Vom Briefgeschäft zum globalen Logistiker: Der Bonner Konzern baut sein Geschäft in den USA durch eine Milliarden-Kooperation mit der US-Post aus. Die breite Diversifizierung ermöglicht die Erschließung von margenstärkeren Wachstumssegmenten.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 10. Juni in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 25/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Wie sich ein ehemaliger Staatskonzern neu erfinden kann, zeigt DHL exemplarisch. Seit dem Börsengang im Jahr 2000 hat sich die frühere Deutsche Post vom klassischen Briefzusteller zu einem global aufgestellten Logistikkonzern entwickelt, der wachstumsstarke Felder wie E-Commerce, Paketgeschäft und Kontraktlogistik adressiert.
Heute beschäftigt die DHL Group mehr als 600.000 Menschen in über 220 Ländern und ist in fünf Divisionen gegliedert: Express, Global Forwarding, Supply Chain, E-Commerce sowie Post & Paket Deutschland. Dank dieser diversifizierten Struktur kann DHL Schwächen in einzelnen Märkten und Regionen zeitweise abfedern.
Ein wichtiger Baustein für die weitere Internationalisierung ist die im Mai bekannt gegebene Partnerschaft mit der US-Post. Die E-Commerce-Sparte von DHL und der United States Postal Service haben einen exklusiven mehrjährigen Vertrag über die Paketzustellung in den USA geschlossen. Das Volumen liegt bei mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Durch die Kooperation plant der weltgrößte Logistikanbieter, sein US-Geschäft bis 2030 in etwa zu verdoppeln. Konkret wird DHL in 19 US-Logistikzentren die Abholung und Sortierung der Pakete übernehmen, die US-Post ist für die Zustellung auf der letzten Meile verantwortlich. Für DHL ist das ein strategisch kluger Zug, da der Konzern seine Position im wichtigen US-Markt ausbauen kann, ohne selbst ein flächendeckendes Zustellnetz aufbauen zu müssen.
Vor allem für die E-Commerce-Sparte ist die Kooperation mit der US-Post ein wichtiger Hebel. Obwohl der Bereich mit 7,4 Prozent Umsatzanteil noch die kleinste Division im Konzern ist, sieht DHL im globalen Onlinehandel einen der wichtigsten Wachstumstreiber der kommenden Jahre.
Trotz der Wachstumsfantasien im E-Commerce ist für die Ertragskraft weiterhin DHL Express der mit Abstand wichtigste und profitabelste Geschäftsbereich. Die Sparte transportiert zeitkritische nationale und internationale Sendungen und profitiert von einem dichten Luft- und Bodennetz, starker Preissetzungsmacht sowie einem hohen Anteil an margenstarken B2B-Sendungen. Obwohl der Umsatz im ersten Quartal 2026 leicht um 1,9 Prozent auf 6,01 Milliarden Euro sank, sprang das operative Ergebnis um 20,6 Prozent auf 799 Millionen Euro. Mit einer Ebit-Marge von 13,3 Prozent liegt die Profitabilität
klar über dem Konzerndurchschnitt von 7,3 Prozent und macht Express zum wichtigsten Gewinnbringer der Bonner.
Schwieriges Briefgeschäft
Beim Brief- und Paketgeschäft in Deutschland fällt die Bilanz dagegen gemischt aus. Im Briefgeschäft bleibt der strukturelle Rückgang bestehen. Auch Portoerhöhungen aus dem Jahr 2025 konnten Verluste nicht vollständig ausgleichen. Das steigende Paketvolumen und die Verbundzustellung stützen jedoch die Erträge der Gesamtsparte. Im ersten Quartal stieg der Umsatz von Post & Paket Deutschland um 1,7 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, das Ebit sank jedoch um 5,8 Prozent auf 264 Millionen Euro. Spekulationen über einen möglichen Verkauf der Sparte erteilte DHL-Chef Tobias Meyer eine klare Absage.
Das Geschäft mit Luft- und Seefracht sowie dem Straßentransport, das bei DHL in der Sparte Global Forwarding gebündelt ist, litt zuletzt unter niedrigeren Frachtraten. Der Umsatz sank um fünf Prozent. Der Bereich Supply Chain, also Kontraktlogistik, Lagerhaltung und komplexe Lieferkettenlösungen, entwickelte sich mit einem Plus von 2,8 Prozent dagegen robuster.
Trotz blockierter Seewege und gesperrter Lufträume halten wir die Lieferketten am Laufen.
Operatives Ergebnis ausgebaut
Auch die jüngsten Quartalszahlen sprechen für eine solide Aufstellung. Im ersten Quartal 2026 erzielte DHL einen Konzernumsatz von 20,42 Milliarden Euro, nach 20,81 Milliarden Euro im Vorjahr — wegen negativer Währungseffekte entspricht das nominal einem Minus von 1,9 Prozent, organisch jedoch einem Plus von zwei Prozent. Das Ebit stieg um 8,3 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro, die Ebit-Marge verbesserte sich von 6,6 auf 7,3 Prozent. „Trotz blockierter Seewege und gesperrter Lufträume halten wir die Lieferketten unserer Kunden am Laufen“, sagte CEO Tobias Meyer bei der Präsentation der Quartalsergebnisse.
Dazu kommt eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Auf der Hauptversammlung im Mai wurde eine Rekorddividende von 1,90 Euro je Aktie beschlossen. Seit 2008 ist die Ausschüttung nie gesenkt worden, was DHL zu einem verlässlichen Dividendenwert im DAX macht. Risiken für einen Logistikkonzern wie DHL bleiben der Konflikt im Nahen Osten, die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und eine mögliche Abschwächung der Weltkonjunktur. Gerade die profitabelste Sparte Express reagiert sensibel auf Schwankungen im globalen Handel. Zudem erhöhen die Konkurrenten Fedex und UPS den Wettbewerbsdruck in Europa.
Fazit
Trotz der Risiken verfügt DHL über eine starke Marktposition in allen wichtigen Weltregionen, ein diversifiziertes Portfolio und mehrere Wachstumstreiber. Die Kooperation mit der US-Post stärkt den Stand im amerikanischen Markt, ohne Milliarden in ein eigenes Zustellnetz investieren zu müssen. Zusammen mit der robusten Dividendenhistorie spricht das weiterhin für einen Einstieg.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: DHL Group.