Die europäischen Chemiewerte profitieren seit Mitte März von einer Sonderkonjunktur, die zuletzt ins Wanken geraten ist. Am Freitag zeigen sich die Aktien mehrerer Unternehmen jedoch deutlich stärker. Ein am MDAX notierter Titel legte fast zweistellig zu.

Der Kölner Chemiekonzern Lanxess legte am Freitagmittag um 7,55 Prozent im Xetra-Handel zu. Damit notiert die Aktie bei 17,09 Euro und nähert sich der 100-Tage-Linie an. Auch die Kurse von BASF, Wacker Chemie und Evonik verzeichnen Gewinne. Rückenwind erhielt die Branche durch eine Analystenentscheidung der MWB Research.

MWB Research gibt Kaufempfehlung für Lanxess aus

Analyst Abed Jarad empfahl die Lanxess-Aktien mit einem Kursziel von 20 Euro zum Kauf. Durch die jüngste Anleiheplatzierung hätten die Kölner ihren guten Zugang zum Kapitalmarkt bewiesen, sagte der Experte. Auch die jüngste Entspannung bei Öl- und Gaspreisen sei hilfreich, der Auftrieb in der Lieferkette lasse allerdings nach.

Jarad geht davon aus, dass Lanxess den Jahrestiefpunkt im ersten Quartal bereits erreichte. Die Chancen und Risiken für das zweite Halbjahr und 2027 bewertet der Analyst als günstig. Insgesamt gab diese Meldung der Lanxess-Aktie Rückenwind und weiterhin profitiert der Wert von den Lieferschwierigkeiten des asiatischen Marktes.

Übrigens: Möchten Sie nicht in Werte mit einem "Vielleicht" investieren, sollten Sie einen Blick in den "Aktien für die Ewigkeit"-Index werfen. Der Index bildet Werte ab, die einer "Buy and hold forever"-Strategie folgen.

Lanxess (WKN: 547040)

BASF, Wacker Chemie und Evonik legen ebenfalls zu

Auch weitere Chemieaktien können ein Plus verzeichnen. Der größte Chemiekonzern BASF kommt mit 0,99 Prozent auf das geringste Wachstum. Erst am Donnerstag geriet der Chemiesektor unter Druck. Gewinnmitnahmen belasteten die Aktien. Aus diesem Tief zogen sich jedoch Wacker Chemie (+ 2,05 Prozent) und Evonik (+ 5,06 Prozent) problemlos heraus.

Dennoch lautet der Tagesgewinner Lanxess. Der Chemiesektor lebt derzeit noch von einer Sonderkonjunktur, die jedoch abflacht. Grund hierfür ist die mögliche Öffnung der Straße von Hormus. Die wichtige Meerenge verursacht aktuell Lieferschwierigkeiten asiatischer Hersteller. Sobald das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran geschlossen ist, könnte sich dies jedoch wieder ändern. Immerhin nähert sich die Lanxess-Aktie derzeit der 100-Tage-Linie an und könnte somit in Kürze ein technisches Kaufsignal erzeugen. Ende März durchbrach der Kurs die Begrenzung nachhaltig, bevor der Kurs im Mai erneut darunter fiel und seitdem nicht mehr kreuzte.

Allerdings muss sich erst eine nachhaltige Erholung zeigen. Das aktuelle Momentum könnte jedoch auch weiteres Wachstum unterstützen, das die Begrenzung bei 19 Euro aus April und Mai durchstoßen könnte. Eine echte Kaufchance bieten dagegen drei Werte, die BÖRSE ONLINE im Aktienreport "Historische Kaufchance" analysiert. Reinschauen lohnt sich.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen

Warum profitieren Chemieaktien aktuell besonders?

Chemiewerte reagieren stark auf Energiepreise, Lieferketten und Konjunkturerwartungen. Wenn sich Rohstoffkosten entspannen und die Nachfrage stabil bleibt, kann das die Margen der Unternehmen spürbar verbessern.

Was bedeutet die 100-Tage-Linie bei Aktien?

Die 100-Tage-Linie ist ein technischer Durchschnittswert, der oft als Orientierung für den mittelfristigen Trend dient. Wird sie von unten nach oben durchbrochen, ist das ein mögliches Kaufsignal.

Wovon hängt die weitere Entwicklung von Lanxess ab?

Entscheidend sind vor allem Energiepreise, globale Lieferketten und die Nachfrage aus der Industrie. Zusätzlich spielt die Einschätzung des Marktes zum Ertrag in den kommenden Quartalen eine wichtige Rolle.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.