Ganz so leicht lässt sich Deutschland bei der Künstlichen Intelligenz doch nicht abhängen: In München eröffnete die Telekom am Mittwoch zusammen mit SAP und Nvidia ihre erste KI-Fabrik. Doch die Investitionssumme stemmt ein Konzern wie Microsoft in drei Tagen. 

Die Deutsche Telekom hat ihre erste große KI-Fabrik in München in Betrieb genommen. Die Großanlage in der Nähe des Englischen Gartens sei die Basis für innovative Geschäftsmodelle für die Industrie, Start-ups und den Staat, sagte Konzernchef Timotheus Höttges. Das Gemeinschaftsprojekt mit dem US-Chipkonzern Nvidia und Europas größten Softwarekonzern SAP war mit einer Investition von über einer Milliarde Euro auf dem Weg gebracht worden. „Wir beweisen hier, dass Europa auch Künstliche Intelligenz kann“, sagte Höttges.

Allerdings ist die Dimension um mehrere Faktoren kleiner als bei den Hyperscalern aus den USA: So investierte zum Beispiel Microsoft im abgelaufenen Quartal weltweit 37,5 Milliarden Dollar, umgerechnet 31,8 Milliarden Euro, in KI-Rechenzentren. Das sind 350 Millionen Euro am Tag. Damit wäre die neue KI-Fabrik in München in drei Tagen bezahlt.

Söder und Klingbeil loben: „eigene Akzente“ in Europa

Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) nannte das Großprojekt als ein Beispiel dafür, dass inzwischen in Deutschland auch die privaten Investitionen angelaufen seien. „Hier wurde ein wichtiger Pflock für das deutsche und europäische KI-Ökosystem gesetzt“. Davon profitierten nicht nur innovative Unternehmen, das Projekt stärke auch die digitale Souveränität.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, Deutschland könne und wolle sich nicht von den Amerikanern komplett abkoppeln. „Auch bei mancher kleinen verbalen Irritation im transatlantischen Verhältnis ist und bleibt Amerika für uns in vielen Punkten der entscheidende Partner. Aber wir können eigene Akzente setzen.“ Damit könne man auch den Wert der Partnerschaft deutlich erhöhen. „Das können wir aber nur, wenn wir eigene Stärke haben.“

10.000 Nvidia-Prozessoren

Für das große Rechenzentrum wurden 10.000 Grafikprozessoren von Nvidia angeschafft, die vor allem KI-Anfragen aus Unternehmen in der Umgebung bearbeiten sollen. Gemeinsam mit dem Softwarekonzern SAP stellt die Telekom einen sogenannten Deutschland-Stack bereit. Dieser besteht aus Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz, bei denen die Daten besonders stark gesichert werden. Die Telekom reagiert damit auf Bedenken innerhalb der deutschen Wirtschaft oder bei Behörden, die besonders heiklen Daten nicht an große amerikanische Tech-Konzerne wie Amazon, Microsoft oder Google übertragen wollen.

Siemens und Perplexity an Bord

Zu den ersten Kunden und Partnern gehören unter anderem die Siemens AG sowie Agile Robots, ein führendes deutsches Hightech-Unternehmen, das sich auf KI-gesteuerte Automatisierungslösungen und intelligente Robotik spezialisiert hat. Weiterhin kooperiert die Telekom mit dem KI-Anbieter Perplexity. Beim Start dabei sei auch das Unternehmen PhysicsX, das sich auf technische Simulation spezialisiert habe, um die Entwicklungszeit von Produkten und Produktteilen verkürzen.

Die KI-Fabrik ist mit den bisherigen Kunden bereits über ein Drittel ausgelastet. "Wir schaffen mit deutschen Daten und deutschem Wissen die KI-Modelle der physikalischen Kl für Groß- & Mittelstandskunden und Start-ups", sagte Ferri Abolhassan, CEO der Telekom-Tochter T-Systems. Zur Kundschaft gehöre auch die Wissenschaft. Eines der ersten Großprojekte der KI-Fabrik sei das Forschungsprojekt SOOFI (Sovereign Open Source Foundation Models). Die Leibniz Universität Hannover hat der Telekom einen Auftrag erteilt, um die technische Infrastruktur für die Entwicklung eines neuen europäischen Large Language Models (LLM) bereitzustellen.

Abwärme beheizt das gesamte Quartier

Das Rechenzentrum im wiederbelebten Tucherpark, einem Büro-Ensemble aus den Sechzigerjahren, wird nach Angaben der Telekom vollständig aus erneuerbaren Energien betrieben. „Es ist auf höchste Energieeffizienz ausgelegt“, erklärte das Unternehmen. Die Abwärme werde in Zukunft das gesamte Quartier mit Wärme versorgen. Ein modernes Kühlkonzept setze auf Kühlung des Rechenzentrums durch Wasser des nahegelegenen Eisbaches

Erstaunliche Kursentwicklung der T-Aktie

Der Telekom-Aktie half die KI-Meldung heute sichtlich auf die Sprünge. Sie legte um mehr als fünf Prozent zu und war damit einer der stärktsten DAX-Werte. In den vergangenen fünf Handelstagen hat die T-Aktie damit schon 14,5 Prozent gutgemacht und heute auch wieder die 200-Tage-Linie übersprungen. Eine erstaunliche Performance für den ansonsten meist eher „langweiligen“ Telekommunikationswert.

Deutsche Telekom (WKN: 555750)

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