Das Dessous-Label Victoria's Secret hat die Erwartungen der Wall Street im ersten Quartal deutlich übertroffen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag doppelt so hoch wie erwartet, zudem hob das Unternehmen die Jahresprognose an. Die Aktie reagiert mit einem Kurssprung.

Victoria's Secret hat im ersten Geschäftsquartal, das am zweiten Mai endete, einen bereinigten Gewinn je Aktie von 60 Cent erzielt – doppelt so viel wie die von Analysten erwarteten 30 Cent. Der Umsatz stieg auf 1,56 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Konsensprognose von 1,52 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn belief sich auf 47,7 Millionen US-Dollar, verglichen mit einem Verlust von 1,66 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Die vergleichbaren Umsätze – einschließlich Filialen und digitaler Kanäle – wuchsen um 13 Prozent und übertrafen damit die Erwartung von 11,4 Prozent.

Jahresprognose deutlich angehoben

Auf Basis dieser Ergebnisse hebt das Unternehmen, das für seien glamourösen Mode-Shows bekannt ist, für die schon Heidi Klum mit weißen Flügeln auf den Lauftsteg ging, seine Jahresprognose deutlich an. Der Umsatz soll nun zwischen 7,03 Milliarden und 7,13 Milliarden US-Dollar liegen, statt bisher in einer Spanne von 6,85 Milliarden bis 6,95 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis soll zwischen 550 Millionen und 580 Millionen US-Dollar erreichen, auf beiden Seiten der Spanne sind das 120 Millionen US-Dollar mehr als bisher angepeilt. Finanzvorstand Scott Sekella begründete den Optimismus mit der starken Hebelwirkung auf die Fixkosten durch den höheren Umsatz sowie mit niedrigeren Zollbelastungen. Offenbar profitiert Victoria's Secret besonders strak davon, dass viele der weitreichenden Importzölle, die Präsident Donald Trump eingeführt hatte, gerichtlich für rechtswidrig erklärt wurden.

Die Investoren reagierten begeistert auf den prickelnden Jahresausblick, die Aktie von Victoria's Secret sprang um fast 45 Prozent in die Höhe. Damit hat er sich binnen eines Jahres mehr als vervierfacht.

Victoria’s Secret (WKN: A3CU0R)

BH-Kollektionen Kern des Wachstums

Unternehmenschefin Hillary Super hob im Interview mit dem Fernsehsender CNBC besonders das Segment Büstenhalter hervor, das sie als strategischen Kern des Geschäfts bezeichnet. Vergleichbare Umsätze in dieser Kategorie wuchsen ebenfalls im zweistelligen Bereich. „Die (Marken-)Loyalität, die die BHs erzeugen, und die Rolle, die sie im Geschäft spielen, sind enorm wichtig", sagte Super.

Auch Abseits davon verzeichnete das Unternehmen zweistelliges Wachstum über alle Bereiche hinweg mit der Marke Pink, Beauty-Kanälen, digitale Plattformen, in den Filialen und im internationalen Geschäft. Besonders erfreulich aus Sicht des Managements: Das Wachstum gelang mit deutlich weniger Rabatten als in früheren Perioden.

Neue Kundinnen unter 24 Jahren

Victoria's Secret gewinnt derzeit vor allem bei jüngeren Konsumentinnen. Super berichtete, das Unternehmen habe im ersten Quartal Marktanteile insbesondere bei Käuferinnen im Alter von 18 bis 24 Jahren hinzugewonnen. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen das stärkste Wachstum bei Haushalten mit einem Jahreseinkommen unter 50.000 US-Dollar sowie bei solchen mit über 200.000 US-Dollar. Super wertet das als Beleg dafür, dass es die Produkte sind, die überzeugen,;nicht Preisaktionen oder Sonderangebote.

Turnaround beginnt Früchte zu tragen

Super, die seit knapp zwei Jahren an der Spitze des Unternehmens steht, betonte, dass das von ihr zusammengestellte Führungsteam nun sein erstes vollständiges Jahr abgeschlossen hat. Die Ergebnisse des Turnarounds seien nun sichtbar. „Sobald man dieses Jahr erreicht, beginnen sich die Beiträge zu multiplizieren, weil man die Muster erkennt und sieht, wohin die Reise geht", sagte Super gegenüber CNBC. Unter ihrer Führung habe das Unternehmen daran gearbeitet, die Markenidentität neu zu definieren: weg von einem Image, das wegen unrealistischer Schönheitsstandards in der Kritik stand, hin zu mehr Sinnlichkeit und Tragekomfort, was offenbar eine neue Generation von Käuferinnen anspricht. Dabei bezeichnete Super ausdrücklich die eigenen Läden als Wettbewerbsvorteil. „Wir sind sehr gut in diesem realen Erlebnis ", sagte sie.

Auch für das laufende zweite Quartal gibt sich das Management zuversichtlich: Der Umsatz soll zwischen 1,59 Milliarden und 1,62 Milliarden US-Dollar liegen und damit die Analystenerwartung von 1,56 Milliarden US-Dollar übertreffen – trotz dann geringerer Steuererstattungseffekte, die im ersten Quartal einige Verbraucher zu Mehrausgaben animiert hatten.

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Häufige Fragen zum Thema

Wofür ist Cictoria's Secret bekannt?

Victoria’s Secret ist weltweit für seine glamouröse Damenunterwäsche und Lingerie bekannt. Berühmt machten das US-amerikanische Unternehmen vor allem seine spektakulären, alljährlichen Modenschauen, die Verpflichtung prominenter Topmodels als „Angels“ (inklusive ikonischer Engelsflügel) und beliebte Beauty-Produkte.

Welche Beziehung hat Heidi Klum zu Victoria's Secret?

Heidi Klum war 13 Jahre lang eines der wichtigsten Aushängeschilder und trat bei Modenschauen von Victoria's Secret auf. Als globale Markenbotschafterin lief sie von 1997 bis 2009 regelmäßig bei der berühmten jährlichen Fashion Show und durfte dort mehrfach die begehrten, aufwendigen Engelsflügel sowie den legendären "Fantasy Bra" tragen.

Warum geriet Victoria's Secret in eine Krise?

Das Unterwäsche-Label verschlief die veränderten gesellschaftlichen Ansprüche. Jahrelang stand die Marke auch für extreme, unerreichbare Schönheitsideale, wozu auch das Konzept der "Engel" beitrug. Victoria's Secret wurden deshalb mangelnde Body-Positivity vorgeworfen, während andere Marken verstärkt auf Diversität und Inklusivität setzten. Hinzu kamen veraltete Trends: Das Unternehmen konzentrierte sich zu lange auf Push-up- und gepolsterte BHs, während Käuferinnen zunehmend bequeme Bralettes und Sportwäsche bevorzugten. ZU allem Überfluss fielen Führungskräfte durch teils frauenfeindliche Aussagen auf und es gab Verbindungen des ehemaligen Eigentümers L-Brands zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, die dem Ansehen der Marke schwer schadeten. Die einst legendäre Fashion-Modenschau im TV wurde sogar zeitweise komplett eingestellt.