Amerikas Nebenwerte sind gefragt wie lange nicht. Zehn aussichtsreiche Tipps aus den unterschiedlichsten Branchen.
Waren die großen Schlagzeilen des Börsenjahres 2026 bislang vor allem von künstlicher Intelligenz und den großen Techkonzernen geprägt, spielt sich im Hintergrund etwas Ungewöhnliches ab: Der Russell 2000, der Index der kleinen amerikanischen Unternehmen, läuft in diesem Jahr zur Hochform auf. Um 18 Prozent legte er in fünf Monaten zu. Im Jahresvergleich sind es sogar mehr als 40 Prozent. Dies ist der beste Jahresstart des Index seit 1991, als es in den ersten fünf Monaten um fast 35 Prozent nach oben ging. Mehr noch: Der Small-Cap-Index übertrifft den S&P 500 in diesem Zeitraum um knapp acht Prozentpunkte — die größte Outperformance seit dem Jahr 2010. Das Paradoxe daran: Die Rally findet in einem Umfeld statt, das Small Caps eigentlich nicht unbedingt begünstigen sollte. Zinssenkungen, auf die viele Anleger gewartet haben, sind infolge des Iran-Kriegs und hartnäckiger Inflationsdaten wohl erst mal vom Tisch.
Wer genauer hinschaut, erkennt, dass diese Rally kein breites, undifferenziertes Phänomen ist. Es sind bestimmte Branchen, die den Ton angeben — Spezialisten aus der Medizintechnik und der Biotechnologie, die an Therapien für seltene Erkrankungen forschen, profitieren von einem neuen Risikoappetit der Investoren. Unternehmen aus der Gas- und Energieinfrastruktur, die das Rückgrat der US-Energieversorgung bilden, verzeichnen volle Auftragsbücher. Anbieter mobiler Energielösungen für Rechenzentren und Industriekunden erleben einen Nachfrageboom, den der KI-Hunger der großen Technologiekonzerne befeuert. Ingenieurdienstleister, die Glasfaser- und Telekommunikationsnetze quer durch die USA verlegen, bauen, von staatlichen Infrastrukturprogrammen profitierend, ihre Marktposition aus. Und Verteidigungsunternehmen, die auf unbemannte Systeme und Cybersicherheit spezialisiert sind, erhalten Rückenwind durch steigende Rüstungsbudgets.
Doch welche Titel aus diesem Universum sind tatsächlich einen Kauf wert? BÖRSE ONLINE hat für die Titelgeschichte der neuen Ausgabe den Russell 2000 systematisch nach einem klaren Kriterienkatalog durchleuchtet. Was bleibt, ist eine Auswahl, die Substanz mit Dynamik verbindet. Zehn Unternehmen, die stellvertretend für das stehen, was den Russell 2000 in diesem Jahr antreibt: Das sind vor allem solide Geschäftsmodelle, überzeugende Wachstumszahlen und Bewertungen, die noch Luft nach oben lassen.
Weitere Themen im Heft
Kurs nimmt Fahrt auf
Die Continental-Abspaltung liefert starke Argumente für Anleger. Trotz schwachem Auto-Zyklus wächst der operative Gewinn, auch die Kasse ist gut gefüllt (S. 30)
Kühlung für den KI-Boom
Durch die Entwicklung vom Technologiepartner der Druckbranche zum Thermomanagement-Anbieter profitiert dieser Hersteller von der Nachfrage nach Flüssigkeitskühlung für Datacenter (S. 32)
Aus der Mode
Die Gewinne steigen, die Prognosen sind ermutigend. Aber die Aktienkurse laufen der Entwicklung hinterher. Bei den Anteilscheinen von Zalando, Scout24 und Hypoport zeigen sich so günstige Bewertungsrelationen wie schon lange nicht mehr (S. 34)
Ohne Fahrer – mit Gewinn
Weltweit gehen Robotaxidienste an den Start und auch Privatfahrzeuge erhalten zunehmend Self-Driving-Funktionen. Die Redaktion hat die besten Werte entlang der Lieferkette ausgewählt (S. 46)
Chips mit Bonus
Chipaktien wie AMD und Intel zeigten sich zuletzt stärker als Nvidia, bergen jedoch auch höhere Rückschlagrisiken. Bonus-Cap-Zertifikate könnten jetzt eine gute Alternative zum Direkteinstieg sein. (S. 50)
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