Nach den teils heftigen Verlusten vom Mittwoch kehrt am Donnerstag offenbar vorsichtige Zuversicht an die US-Märkte zurück. Chiptitel erholen sich, Öl gibt nach – und Intel überrascht positiv. Die Belastung für den KI-Sektor heißt: Oracle.

Die Futures auf US-Aktien notieren gegen 14 Uhr deutscher Zeit deutlich im Plus. Futures auf den S&P 500 gewannen 0,72 Prozent, Futures auf den technologielastigen Nasdaq 100 legten um 1,2 Prozent zu, solche auf den Dow Jones Industrial Average stiegen um 378 Punkte oder 0,75 Prozent. Und das obwohl US-Streitkräfte in der Nacht auf Anweisung von Präsident Donald Trump erneut sogenannte Selbstverteidigungsschläge gegen den Iran durchgeführt haben. Der Ölpreis, der am Mittwochabend noch nach oben geschossen war, fiel wieder: West Texas Intermediate verlor ein Prozent auf rund 89 US-Dollar je Barrel, Nordseeöl der Sorte Brent kostet 91,95 Dollar, das sind sogar drei Prozent weniger als gestern.

Infront DowJones (WKN: 969420)

Chipaktien springen wieder an

Im Vorfeld des SpaceX-Börsengangs am Freitag erholen sich Chiptitel merklich. Der iShares Semiconductor ETF, der in dieser Woche erneut unter Druck geraten war, stieg im vorbörslichen Handel um drei Prozent. Micron Technology, Advanced Micro Devices und Intel legten allesamt zu. 

Besonders hervorzuheben ist Intel: Die Bank of America stufte die Aktie gleich um zwei Stufen von „Underperform" auf „Kaufen" hoch – mit der Begründung, dass die steigende Nachfrage nach klassischen Zentralprozessoren im Zuge der wachsenden Bedeutung sogenannter agentischer künstlicher Intelligenz unterschätzt werde. Intel-Aktien sprangen daraufhin um rund fünf Prozent nach oben. Ebenfalls stark im vorbörslichen Handel: Chip-Ausrüster Applied Materials und Lam Research stiegen um je knapp fünf Prozent, KLA gewann vier Prozent, ASML Holding legte mehr als drei Prozent zu – angeheizt durch Oracles Ankündigung vom Vorabend, dass man noch einmal mit deutlich höheren Investitionsausgaben plane.

Oracle büßt acht Prozent ein

Gleichzeitig ist Oracle aber auch das Sorgenkind des Tages. Obwohl der Softwarekonzern sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen übertraf und seinen bereinigten Gewinnausblick für das Gesamtjahr anhob, brach die Aktie im vorbörslichen Handel um acht Prozent ein. Auslöser war die Ankündigung Oracles, zusätzliche 20 Milliarden US-Dollar durch eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapital aufzunehmen, mit denen man den weiteren Aufbau der KI-Recheninfrastruktur finanzieren will. Die Reaktion des Marktes zeigt, dass Anleger zunehmend kritisch auf den negativen freien Cashflow und die wachsende Verschuldung des Unternehmens blicken, selbst wenn die operativen Kennzahlen solide ausfallen.

Oracle (WKN: 871460)

Rotation raus aus Tech

Victoria Fernandez, Chefmarktstrategie des Vermögensverwalters Crossmark Global Investments, erklärte den anhaltenden Druck auf Technologietitel gegenüber dem US-Börsensender CNBC damit, dass Anleger nach Gegengewichten zur KI-getriebenen Rallye suchten. „Die Investoren fragen sich: Wo können wir hingehen, um den Tech-Trade abzusichern? Was wäre das Gegenteil von Momentum und Beta?", sagte Fernandez. Ihre Kunden investierten zunehmend in Pharmaunternehmen und Biotechfirmen im Gesundheitsbereich sowie in Finanz- und Energieaktien. So eine Rotation aus Technologie heraus in vernachlässigte Sektoren sei ein klassisches Merkmal einer spätzyklischen Marktphase, fügte sie hinzu.

Der nächste Test sind die Inflationsdaten

Anleger warten am Donnerstag auf den Erzeugerpreisindex für den Monat Mai, der um 14:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit veröffentlicht wird. Ökonomen erwarten einen monatlichen Anstieg von 0,7 Prozent beim Gesamtindex und von 0,5 Prozent bei der Kernrate ohne Energie und Lebensmittel – jeweils deutlich weniger als die 1,4 beziehungsweise 1,0 Prozent im April. Sollten die Daten besser als erwartet ausfallen, könnte das der vorsichtigen Erholung an den Märkten weiteren Auftrieb geben.

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