Zudem unterscheidet sich die Lichtsignatur deutlich. Aber: Es ist auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich um einen Porsche handelt - ein Credo Maurers. Ob das auch unter seinem Nachfolger so bleibt, wird sich zeigen.
Kontinuität ist gut für den Wert
"Die Kontinuität in der Gestaltung hilft auch, den Wert der Gebrauchtwagen sicherzustellen", sagt Dudenhöffer. "Das ist bei einem Auto nun mal sehr viel wichtiger als bei einem Kleidungsstück, das man wegwerfen kann oder in den Schrank legt, wenn sich die Mode schnell ändert."/ruc/DP/men
Quelle: dpa-Afx