Seit einigen Wochen bereitet der Goldpreis vielen Anlegern Sorgen. Doch jetzt raten vermehrt Experten zum Kauf des Edelmetalls. Die hohe Inflation könnte endlich als Kurstreiber dienen.
Die vergangene Woche brachte den Goldpreis immer näher an die Marke von 4.000 US-Dollar je Unze. Vor allem die hohe Inflation in den USA in Verbindung mit starken Arbeitsmarktdaten könnten zu einem restriktiven Kurs der US-Notenbank führen. Diese entscheidet am Mittwoch über den Leitzins des Landes und beeinflusst damit maßgeblich den Preis des Edelmetalls. Ein Experte der Universität Bayreuth rät jetzt dennoch zum Kauf.
Goldpreis: Inflation als Kurstreiber?
Die Unterstützung bei 4.000 US-Dollar je Unze ist intakt. Das Niveau hält und der Goldpreis notiert am 15. Juni um 12:31 Uhr bei 4.338,61 US-Dollar je Unze. Damit legt das Edelmetall um 2,81 Prozent im Vergleich zum Freitag zu. Diese Entwicklung stellt eine erste Reaktion auf die Entspannung im Nahen Osten dar. Ein großes Problem liegt in der Inflation, die durch den Iran-Krieg weiter Fahrt aufgenommen hat.
Die USA haben derzeit mit wachsenden Haushaltsdefiziten, einer unaufhörlich steigenden Staatsverschuldung und starken Arbeitsmarktdaten zu kämpfen. In solchen Zeiten greifen Anleger in der Regel zu Gold, doch derzeit sorgt die Abwartehaltung der Federal Reserve für das genaue Gegenteil. Gold ist ein unverzinslicher Vermögenswert. Daher könnte der voraussichtlich restriktive Kurs der Fed zu höheren Kosten für Anleger führen. Allerdings empfehlen zunehmend Analysten, nicht nur auf den Nominal- sondern auch auf den Realzins zu achten.
Steigt die Inflation schneller als die Zinsen, sinkt auch der Realzins. Daraus resultiert eine verringerte Attraktivität für US-Staatsanleihen, was Gold zu einer solideren Anlagealternative macht. Experten gehen weiterhin von einer Zinserhöhung in diesem Jahr aus. Am kommenden Mittwoch findet die erste Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh statt. Allerdings sollten die Währungswächter vorerst an ihrem Kurs festhalten.
Bisher schienen Anleger auf klare Signale zu Inflation, geldpolitischer Richtung und Wachstum zu warten - die Friedensverhandlungen im Iran-Krieg scheinen genau dieses Signal zu sein.
An die Zukunft denken
Gold zeigte sich in den vergangenen Jahrzehnten als sicherer Hafen für viele Anleger. Auch einige Aktien haben das Potenzial, noch Generationen zu überdauern. Im "Aktien für die Ewigkeit"-Index von BÖRSE ONLINE finden Anleger passende Werte, die zu einer "Buy and hold forever"-Strategie passen.
Experte rät zum Goldkauf
Thorsten Polleit, Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth und Herausgeber des BOOM & BUST REPORT, ist sicher, dass die aktuellen Preise eine gute Kaufgelegenheit darstellen. Er sagt, dass der Rückgang vom Hoch als natürliche Korrektur nach einer außergewöhnlich starken Rally verstanden werden sollte und nicht den Beginn eines neuen Bärenmarkts darstellt. Polleit hält es für möglich, dass Gold kurzfristig noch tiefere Niveaus testen könnte, jedoch nicht unter 3.900 US-Dollar je Unze fallen dürfte. "Das ist eigentlich der zugrunde liegende Trend, der unser aktuelles Regime widerspiegelt, mit all seinen Problemen, mit negativen Realzinsen, mit Gelddrucken, mit aus dem Ruder laufenden Staatsschulden", so der Experte.
Auch die Verlagerung des Anlegerinteresses hin zu Technologiewerten und die zeitweilige Korrekturphase nennt Polleit als Faktoren. Dennoch ist er der Ansicht, dass Gold bei vielen Anlegern weiterhin untergewichtet und unterschätzt sei und rät zum Kauf bei den aktuellen Preisen.
Interessierte und Anleger sollten den 19. Juni rot im Kalender markieren. An diesem Tag soll die Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran stattfinden. Entscheidend ist hierbei vor allem, inwieweit die wichtige Handelsroute, die Straße von Hormus, wieder geöffnet wird. Auch eventuelle Zollanpassungen durch US-Präsident Donald Trump könnten der Inflation entgegenwirken - allerdings hält das US-Staatsoberhaupt an seiner bisherigen Politik fest. Die entspannende Lage lässt zumindest einen kurzfristigen Aufwärtstrend vermuten, durch den der Goldpreis etwas Erholung finden sollte. Kommt es zu erneuen Ausbrüchen, einer höheren Inflation oder gar einer Zinserhöhung der Fed, dreht der Kurs mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch wieder ins Minus. Gold ist also weiterhin ein interessanter Wert - dennoch sollten Sie ihn mit Vorsicht genießen.
In Gold investieren - Mit dem Börsenbrief Goldfolio
Wer in Edelmetalle oder Rohstoffe investieren möchte, sollte den Börsenbrief "Goldfolio" genauer unter die Lupe nehmen. Ob Gold, Silber, Kupfer oder aussichtsreiche Minenaktien – hier erhalten Sie fundierte Analysen, klare Empfehlungen und starke Strategien für Ihr Depot.
Häufig gestellte Fragen
Warum gilt Gold trotz hoher Zinsen oft als sicherer Hafen?
Gold wirft zwar keine Zinsen ab, wird aber häufig in Zeiten von Unsicherheit gekauft, weil es als stabiler Wertspeicher gilt. Wenn Inflation, geopolitische Risiken oder Währungsschwankungen zunehmen, suchen viele Anleger Schutz in Gold.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Gold zu kaufen?
Einen perfekten Zeitpunkt gibt es selten, weil der Goldpreis stark auf Inflation, Notenbankpolitik und geopolitische Entwicklungen reagiert. Viele Anleger setzen deshalb auf gestaffelte Käufe, um Kursschwankungen besser auszugleichen.
Welche Rolle spielt die Fed für den Goldpreis?
Die Federal Reserve beeinflusst den Goldpreis vor allem über die Zinsen und die Erwartungen am Markt. Steigen die Realzinsen, wird Gold oft unattraktiver - fallen sie, gewinnt das Edelmetall meist an Stärke.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.