BERLIN (dpa-AFX) - Für die Apotheken kommt eine lange ausgebliebene Erhöhung des Honorars. Ein Fix-Bestandteil der Vergütung für rezeptpflichtige Medikamente von 8,35 Euro pro Packung soll zum 1. Juli zunächst auf 9,00 Euro steigen, wie eine vom Bundeskabinett zur Kenntnis genommene Verordnung des Wirtschaftsministeriums vorsieht. Zum 1. Januar 2027 soll eine Anhebung auf 9,50 Euro folgen. Union und SPD hatten die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung wegen Finanznöten der Krankenkassen zuerst zurückgestellt. Dann kündigte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) aber die Umsetzung an.
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände begrüßte die Anhebung des seit 2013 unveränderten Fix-Honorars als längst überfällig. Mit der nur schrittweisen Erhöhung auf 9,50 Euro trete aber eine gefährliche Verzögerung bei der Stabilisierung der Apotheken ein, sagte Präsident Thomas Preis. Zudem solle sie durch geplante Sparmaßnahmen teilweise wieder aufgehoben werden, kritisierte er mit Blick auf Gesetzespläne für stabile Krankenkassenbeiträge. Es sei nicht verständlich, warum die Koalition die Apotheken nur halbherzig stärke.
Mehrkosten von 875 Millionen Euro
Für die Anhebung des Fix-Honorars bis auf 9,50 Euro werden Mehrkosten für die gesetzlichen Krankenkassen von jährlich 875 Millionen Euro veranschlagt. Vom Kassen-Spitzenverband kam Kritik. "Das ist wirklich schräg", sagte Sprecher Florian Lanz. "Alle müssen sparen, aber die Apotheken bekommen eine saftige Honorarerhöhung, obwohl deren Einnahmen seit Jahren kräftig steigen." Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt seit längerem und ging bis Ende März auf 16.541 zurück - den niedrigsten Stand seit 1977./sam/DP/jha
Quelle: dpa-Afx