Am Donnerstag hatte BÖRSE ONLINE vor dem vierfachen Verfallstag im Juni gewarnt. Scott Rubner von Citadel sieht das Ereignis ebenfalls als Gamechanger und geht davon aus, dass weitere technische Impulse für eine Neuausrichtung im Markt sorgen.

Am Montag könnten größere Veränderungen an den Märkten stattfinden. Schon am 18. Juni waren - wegen eines Feiertags am Freitag - in den USA die Kontrakte von vier Terminmärkten gleichzeitig ausgelaufen, Am Freitag fand dieser sogeannte "Hexensabatt" dann an den europäischen Börsen statt. Beide Ereignisse könnten nun zeitverzögert am Montag für Druck auf die Kurse sorgen. Als zweiten Faktor nennt Scott Rubner, Strategie-Leiter für Aktien bei Citadel Securities, in einer aktuellen Analyse die Neugewichtung in den Portfolien großer US-Pensionsfonds.

Hexensabbat - Folgt der Kurssturz am Montag?

Das Interesse an Optionen lag mit 28 Prozent auf einem Allzeithoch. Vor allem private Anleger investierten in großem Umfang in Call-Optionen. Daraus resultierte ein Optionsvolumen in Höhe von 8,3 Billionen US-Dollar, das am Donnerstag nach Handelsschluss ausgelaufen war. Das sind rund 18 Prozent mehr als beim bisherigen Rekord in Höhe von 7,1 Billionen US-Dollar im Dezember.

Da jedoch am Freitag kein Handel in den USA stattfand, ist der Montag entscheidend: Setzen Anleger ihre Gewinne aus dem abgelaufenen Quartal für den Kauf neuer Call-Optionen ein, oder ist ihnen der Markt zu heiß geworden? Trifft Letzteres zu, würde das schlagartig den bisherigen Kaufdruck aud dem Markt nehmen und könnte zu einem stärkeren Abverkauf führen. Vor allem die Kurse der Chip-Werte, die seit dem letzten Hexensabbat Ende März deutliche Kursgewinne erzielten, könnten unter Druck geraten.

Bleibt das Interesse dagegen bestehen, ginge der Aufschwung vermutlich unvermindert weiter. 

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Neugewichtung im Portfolio: US-Pensionsfonds sind überfinanziert

Einen weiteren Einflussfaktor auf die Kurse sieht Rubner bei den US-Pensionsfonds. Seinen Zahlen zufolge sind die 100 größten Pensionsfonds der USA aktuell zu 110 Prozent finanziert, sie haben also mehr Geld zur Verfügung als sie anlegen wollen. Zum Quartalsende werde nun eine Immunisierung der Portfolios folgen, sagt Rubner, was zum Verkauf von Aktien und gleichzeitig zu Käufen von Anleihen führen werde, so der Experte. Am 1. Juli beginne zudem ein neuer Allokationszyklus, in dem Rentenfonds, passive Anlagestrategien und weitere Investoren frisches Kapital investieren würden. 

Dahinter sieht der Stratege jedoch nur eine vorübergehende technische Schwäche des Marktes, denn noch sind die Zuflüsse, insbesondere in ETFs, sehr hoch: In sie seien seit Jahresbeginn mehr als eine Billion US-Dollar geflossen, das sei 45 Prozent mehr als im Vorjahr. 18 Cent von jedem Dollar, der in den S&P 500 investiert wird, fließen in Halbleiterunternehmen. 33 Cent entfallen auf die Magnificent Seven und allein 40 Cent auf die zehn größten Titel des Index. Das treibt vor allem diese Aktien an.

Was bedeutet das für Anleger

Die großen Verfallstage Ende vergangener Woche könnten am Montag zu einer Neuausrichtung vieler Portfolios führen und damit vor allem Verkaufsdruck auf die bisher besonders gut gelaufenen Chipwerte auslösen, Gleichzeitig werden die großen US-Pensionsfonds damit beginnen, ihre Portfolios zu adjustieren und den überschießenden Aktienantil zum 1. Juli wieder auf das geplante Maß zu senken. Auch das führt zu Verkäufen von Aktien und löst Druck auf die Kurse aus.

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Häufig gestellte Fragen

Warum reagieren Chip-Aktien besonders stark auf den Optionsmarkt?

Chip-Aktien zählen zu den meistgehandelten Tech-Werten und sind deshalb oft stark von Optionsströmen beeinflusst. Wenn viele Anleger auf steigende Kurse setzen, verstärkt das kurzfristig Bewegungen nach oben, während eine Gegenbewegung umso heftiger ausfallen kann.

Was bedeutet eine Neugewichtung von US-Pensionsfonds für den Gesamtmarkt?

Wenn große institutionelle Investoren ihre Portfolios anpassen, verschiebt sich Kapital in großem Stil zwischen Aktien und Anleihen. Das kann kurzfristig Druck auf einzelne Sektoren ausüben, vor allem wenn viele Fonds gleichzeitig umschichten.

Ist der Hexensabbat für Privatanleger eine Chance oder eher ein Risiko?

Beides ist möglich: Für aktive Anleger können starke Kursschwankungen Chancen eröffnen, etwa bei kurzfristigen Trades. Wer nicht aktiv handelt, sollte solche Tage eher als Phase erhöhter Volatilität sehen und auf klare Risikopuffer achten.

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