Für viele Charttechniker ist die 200-Tage-Linie eine der wichtigsten Orientierungsmarken überhaupt. Umso größer war die Aufregung, dass der Goldpreis am Freitag unter diesen viel beachteten Durchschnitt fiel. 

Ein solcher Bruch wird in der Chartlehre als starkes Verkaufssignal interpretiert und kann zusätzliche Verkaufsaufträge auslösen. Entsprechend nervös reagierten die Finanzmärkte auf die jüngste Schwäche des gelben Edelmetalls. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass auch in langfristigen Haussephasen immer wieder deutliche Korrekturen auftreten können.

Technische Indikatoren senden Warnsignale

Auf der Trading-Plattform TradingView wird Gold derzeit als „Starker Verkauf“ bewertet. Derzeit liefern aktuell 16 von 26 technischen Indikatoren ein Verkaufssignal, während zehn auf Halten stehen. Kein einziger Indikator spricht momentan für einen Kauf. Besonders trendfolgende Systeme reagieren empfindlich auf den jüngsten Kursrückgang und verstärken damit den negativen Eindruck. Aus technischer Sicht hat sich das Momentum somit deutlich eingetrübt

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Dollarstärke und Zinssorgen belasten Gold

Die wichtigsten Verkaufsargumente lassen sich derzeit auf drei Faktoren reduzieren: Momentum, Dollarstärke und Zinssorgen. Zum einen hat sich die Abwärtstrend kurzfristig beschleunigt. Viele Marktteilnehmer folgen technischen Signalen und reduzieren deshalb ihre Positionen. Zum anderen profitiert der Dollar von der Erwartung höherer Zinsen. Ein starker Dollar macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer und kann die Nachfrage dämpfen.

Hinzu kommen neue Zinssorgen. Nach robusten US-Arbeitsmarktdaten rechnen die Finanzmärkte inzwischen wieder verstärkt mit einer möglichen Zinserhöhung der US-Notenbank vor dem Jahresende. Gleichzeitig treiben steigende Energiepreise die Inflationserwartungen nach oben. Höhere Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten von Gold, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Genau dieser Mix aus starkem Dollar, steigenden Renditen und Inflationssorgen hat den jüngsten Verkaufsdruck maßgeblich verstärkt.

Warum Anleger dennoch nicht in Panik verfallen sollten

Trotz des angeschlagenen Chartbildes sehen aber zahlreiche Marktbeobachter unter fundamentalen Aspekten keinen Grund zur Panik. Diese weisen darauf hin, dass Gold in den vergangenen Jahren von mehreren langfristigen Trends profitiert hat, die weiterhin bestehen. Dazu zählen eine zunehmend fragmentierte Weltwirtschaft, geopolitische Spannungen, höhere Staatsausgaben und steigende Haushaltsdefizite. Zwar könnten die Kurse kurzfristig weiter unter Druck geraten, falls die Märkte mit stark steigenden Zinsen rechnen. Sollte jedoch die Inflation in Zukunft höher als die Anleiherenditen (-> negative Realzinsen) ausfallen, spräche dies für den Krisenschutz Gold.

Viele Analysten betrachten den aktuellen Rückschlag daher eher als temporäre Korrektur innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends. Mehrere Experten halten sogar Preise von über 5.000 Dollar innerhalb der kommenden zwölf Monate für möglich.

Fazit: Kurzfristig dominieren derzeit aufgrund der angeschlagenen charttechnischen Lage zweifellos die Bären das Geschehen. Für langfristig orientierte Anleger ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Die strukturellen Faktoren, die den Goldpreis in den vergangenen Jahren unterstützt haben – hohe Schuldenstände, geopolitische Risiken, Zentralbankkäufe und die Funktion von Gold als Krisen- und Inflationsschutz – sind weiterhin vorhanden. Aus langfristiger Sicht sprechen die Argumente daher weiterhin eher für das Kaufen von Gold.

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