Das britische Unternehmen liefert Spezialausrüstung für den Einsatz unter Wasser. Kunden sind vor allem Energiekonzerne. Ein zunehmend wichtiger Bereich ist die Offshore-Windkraft. Welches Potenzial die Aktie hat
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 19. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 22/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Tief unter der Wasseroberfläche gleitet ein kleines Spezialfahrzeug ferngesteuert den Meeresboden entlang. An seinem Rahmen sind Kameras und Sensoren befestigt. Während es sich Meter für Meter vorarbeitet, sammelt es Daten zur Beschaffenheit des Untergrunds. Selbst feinste Strukturen werden erfasst. Allmählich entsteht ein dreidimensionales Bild des Meeresbodens.
Ashtead Technology ist ein Spezialist für Unterwasserausrüstung und technische Dienstleistungen für den Offshore-Energiesektor. Konkret geht es um Geräte, mit denen der Meeresboden untersucht, Vermessungen durchgeführt, Anlagen gewartet und alte Offshore-Anlagen zurückgebaut werden können. Auch vergleichsweise einfache Geräte müssen für den Einsatz in großen Wassertiefen speziell konstruiert sein: zum Beispiel eine überdimensionale Drahtsäge (siehe Foto), die vor allem bei Rückbauprojekten eingesetzt wird, wenn massive Stahl- und Betonstrukturen präzise getrennt werden müssen. Durch den mit Diamantpartikeln besetzten Schneidedraht kann das Werkzeug auch extrem widerstandsfähige Materialien durchtrennen. Da die Säge ferngesteuert arbeitet, kann sie auch unter schwierigen Bedingungen eingesetzt werden.
Das Unternehmen aus dem schottischen Westhill bei Aberdeen setzt immer stärker auf eigene Entwicklungen. Ein großer Teil der Geräte, die Ashtead für anspruchsvolle Arbeiten unter Wasser nutzt, wird im eigenen Haus entworfen, gebaut und zusammengefügt. Dieses Wissen lasse sich von Wettbewerbern nur schwer kopieren, so Konzernchef Allan Pirie im März bei einer Präsentation vor Finanzanalysten.
Zu den Kunden von Ashtead zählen internationale Konzerne der Offshore-Branche wie der italienische Energiedienstleister Saipem. Das sind Unternehmen, die eigene Großprojekte planen, aber für Spezialaufgaben auf Partner angewiesen sind. Langfristige Geschäftsbeziehungen sind ein wichtiger Faktor: Mit den größten zehn Kunden arbeite man seit mehr als zehn Jahren zusammen, erklärt Pirie.
Sechs Prozent Wachstum
Der Markt für Offshore-Dienstleistungen wächst, getragen von steigender Energienachfrage, Sicherheitsanforderungen und dem Umbau des Energiesystems. Das Ashtead-Management erwartet für den adressierbaren Markt von 2025 bis 2029 ein durchschnittliches Wachstum von sechs Prozent.
Konkret verteilt sich das Geschäft von Ashtead auf drei große Bereiche: Offshore-Wind, Öl und Gas sowie den Rückbau alter Anlagen. Offshore-Wind gilt als Zukunftsmarkt, auch wenn politische Entscheidungen und Verzögerungen in den USA zuletzt für Unsicherheit gesorgt haben. Öl und Gas bleiben auf absehbare Zeit die größten Umsatzträger. Der Rückbau alter Plattformen entwickelt sich zugleich zu einem eigenen Wachstumsfeld, weil weltweit immer mehr Anlagen das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.
Eigentlich hatte das Unternehmen im Zuge des Börsengangs 2021 das Ziel ausgegeben, 50 Prozent des Umsatzes mit Offshore-Wind zu erreichen. Aufgrund der Nachfragesituation machten aber Aufträge aus dem Bereich Öl & Gas zuletzt rund drei Viertel des Geschäfts aus. Das ist allerdings kein Problem. Finanzchefin Ingrid Stewart verweist in diesem Zusammenhang auf die Flexibilität des Unternehmens: 85 Prozent der Ausrüstung und Dienstleistungen von Ashtead seien in beiden Märkten einsetzbar. Daher könne man sich je nach Marktnachfrage anpassen.
Geografisch ist der Umsatz der Schotten breit verteilt: Nordamerika ist mit einem Anteil von 34 Prozent die wichtigste Region, keine andere steuert mehr als 20 Prozent bei, darunter Europa mit 19 Prozent. Eine wichtige Rolle in der langfristigen Geschäftsstrategie spielen Übernahmen. Ashtead sucht nach kleinen Firmen, die das bestehende Geschäftsmodell ergänzen und die geografische Präsenz ausbauen. So wurde 2023 ACE Winches gekauft, ein Spezialist für Hebe-, Zug- und Einsatztechnik. 2024 folgten Seatronics und J2 Subsea, mit denen sich Ashtead in den Bereichen Unterwasservermessung, Robotik und Spezialwerkzeuge stärkte. Das Management hält dem Vernehmen nach weiter Ausschau nach Zukäufen.
Finanzkennziffern verbessert
Ashtead steht bei der Verschuldung vergleichsweise solide da. Laut Unternehmensangaben lag die Nettoverschuldung zum Ende des vergangenen Jahres beim 1,3-Fachen des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Das Management strebt bei dieser Kennziffer einen Wert zwischen dem 1,0- bis 2,0-Fachen an und liegt damit aktuell im unteren Bereich des Zielkorridors, was Raum für weitere Zukäufe lässt.
Für die Börse am wichtigsten sind natürlich die Geschäftsergebnisse. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz bei Ashtead organisch um drei Prozent und erreichte 203 Millionen Pfund. Der bereinigte Gewinn je Aktie wuchs um knapp zehn Prozent, der Nettogewinn erreichte etwas mehr als 32 Millionen Pfund. Ashtead gehört also zu den kleineren Unternehmen am europäischen Aktienmarkt, was auch der Börsenwert von umgerechnet rund 475 Millionen Euro verdeutlicht.
Trotz der langfristigen Wachstumsperspektive bleiben Risiken. Das Geschäft von Ashtead ist abhängig von der Investitionsbereitschaft der Energiebranche. Wenn Projekte verschoben oder gestrichen werden, trifft das auch die Nachfrage nach Spezialtechnik und Dienstleistungen. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, Wechselkursschwankungen und Unsicherheiten bei Offshore-Windprojekten. Im Juni vergangenen Jahres geriet die Aktie nach schwächeren Geschäftsergebnissen deutlich unter Druck. Inzwischen hat sich der Kurs aber erholt.
Höhere Energiepreise könnten sich nach Einschätzung der Deutschen Bank mittelfristig als Vorteil für Ashtead erweisen. Die anhaltende Volatilität unterstreiche erneut den Wert von mehr Energieunabhängigkeit. Das dürfte die Nachfrage nach dem Geschäft des Unternehmens über einen längeren Zeitraum stützen. Finanzanalysten sehen vor allem Chancen bei der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut Datenbank des Finanzdienstes Bloomberg bei 7,50 Euro und damit rund 30 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Fazit
Insbesondere der Ausbau des Offshore-Windgeschäfts verschafft Ashtead Technology langfristig Wachstumspotenzial. Aufgrund niedriger Handelsumsätze der Aktie nur mit Limit ordern.