Der ETF auf den Index von WisdomTree verzichtet auf China, Taiwan und Südkorea.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 12. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 21/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Wenn ein Anleger heute einen klassischen Emerging-Markets-ETF kauft, erhält er zu einem Großteil Exposure an Techkonzernen wie TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix. Allein diese drei Werte werden aktuell mit rund 26 Prozent gewichtet. Auch geografisch haben ETFs auf den MSCI Emerging Markets mittlerweile einen klaren Fokus. China, Taiwan und Südkorea dominieren, zusammen machen sie rund 66 Prozent der Gewichtung aus. Das widerspricht der Kernidee des Investierens in Schwellenländer: Emerging Markets, das sind junge, dynamisch wachsende Volkswirtschaften mit strukturell starkem Wachstum. Genau dort setzt der ETF von WisdomTree auf den True Emerging Markets Index an, der seit Kurzem handelbar ist und vollständig auf China, Taiwan und Südkorea verzichtet. Die Investmentgesellschaft argumentiert, dass die drei Länder inzwischen den Charakter „echter“ Schwellenländer verloren haben. Sie sind hoch entwickelt, technologisch führend und in vielerlei Hinsicht bereits mit Industrieländern vergleichbar. Der True Emerging Markets Index identifiziert unter anderem Demografie, Binnennachfrage, Digitalisierung und Produktivitätssteigerung als Schlüsselkriterien für die Aufnahme in den Index.

Der Indexanbieter FTSE Russell stuft etwa Südkorea seit 2009 schon nicht mehr als Schwellenland ein. China und Taiwan sind in den ETFs des Indexanbieters aber dennoch enthalten. Auch in ETFs, in denen China explizit ausgeschlossen ist, findet sich immer noch Taiwan mit einem Anteil von rund 30 Prozent. Die am stärksten gewichteten Märkte im True Emerging Markets ETF von WisdomTree sind hingegen Indien (20,7 Prozent), Brasilien (19,4 Prozent), Südafrika (10,5 Prozent) und Saudi-Arabien (9,8 Prozent). Daneben sind unter anderem auch Mexiko, Polen, Thailand und Indonesien enthalten. Dabei werden einzelne Aktien auf vier Prozent und Länder auf 25 Prozent bei jeder jährlichen Neugewichtung begrenzt. Ein weiteres Argument für den ETF von WisdomTree ist sein Risikoprofil. Spätestens seit den wiederkehrenden Spannungen rund um die Taiwanstraße und der wachsenden Skepsis von Investoren gegenüber chinesischen Aktien könnte man die Konzentration des klassischen MSCI EM als ernsthaftes Klumpenrisiko betrachten. Eine Taiwan-spezifische Krise — seien es geopolitische Spannungen oder etwa ein Abschwung des Chipzyklus — könnte die bisherigen Emerging Markets Indizes deutlich härter treffen als breiter diversifizierte Indizes wie den von WisdomTree. Die größten fünf Einzelpositionen sind der Tankstellenbetreiber Vibra Energia, der Ölkonzern Petroleo Brasileiro, der Rohstoffkonzern Vale, die Al Rajhi Bank und Reliance Industries.

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