Der Goldpreis hat in den vergangenen Monaten eine Achterbahnfahrt hinter sich. Auf Rekordstände folgte ein deutlicher Rücksetzer – und dennoch sind viele Experten überzeugt: Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt.
Strategen von Rockefeller Global Investment Management sehen Gold bis 2027 über 5.500 Dollar und halten bis 2030 Kurse von bis zu 10.000 Dollar für möglich. Was steckt dahinter – und was muss dafür passieren?
Experten sprechen beim Gold vom dritten großen Bullenmarkt seit den 1970er-Jahren. Der erste startete 1971 mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems, der zweite nach dem Platzen der Technologieblase. Den aktuellen Zyklus löste 2022 der Russland-Ukraine-Krieg aus – und vor allem die Einfrierung russischer Devisenreserven durch westliche Staaten. Zentralbanken weltweit erkannten, dass ihre Reserven im Dollar-Euro-System plötzlich politischen Risiken ausgesetzt sein können. Gold ohne Emittenten- oder Kontrahentenrisiko rückte in den Fokus staatlicher Reservemanager. Das Ergebnis: Drei aufeinanderfolgende Jahre mit mehr als 1.000 Tonnen Goldkäufen durch Zentralbanken – rund 20 bis 25 Prozent der weltweiten Jahresförderung.
Was für 10.000 Dollar passieren muss
Rockefeller-Stratege Doug Moglia nennt konkrete Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Gold bis 2030 tatsächlich die 10.000-Dollar-Marke erreicht. Sein Basisszenario sieht zunächst einen Anstieg über 5.500 Dollar im Jahr 2027 vor, gefolgt von rund 8.000 Dollar vor 2030 – die 10.000 Dollar gelten dabei als Überschießpotenzial, das unter bestimmten Voraussetzungen realistisch wird. Die entscheidende Bedingung: Der laufende Regimewechsel im globalen Reservesystem muss sich fortsetzen. Solange Zentralbanken Gold zunehmend als bevorzugten Reservewert betrachten – auf Kosten von US-Staatsanleihen – bleibt der strukturelle Aufwärtsdruck bestehen. Kehrt sich dieser Trend um, würde laut Moglia auch der Bullenmarkt enden. Derzeit gebe es dafür aber keine Anzeichen.
Konkret braucht es mehrere parallel wirkende Faktoren. Erstens müssen Zentralbanken weiter Gold kaufen: Der Anteil von Gold an den globalen Währungsreserven liegt bei rund 31 Prozent gegenüber 56 Prozent für den Dollar. Nähert sich dieses Verhältnis langfristig der Parität, entsteht ein enormer, weitgehend preisunempfindlicher Nachfragesog. Zweitens muss die Beteiligung westlicher Finanzinvestoren über ETFs hoch bleiben. 2025 stiegen die globalen Gold-ETF-Bestände um knapp 20 Prozent auf über 4.000 Tonnen – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage inzwischen auf einer breiteren Basis steht. Drittens würden anhaltend hohe Staatsschulden, strukturelle Haushaltsdefizite und Zweifel an der politischen Unabhängigkeit der US-Notenbank die Attraktivität von Gold als Alternative zum Dollar erhöhen. Viertens könnten geopolitische Spannungen die Nachfrage nach sicheren Häfen zusätzlich unterstützen.
Moglia betont dabei auch, was den Bullenmarkt beenden würde: Eine glaubwürdige Rückkehr von US-Staatsanleihen in ihre frühere Rolle als unangefochtenes globales Reserveasset. Davon scheint die Welt derzeit jedoch weit entfernt.
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Kursrückgang ohne fundamentalen Trendbruch
Seit Ende Januar 2026 hat der Goldpreis deutlich korrigiert. Moglia sieht darin jedoch keine Trendwende, sondern vor allem den Abbau spekulativer Übertreibungen. Gehebelte Positionen wurden aufgelöst, während steigende Anleiherenditen und ein festerer Dollar zusätzlichen Druck ausübten.
Für Moglia ist dies ein bekanntes Muster aus früheren Goldzyklen. Historisch dauerten säkulare Goldbullenmärkte oft nahezu ein Jahrzehnt, während sich der aktuelle Zyklus erst im vierten Jahr befindet. Der grundlegende Regimewechsel, der den Aufwärtstrend trägt, gilt aus seiner Sicht weiterhin als intakt. Zudem werde Gold seit 2022 zunehmend von einer stabilen und weitgehend preisunabhängigen Zentralbanknachfrage gestützt, wodurch sich ein höheres langfristiges Preisniveau etablieren könne.
Ein interessanter Vergleich zum Abschluss
Zum Abschluss ein besonders aufschlussreiches Gedankenexperiment aus dem IGWT 2026. Der Report zeigt, wie hoch der Goldpreis notieren müsste, wenn die US-Goldreserven die Bundesschulden in gleichem Maße decken würden wie in früheren Epochen. Anfang der 1940er-Jahre deckten die US-Goldreserven die Staatsschulden noch zu rund 51 Prozent – Ende 2025 waren es nur noch 3 Prozent. Hochgerechnet auf den heutigen Schuldenstand ergäben sich folgende implizierte Goldpreise: für die Deckungsquote von 1917 rund 60.850 Dollar, für 1940 rund 72.250 Dollar und für den Zwischenhoch-Wert von 18 Prozent im Jahr 1980 noch immer über 30.000 Dollar. Das sind keine realistischen Kursziele – eine Rückkehr zur Golddeckung von Staatsschulden steht politisch nicht zur Debatte. Doch die Zahlen zeigen eindrücklich, wie stark sich das Verhältnis von Papiergeld und realem Gegenwert verschoben hat. Selbst die von Rockefeller prognostizierten 10.000 Dollar wirken vor diesem Hintergrund fast bescheiden.
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