Eine heftige Verkaufswelle, vor allem bei Tech-Aktien, rollt heute um den Globus. Der Ausverkauf begann am Morgen in Südkorea, sprang dann nach Europa über und nun zeigen die Futures: Auch die US-Börsen werden tiefrot eröffnen. Ist das schon wieder eine Kaufchance?

Den Auftakt machten am Dienstag die asiatischen Märkte: Südkoreas technologielastiger Kospi-Index schloss mit einem heftigen Tagesverlust von zehn Prozent. Größte Verlierer waren die beiden Technologieriesen und Indexschwergewichte SK Hynix und Samsung, die beide mehr als zwölf Prozent verloren. Sie gehören zu den wichtigsten Zulieferern im Chipmarkt und wirken oft als Seismograf für die Stimmung in der gesamten Technologiebranche. Der drastische Rückgang machte die Investoren weltweit hellhörig – und hatte Folgen; nicht nur für den Nikkei in Japan, der 3,55 Prozent abgab.

Am Morgen erfassten die Verkäufe direkt nach Handelsauftakt die Börsen in Europa. Auch hier waren allen voran Halbleiterwerte wie Infineon und STMicroelectronics betroffen. Doch schon bald folgten auch Titel aus anderen Branchen. Der DAX gab zeitweise 1,6 Prozent ab. Zu den größten Verlierern gehören am frühen Nachmittag die zuletzt stark gestiegenen Aktien von Siemens Energy, Hochtief und eben Infineon mit einem Minus jeweils mehr als fünf Prozent. Auch der breit gefasste Stoxx 600 verlor rund ein Prozent, der Stoxx 600 Technologieindex gab sogar drei Prozent ab. Besonders hart traf es dort STMicro und den niederländischen Halbleiterausrüster ASML. Beide verloren mehr als sieben Prozent.

Infineon Technologies (WKN: 936207)

US-Futures signalisieren weiteren Kursdruck

Wer gehofft hatte, dass der Spuk mit der Eröffnung der US-Börsen zu Ende sein wird, wird gerade von den US-Futures eines Besseren belehrt. Vorbörslich fällt der iShares Semiconductor ETF um 6,2 Prozent (Stand 13:30 Uhr). Einzelne Chipwerte leiden noch stärker: Intel fällt im vorbörslichen Handel um 7,6 Prozent, Micron um 8,5 Prozent, AMD um 6,2 Prozent. Auch Nvidia gab drei Prozent nach. Futures auf den Nasdaq 100 insgesamt verloren 2,7 Prozent.

Auch die SpaceX-Aktie, die am Vortag schon satte 16 Prozent eingebüßt hatte, wird voraussichtlich erneut sinken. Sie handelt vorbörslich drei Prozent im Minus. 

Der Kurssturz im Technologie-Bereich kommt zu einem heiklen Zeitpunkt, weil am Mittwochabend nach Börsenschluss der Speicherhersteller Micron Technology seine Zahlen vorlegen wird. Nach einem Kursanstieg um 880 Prozent binnen zwölf Monaten sind die Erwartungen entsprechend hoch. Würde Micron sie verfehlen, könnte das der Auslöser für eine neue Verkaufswelle werden.

Intel (WKN: 855681)

Dan Ives sieht Kaufchancen

Sehen wir also heute erst den Beginn einer größeren Korrektur? Viele Marktexperten glauben das nicht. So sagte der Chef des Vermögensverwalters Strategy Asset Managers, Tom Hulick, im US-Börsensender CNBC: „Ich glaube nicht, dass wir uns irgendwo in der Nähe eines katastrophalen Marktversagens befinden.“ Es gebe zu viel Liquidität und auch die Gewinnentwicklung der Unternehmen sei im Moment sehr stark. Das gelte auch für Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz. Sie werde in den kommenden Jahren „weiterhin die Gewinne von Unternehmen steigern. Wenn man Kapitalausgaben in Billionenhöhe hat, kann das die Bewertungen für Unternehmen wie SpaceX oder Anthropic etwas in die Stratosphäre treiben“.

Ähnlich gelassen bewertet Dan Ives, Analyst beim Investmenthaus Wedbush, die Lage. In einer Notiz vom Dienstagmorgen wagte Ives, der als Daueroptimist gilt, sogar die Aussage, dass der Ausverkauf eine Kaufgelegenheit biete. Er räumte zwar ein, dass der starke Rückgang in Korea Nervosität im Markt ausgelöst habe und es Sorgen gebe, die Schwäche könnte auf US-Technologieaktien übergreifen. Doch Ives bleibt optimistisch: Er glaube weiterhin, „dass wir in diesem Markt eine Reihe von Bewährungsproben im Technologiebereich durchlaufen werden, während die KI-Revolution in der dritten Runde bleibt – dieser Morgen ist einfach eine weitere davon." Ives verwaltet übrigens den Wedbush KI-Revolution-ETF. Dessen größte Positionen heißen: Micron, TSMC, AMD und Nvidia.

Fazit für Anleger: Heute die Füße stillhalten

Anleger sollten sich – bei allem Optimismus – dennoch auch auf das andere Szenario einstellen. Die heutige Marktreaktion könnte auch ein Anzeichen für eine Neubewertung von Technologieaktien sein. Der Kurseinbruch bei SpaceX zeigt, wie schnell das Momentum umkippen kann. Dort hatte sich der Absturz gestern im Tagesverlauf beschleunigt. Deshalb ist es vermutlich keine gute Idee, jetzt, zum Handelsauftakt, in das fallende Messer zu greifen. Wer dennoch bei Halbleiterwerten aufstocken will, sollte es besser nicht heute tun. Wer auf dicken Gewinnen sitzt, muss ebenfalls heute noch nicht aktiv werden.

Morgen Abend, nach den Micron-Zahlen, sehen wir alle klarer.

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Häufige Fragen zum Thema

Warum fällt der KOSPI so stark?

Der südkoreanische Leitindex KOSPI besteht zu mehr als 50 Prozent aus zwei Halbleiter-Aktien: Samsung und SK Hynix. Entsprechend stark hängt er von deren Bewegungen ab. Bei beiden Titeln kam es am Dienstag zu Gewinnmitnahmen.

Was stellt Micron Technology her?

Micron Technology ist einer der weltweit führenden Halbleiterhersteller. Das US-amerikanische Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Produktion von Speicherchips und Datenspeicherlösungen spezialisiert. Sein Portfolio umfasst als Kernprodukte:

- DRAM (Dynamic Random Access Memory), also die klassischen Arbeitsspeicher für PCs, Server, Mobilgeräte und Autos. 

- NAND-Flash-Speicher, das sind Datenspeicher, die ihre gespeicherten Informationen nicht vergessen, wenn die Stromzufuhr gekappt ist. Sie werden unter anderem in SSDs (Solid State Drives) und Smartphones verbaut.

- HBM (High Bandwidth Memory). Diese Speicher sind extrem leistungsstark und schnell. Deshalb werden sie zusammen mit KI-Prozessoren (etwa von Nvidia) für Anwendungen rund um die Künstliche Intelligenz benötigt.

Warum fällt Infineon, wenn Micron fällt?

Infineon hat früher auch einmal DRAM-Speicher gebaut, sich von diesem Geschäft aber längst verabschiedet. Das wird an der Börse oft vergessen. Außerdem profitiert auch Infineon über seine Leistungshalbleiter für Stromversorgugssysteme vom KI-Boom. Jedes Mal, wenn im Markt Zweifel an den Ausbauplänen für die KI-Rechenzentren aufkommen, sinken daher nicht nur die direkten Chiplieferanten für KI , sondern auch Infineon.

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