Hierzulande gibt es rund 20 börsennotierte Unternehmen, die ihre Dividenden 2026 ganz oder teilweise steuerfrei aus den Kapitalreserven zahlen wollen. Zum Abschluss der HV-Saison könnte auch wieder ein Finanzdienstleister aus dem SDAX zu diesem Kreis gehören.
Details zur Dividendenzahlung:
Auf der Hauptversammlung von MLP am 25. Juni 2026 soll eine Dividende in Höhe von 0,36 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen werden. Der Ex-Tag ist der 26. Juni. Die Ausschüttung wird ab 30. Juni auf den Verrechnungskonten der Depotbanken gutgeschrieben. Die Dividendenrendite liegt bei vergleichsweise hohen 4,5 Prozent.
Steuerfreie Ausschüttung:
Die Dividende 2026 könnte wie in den Vorjahren steuerfrei ausgeschüttet werden, falls MLP die Ausschüttung wieder aus dem steuerlichen Einlagekonto zahlt. "Diese Frage lässt sich noch nicht final verbindlich beantworten", teilte Pascal Löcher, Leiter Investor Relations auf Anfrage von BÖRSE ONLINE mit. "Die Dividendenausschüttung an sich bedarf zunächst der Zustimmung der Hauptversammlung."
Eine verbindliche Information über die steuerliche Behandlung der Dividende wird es somit für Aktionäre voraussichtlich erst im Nachgang der Hauptversammlung ab 26. Juni - über eine Veröffentlichung der Dividendenbekanntmachung im Bundesanzeiger und auf der MLP-Website - geben.
Der rechtliche Hintergrund:
Bei Auszahlung vom dem sogenannten steuerlichen Einlagekonto gemäß Paragraf 27 Körperschaftsteuergesetz erfolgt die Ausschüttung erfolgt damit nicht aus dem laufenden Gewinn des Unternehmens, sondern aus Rücklagen oder Einlagen, die die Gesellschafter früher eingebracht haben.
Vollständige Steuerfreiheit der Ausschüttung bedeutet: Die Dividende wird ohne Abzug von Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ausbezahlt. Basis für diese rechtliche Gestaltung sind bilanzrechtliche Umstrukturierungen in der Vergangenheit.
Das Einlagekonto hat steuerlich die Funktion, dass die von den Anteilseignern geleisteten Gesellschaftereinlagen von den durch die Gesellschaft selbst erwirtschafteten Gewinnen getrennt werden. Aktionäre bekommen so die Ausschüttung „brutto für netto“ auf ihr Depot-Verrechnungskonto überwiesen, ohne dass der Sparpauschbetrag (1000 Euro Singles, 2000 Euro zusammenveranlagte Partner) belastet wird.
Dauerhafte Steuerfreiheit:
Langfristig profitieren bei Ausschüttungen von Einlagekonten nur Anleger, die entsprechende Dividendenpapiere bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 gekauft haben: Sie kassieren bei späteren Verkäufen Kursgewinne ohne Abzug steuerfrei. Der Börsengang der MLP AG, die inzwischen als MLP SE firmiert, erfolgte im Jahr 1988.
Steuerstundungs-Effekt:
Alle Aktionäre, die später, also seit 2009, eingestiegen sind, erzielen bei Dividendenzahlungen vom Einlagekonto zumindest einen „Steuerstundungs“-Effekt: Beim Verkauf werden die steuerfreien Ausschüttungen vom Kaufkurs abgezogen, die Differenz zwischen reduziertem Einstandspreis und Verkaufskurs ist dann kapitalertragsteuerpflichtig.
Zum Unternehmen:
Die MLP SE ist die Holding der MLP Gruppe. Der Finanzdienstleister deckt mit seinen sechs Marken wie Feri ein breites Angebotsspektrum für private Kunden, Unternehmen und institutionelle Investoren ab. Zudem verfügt die Gruppe via Tochter MLP Banking über ein eigenes Kreditinstitut mit einer Vollbanklizenz.