Zuletzt schwächelte die Aktie. Doch Rekord­aufträge und solide Zahlen ­sorgen bei diesem IT-Dienst­leister nun für großes Aufholpotenzial.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 10. Juni in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 25/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Die hohe Nachfrage nach IT-Infrastruktur, Cloud-Lösungen, Security und Digitalisierung bleibt ungebrochen. Davon profitieren längst nicht nur große Hardware- und Softwarehersteller. Auch IT-Dienstleister, die Unternehmen und Behörden bei Beschaffung, Betrieb und Modernisierung ihrer Systeme unterstützen, spüren Rückenwind durch anhaltend hohe IT-Ausgaben.

Techwert mit Potenzial

Ein Beispiel dafür ist Bechtle. Als größtes deutsches IT-Systemhaus und einer der führenden IT-Dienstleister Europas ist das Unternehmen in 14 Ländern präsent und betreut mehr als 70.000 Kunden aus Industrie und öffentlicher Hand. Die breite Aufstellung, die neben dem klassischen Infrastrukturgeschäft auch Cloud-, Security- und Servicelösungen umfasst, sorgt für ein robustes Geschäftsmodell. Bechtle ist damit weniger abhängig von einzelnen Produktzyklen als viele spezialisiertere IT-Dienstleister. 

An der Börse spiegelt sich diese Stabilität bislang jedoch kaum wider. Während viele Herstellerpartner von Bechtle ihre Kurse in den vergangenen Monaten deutlich steigern konnten, stand die Aktie der Neckars­ulmer unter Druck. Auf Zwölfmonatssicht hat sie rund 17 Prozent verloren. Das ist bemerkenswert, weil das Geschäftsmodell intakt geblieben und Bechtle in wichtigen Zukunftsfeldern der Unternehmens-IT weiter stark positioniert ist.

Bechtle (WKN: 515870)

Öffentlicher Sektor schiebt den Umsatz an

Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen für eine Wende. Nach einem schwachen ersten Halbjahr 2025 mit verhaltenem Wachstum kehrte Bechtle in der zweiten Jahreshälfte auf einen klareren Expansionskurs zurück. Vor allem der Start ins laufende Jahr fiel stark aus. Der Umsatz stieg um 7,6 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro, das Vorsteuerergebnis verbesserte sich um 11,5 Prozent auf 61,6 Millionen. Besonders wichtig: Der Auftrags­bestand erreichte mit 3,3 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau.

Für die kommenden Quartale spricht damit vieles für weiteres Aufholpotenzial. Vor allem aus dem öffentlichen Sektor, der rund 40 Prozent des Umsatzes ausmacht, sieht Bechtle seit Ende vergangenen Jahres eine deutlich steigende Nachfrage. Hinzu kommt, dass höhere Preise, etwa bei PCs, Servern und Storage, die Nachfrage bislang nicht merklich bremsen. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: Wenn ein IT-Dienstleister trotz höherer Preise wachsende Volumina erzielt, spricht das für anhaltenden Investitionsbedarf und eine stabile Marktposition.

Fazit

Die Aktie hat sich zuletzt erholt, hinkt der operativen Entwicklung aber noch hinterher. Bleibt der Auftragsbestand hoch und der öffentliche Sektor investitionsfreudig, hat Bechtle gute Chancen auf eine Neubewertung. Weil der Wert im Gegensatz zu vielen Tech-Aktien noch nicht heiß gelaufen ist, bleibt das Aufholpotenzial beachtlich. Wir ziehen den Stoppkurs nach.

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