Das Rentensystem steht vor seinem größten Umbau seit Jahrzehnten. Eine Expertenkommission hat ihre Vorschläge vorgelegt – zentraler Baustein ist eine Kapitalrente.
Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission schließt am Montag ihre Beratungen ab. Ihre Vorschläge sollen die Fachleute dann am Dienstag offiziell im Kanzleramt an die Bundesregierung übergeben. Viele Empfehlungen wurden über das Wochenende bereits bekannt.
Neue Rentenreform: Das sind die Vorschläge der Rentenkommission
Die wichtigsten Punkte sind: Das Rentenniveau soll durch eine neue Kapitalrente langfristig gesichert und das Rentenalter in den nächsten Jahrzehnten schrittweise angehoben werden. Auch die Rentenbeiträge werden weiter steigen.
Wegfallen soll in diesem Zuge aber der umstrittene frühe Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, umgangssprachlich auch “Rente mit 63” genannt. Außerdem sollen weitere Gruppen wie Abgeordnete und Selbstständige in das gesetzliche Rentensystem integriert werden.
Renten-Revolution: Kapitalrente nach schwedischem Vorbild
Für Börseninteressierte dürfte die Idee der Kapitalrente am spannendsten sein. Demnach soll ein Teil der Rentenbeiträge künftig am Aktienmarkt angelegt werden. Zu Beginn sollen 0,5 Prozent, später bis zu zwei Prozent vom Bruttolohn in diese neue Kapitalsäule fließen. Davon wird je die Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern eingezahlt.
Vorbild dieser kapitalgedeckten Zusatzrente ist Schweden. Auch in Deutschland soll diese dann von einem Staatsfonds verwaltet werden und verpflichtend sein. Mit den erhofften Erträgen will die Kommission das Rentenniveau stabil halten.
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Renten-Vorschläge: Lob von Wirtschaftsweisen, Kritik von Gewerkschaften
Während die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer die Vorschläge lobte, kam von Gewerkschaften und Sozialverbänden Kritik. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sagte den Agenturen zufolge, wenn geplant sei, die Rente ohne Abschläge nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen, werde dies in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie auf heftige Ablehnung treffen. "Diese Vorschläge blenden die Arbeits- und Lebenssituation vieler Beschäftigter in unseren Betrieben aus."
Die Kommission unter Vorsitz der Verwaltungswissenschaftlerin Constanze Janda und des Ex-Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, tagte rund 150 Stunden. Nach Angaben aus dem Gremium herrschte breiter Konsens über die Ergebnisse. Die Vorschläge sollen dazu beitragen, den Lebensstandard im Alter gerade für kleinere und mittlere Einkommen durch gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge zu sichern.
Die schwarz-rote Koalition will daraus bis zur Sommerpause ein Reformpaket schnüren, das den Arbeitsmarkt, die Rente, die Einkommensteuer und den Bürokratieabbau betrifft.
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Enthält Material von dpa-AFX
Häufige Fragen
Was ist die Rentenkommission?
Die Rentenkommission (offiziell: Alterssicherungskommission, kurz ASK) ist ein von der Bundesregierung eingesetztes, unabhängiges Expertengremium aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen. Sie besteht aus zehn Professorinnen und Professoren – je fünf von Union und SPD benannt – sowie drei beratenden Bundestagsabgeordneten der Koalition. Die Kommission hat 33 Empfehlungen erarbeitet, die in rund 150 Sitzungsstunden im Bundesarbeitsministerium entwickelt wurden.
Was sind die Vorschläge der Rentenkommission?
Die Kommission empfiehlt vier zentrale Maßnahmen: Das Rentenalter soll in den kommenden Jahrzehnten schrittweise steigen. Die Rentenbeiträge werden erhöht. Die populäre “Rente mit 63” – der abschlagsfreie Frührenteneintritt nach 45 Beitragsjahren – soll abgeschafft werden. Und neu: Ein Teil der Beiträge soll künftig verpflichtend am Aktienmarkt angelegt werden – die sogenannte Kapitalrente, verwaltet von einem Staatsfonds, nach schwedischem Vorbild. Ziel ist es, das Rentenniveau langfristig stabil zu halten – gerade für kleine und mittlere Einkommen.
Was ist die Kapitalrente?
Bislang funktioniert die deutsche Rente nach dem Umlageprinzip: Die Beiträge der Arbeitenden fließen direkt an die heutigen Rentnerinnen und Rentner. Weil aber immer weniger Jüngere immer mehr Ältere finanzieren müssen, gerät dieses Prinzip unter Druck. Die Rentenkommission schlägt deshalb eine neue Säule vor: die Kapitalrente. Zunächst sollen 0,5 Prozent, langfristig bis zu zwei Prozent des Bruttolohns in einen staatlich verwalteten Fonds eingezahlt und am Aktienmarkt angelegt werden – je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Das Vorbild ist Schweden, wo ein solches System seit Jahrzehnten funktioniert.
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