Uniper kehrt an den Markt zurück: Der Energiekonzern baut den Umsatz aus und zahlt wieder Dividenden, die Aktie steigt. Lohnt sich jetzt der Einstieg?
Die geplante Reprivatisierung von Uniper gibt den Aktien des Düsseldorfer Energiekonzerns starken Auftrieb. Seit der Ankündigung Mitte Mai ist die Aktie um 12,5 Prozent gestiegen. Börse Online Leser haben von der Entwicklung profitiert: Das bei der letzten Kaufempfehlung im Februar ausgegebene Kursziel von 45 Euro wurde beim sprungartigen Anstieg der Aktie nach Bekanntwerden der Reprivatisierung erreicht.
Rettung durch den Staat notwendig
Uniper war im Februar 2022 mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine in massive finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der Konzern war stark von russischem Gas abhängig und geriet durch den plötzlichen Ausfall der Gaslieferungen und die damit einhergehenden explodierenden Beschaffungskosten unter Druck. Uniper verlor zeitweise rund 200 Millionen Euro pro Tag und stand kurz vor dem Zusammenbruch. Nachdem der Energiekonzern 2022 mit 13,5 Milliarden Euro gerettet werden musste, hält der Bund 99,12% der Uniper-Anteile. Bis Ende 2028 muss Deutschland seine Beteiligung auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Durch den Verkauf der Uniper-Anteile wird der Bund Erwartungen zufolge mehrere Milliarden Euro einlösen.
Die Reprivatisierung könnte durch einen Börsengang oder durch einen Verkauf – oder eine Kombination aus beiden Wegen – durchgeführt werden. Über eine Anzeige in der „Financial Times“ wurden kürzlich Investoren aufgefordert, bis zum 12. Juni ihr Interesse zu bekunden. Gesucht werden langfristig orientierte Investoren, die den Energiekonzern als Ganzes erhalten wollen. Laut der Anzeige gibt es noch keine finale Entscheidung über Umfang, Zeitplan und Form der potenziellen Transaktion. Nach dem 12. Juni soll es Verhandlungen mit möglichen Interessenten geben. Berichten zufolge sollen Staatsfonds und große Energieunternehmen zu den Interessenten gehören. Börse Online hatte bereits im Februar über Spekulationen berichtet, Eon könne die Mehrheit der Uniper-Aktien kaufen (Börse Online 8/2026).
IPO als weitere Option
Eine weitere Möglichkeit neben dem Verkauf an Investoren ist ein Börsengang. Die Bundesregierung hatte in der Vergangenheit lange ein Re-IPO als bevorzugte Privatisierungsoption genannt. Ein Börsengang bleibt laut einer Sprecherin des Bundesfinanzministerium „eine mögliche und gleichberechtigte Option“.
Operativ läuft es für Uniper wieder besser. Nach einem Verlust im Vorjahresquartal erzielte Uniper in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ein bereinigtes EBITDA von 407 Millionen Euro. Der Nettogewinn lag bei 231 Millionen Euro. Das Management bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr 2026.
Erste Dividende seit 2022
Ein weiterer wichtiger Schritt: Zum ersten Mal seit der Verstaatlichung im Jahr 2022 schüttet Uniper wieder eine Dividende aus. Auf der Hauptversammlung im Mai wurde eine Dividende von 0,72 Euro je Aktie beschlossen. Insgesamt fließen 300 Millionen Euro an die Aktionäre. Möglich wurde der Schritt unter anderem durch die vollständige Rückzahlung der Staatshilfen – rund 2,55 Milliarden Euro flossen an den Bund zurück.
Häufig gestellte Fragen
Was waren die Hintergründe der Uniper-Rettung 2022?
Uniper geriet im Zuge des den russischen Gasstopps im Ukraine-Krieg in eine existenzielle Krise. Der Bund rettete den Konzern mit 13,5 Milliarden Euro.
Warum möchte sich der Bund von seinen Uniper-Anteilen trennen?
Die Verstaatlichung erfolgte mit der Auflage, sich bis 2028 bis auf eine Sperrminorität von maximal 25% plus einer Aktie zu trennen. Durch den Verkauf erwartet der Bund mehrere Milliarden Euro Einnahmen.
Was bedeutet das für die Uniper-Aktie?
Die Reprivatisierungs-Ankündigungen trieben die Aktie deutlich nach oben. Operativ läuft es besser (EBITDA 407 Mio. €), Uniper zahlt wieder Dividende (0,72 €), was weiteres Aufwärtspotenzial liefert.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Uniper SE.