Der neue Ferrari „Luce“ wird von Kritikern und im Netz verrissen. Selbst Italiens Verkehrsminister äußert sich, der Ex-Chef des Unternehmens bezeichnet ihn als „Schande“. Die Aktie brach ein. Doch die Analysten denken ganz anders.

Ferrari hat mit dem Luce sein erstes vollelektrisches Fahrzeug vorgestellt – und der Markt strafte die Sportwagenschmiede aus Maranello ab: Nach der Enthüllung des Modells brachen die Aktien des Luxussportautoherstellers am Dienstag um mehr als acht Prozent ein. Das Papier erholt sich mittlerweile zwar etwas, aber der Schaden ist angerichtet.

Der Luce, ein Fünfsitzer mit einem Einstiegspreis von 550.000 Euro, markiert gleich mehrere Premieren auf einmal: Er ist Ferraris erstes Elektroauto, der erste Fünfsitzer der Italiener und das erste Modell mit einem Design des Studios LoveFrom, das von Jony Ive gegründet wurde, dem ehemaligen Chefdesigner von Apple, der unter anderem das Design des iMac, des iPod und des iPhones erschuf. Ausgeliefert werden soll der Wagen ab dem vierten Quartal dieses Jahres. Sämtliche Komponenten werden laut Ferrari im hauseigenen Werk im italienischen Maranello gefertigt.

Ferrari-Chef Benedetto Vigna sprach von einem „sehr, sehr wichtigen Tag" und einem „neuen Kapitel" in der Geschichte des Unternehmens. „Der Ferrari Luce bringt zusammen, was wir sind und was wir sein wollen“, sagt John Elkann, der Aufsichtsratsvorsitzende von Ferrari. So ganz freiwillig erfolgt der Ausflug in die E-Auto-Welt nicht: Um schmerzhafte Strafzahlungen aufgrund der hohen CO₂‑Emissionen seiner benzingetriebenen Boliden zu vermeiden, müssen auch die Ferraristi wohl oder übel Stromer ins Portfolio mit aufnehmen. 

Die Frontansicht des neuen Elektro-Ferrari „Luce“
Foto: Pressebild Ferrari
Die Frontansicht des neuen Ferrari „Luce“

Kritik von allen Seiten

Doch was eigentlich ein triumphaler Auftritt werden sollte, entwickelte sich schnell zum Shitstorm. Luca di Montezemolo höchstpersönlich, der das Unternehmen jahrzehntelang in verschiedenen Führungspositionen geprägt hatte und heute im Vorstand des Konkurrenten McLaren sitzt, nennt den Luce eine Schande für die Geschichte des Unternehmens. „„Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, würde ich Ferrari schaden. Wir riskieren, einen Mythos zu zerstören, und das tut mir sehr leid“, sagte er am Rande einer Wirtschaftskonferenz in Rom. „Ich hoffe, sie nehmen das springende Pferd von diesem Auto." Auch Italiens Verkehrsminister Matteo Salvini meldete sich zu Wort und bezeichnete den Wagen als „unverschämt teuer". Außerdem sehe er aus wie alles, „nur nicht wie ein Ferrari“.

Auch die Investoren reagierten allergisch. Die Analysten von RBC Capital Markets referierten, ihren Kunden gefalle insbesondere das aerodynamisch orientierte Design des Luce nicht, das laut Kritikern den Ferrari aussehen lässt wie andere E-Autos auch. Dabei wird unter anderem der chinesische „Lucid“ genannt. Außerdem mache Ferrari Abstriche beim Abtrieb. Beides zusammen könne den Wiederverkaufswert belasten.

Das Cockpit des neuen Ferrari „Luce“
Foto: Pressebild Ferrari
Das Cockpit des neuen Ferrari „Luce“

Erinnerungen an den „Purosangue“

Trotzdem raten die Experten zur Gelassenheit. „Es ist zu früh, um übermäßig besorgt zu sein", schrieben die RBC-Experten in ihre Studie und verweisen auf ein ähnliches Muster aus der jüngeren Vergangenheit: Als Ferrari 2022 den „Purosangue“ vorstellte – ein Fahrzeug, das als Bruch mit dem langjährigen Versprechen galt, niemals ein SUV zu bauen –, waren die Reaktionen ebenfalls skeptisch. Seither hat sich das Modell jedoch zu einem der meistgefragten Fahrzeuge im Ferrari-Portfolio entwickelt; die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem.

„Obwohl das Design des Luce von der Ferrari-Tradition abweicht, hat das Unternehmen signalisiert, dass das Fahrerlebnis der Marke treu bleibt", so die RBC-Analysten weiter. Zudem könnte Ferrari beim Luce die Stückzahl bewusst begrenzen, um die Exklusivität zu wahren. Diese Strategie habe sich für den Hersteller bewährt.

Elektro als Herausforderung für die Sportwagenbauer

Die Analysten der Citigroup ordnen den Luce-Start in einen breiteren Branchenkontext ein. Sie verweisen darauf, dass Luxuskonkurrenten wie Bentley, Lamborghini und Aston Martin ihre Elektromodelle allesamt verschoben haben – was die Risiken des Übergangs zur Batterietechnologie bei wohlhabenden Kunden unterstreiche. „Selbst Ferrari kann sich diesem Trend nicht auf Dauer entziehen", hieß es. Ob Zeitpunkt und Anziehungskraft des Luce das Elektroproblem für Ferrari lösen, bleibe abzuwarten. Für die absehbare Zukunft würden die Ergebnisse des Unternehmens trotzdem weiterhin von seinen Verbrennungsmodellen getragen.

Also aus Aktionärssicht alles kein Problem?

Die RBC-Analysten sehen sogar zusätzliches Potenzial, weil Ferrari mit dem Luce in neue Kundensegmente vorstoße. Sie nennen explizit China als möglichen Wachstumsmarkt. William Li, Chef des chinesischen Elektroautoherstellers Nio, zeigte sich bei einem Pressetermin in Peking offen für den Luce: „Ferraris Designs waren immer wegweisend. Der Luce hat seine ganz eigene Handschrift. Man muss ihn live sehen – Fotos und Videos können das nicht vollständig vermitteln."

Bleibt nur zu hoffen, dass der Luce wirklich einmalig bleibt – und die chinesische Konkurrenz ihn nicht sofort kopiert.

Ferrari (WKN: A2ACKK)

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Häufige Fragen zum Thema

Warum war Ferrari bisher eine so begehrte Aktie?

Ferrari ist unter den Autoherstellern einzigartig: Weil das Unternehen nur sehr kleine Stückzahlen fertigt, die Sportwagen aber sehr begehrt sind, kann Ferrari sehr hohe Preise verlangen und kommt entsprechend auf hohe Margen., Deshalb wird das Unternehmen nicht wie ein normaler Autohersteller bewertet, sondern quasi wie eine Luxusaktie.

Wer sind die wichtigtsen Konkurrenten von Ferrari?

Direkte Konkurrenten sind McLaren, Aston Martin und auch der Sportwagenbauer Lamborghini, der zum VW-Konzern gehört. Porsche dagegen spielt - auch preisich - eine Liga tiefer.

Empfiehlt BÖRSE ONLINE die Ferrrari-Aktie zum Kauf?

Nein derzeit nicht, Das Papier hat den ursprünglichen Stoppkurs bereits Ende 2025 unterschitten und wurde seitdem nicht wieder zum Kauf empfohlen.