Warum Anleger bei der Jahresbilanz am 26. Februar mit ­deutlich höheren Ausschüttungen pro Aktie rechnen können und ­warum künstliche Intelligenz für den Versicherer ein Gewinnfaktor wird.

Es läuft. Wenn Europas größter Assekuranzkonzern Allianz, der in der Sachversicherung weltweit sogar die Nummer drei ist, am 26. Februar die Bilanz für 2025 vorlegt, werden die Münchner ihre eigene Prognose beim Gewinn voraussichtlich übertreffen. Die Berenberg Bank traut dem DAX-Konzern für 2025 und auch für die beiden folgenden Jahre pro Jahr im Schnitt acht Prozent mehr Gewinn zu: ein Drittel mehr als die vom Konzern in Aussicht gestellten sechs Prozent. Im Oktober hatte die Allianz ihre Erwartung für den operativen Gewinn von 15 bis 17 auf 17 bis 17,5 Milliarden Euro angehoben.

Gute Zahlen und mehr Dividende

Mit 13,1 Milliarden Euro Überschuss in neun Monaten hatte der Versicherer schon mehr als 80 Prozent des avisierten Jahresgewinns in der Kasse. Die zwei Prozent Extra beim Gewinnwachstum sollte vor allem die Sachversicherung liefern. 2025 war ein Jahr mit einer vergleichbar geringen Anzahl Großschäden und die Schaden-Kosten-Quote, der Gewinnfaktor im Assekuranzgeschäft, dürfte entsprechend niedrig ausfallen. Im Geschäftsjahr 2024 waren es 98,4 Prozent, am Ende des dritten Quartals 92 Prozent. Bei Quoten unterhalb von 100 Prozent verdienen Versicherer. Auch mit ihrer Vermögensverwaltersparte, die vor allem dank der US-Tochter und Anleihespezialistin Pimco per Ende September rund 1,93 Billionen Euro verwaltete, setzt sich die Allianz von Rivalen ab. Der Bereich lieferte zuletzt fast ein Fünftel des Gewinns.

Die Kapitalausstattung des Versicherers dürfte weiterhin hoch sein. Im dritten Quartal lag die entsprechende Kennzahl, die Solvency-II-Quote, bei 209 Prozent. Das ist deutlich über 180 Prozent, der vom Konzern freiwillig gesetzten Mindestmarke für höhere Dividenden und Rückkäufe eigener Aktien. Für 2025 erwarten Analysten im Schnitt 16,90 Euro Dividende pro Aktie, rund 7,8 Prozent mehr als 2024.

Allianz

KI-Fantasie bei der Allianz

Vergangene Woche brachte OpenAIs erste ChatGPT-App für Versicherer auch den Aktienkurs der Allianz ins Rutschen — aus Sicht von BÖRSE ONLINE nur vorübergehend. Mit der vom US-Versicherungsvermittler Insurify entwickelten App haben Nutzer Zugriff auf Assekuranz­angebote die auf ChatGPT-Plattformen verfügbar sind. Die Börse wertet das als KI-Risiko für die Vertriebsnetze der Versicherer. Michael Huttner, Kenner der ­Assekuranzbranche und Analyst bei ­Berenberg, sieht die Allianz als Gewinner der zunehmenden Nutzung von künstlicher Intelligenz — auch weil KI-Firmen wie OpenAI oder Anthropic die strenge Regulierung und Haftungsrisiken beim Verkauf der Policen meiden werden, schreibt Huttner. Sie werden deshalb für ihre Plattform mit Maklern und Aggregatoren von Versicherungen kooperieren. Die Allianz ist bereits Anbieter bei durch KI unterstützten Vermittlern, zum Beispiel bei Tuio in Spanien, berichtet Huttner.

Tuio vermittelt Lebens-, Hausrat- und Haustierversicherungen und hat seine KI-App als einer der Ersten in Europa für ChatGPT geöffnet. Versicherer besitzen die Daten für die Risikobewertung, sie ­beherrschen Regularien und Haftungs­risiken. Für ihren Erfolg sind Plattformen auf diese Kompetenz der Versicherer ­angewiesen. Berenberg schätzt, dass Versicherer mit KI in ihrer Wertschöpfung bis zu 30 Prozent der Kosten einsparen können. Die Allianz kooperiert seit Jahres­beginn mit OpenAI-Konkurrent ­Anthropic, um dessen Sprachmodell ­Claude in die Abläufe des Versicherungsgeschäfts zu integrieren.

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*Hinweis auf Interessenskonflikte:
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation ­etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz.