Großaktionär Frasers will den schwäbischen Modekonzern Hugo Boss vollständig übernehmen – und hat ein Angebot vorgelegt. Die Aktie reagierte sofort.
Der britische Handelskonzern Frasers Group macht Ernst: Der Großaktionär von Hugo Boss hat am Mittwochabend nach Börsenschluss ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für den schwäbischen Modekonzern angekündigt. 38 Euro je Aktie will Frasers für alle Anteile bieten, die der Konzern noch nicht besitzt. Derzeit hält Frasers eigenen Angaben zufolge rund 26 Prozent der Hugo-Boss-Aktien direkt.
Nach Streit bei Hugo Boss: Frasers macht Übernahmeangebot
Die Märkte reagierten prompt: Auf der Handelsplattform Tradegate legte die Hugo-Boss-Aktie nach der Mitteilung zeitweise um mehr als sechs Prozent zu und kletterte auf über 38 Euro – nachdem sie den Xetra-Handel am MIttwoch noch bei 36,46 Euro beendet hatte. Auf Zwölfmonatssicht hat das im MDax notierte Papier allerdings rund neun Prozent eingebüßt.
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Das Timing der Offerte ist bemerkenswert: Erst kurz zuvor hatte Frasers einen öffentlichen Schwenk vollzogen. Der Konzern hatte Aufsichtsratschef Stephan Sturm im Dezember das Vertrauen entzogen und sich mit dem Hugo-Boss-Management über die Dividendenpolitik gestritten. Doch am Dienstag – einen Tag vor der Übernahmeankündigung – ruderten die Briten zurück und bekräftigten ihre Unterstützung für Sturm wie auch für die Ausschüttungspolitik des Unternehmens.
Hinter dem freiwilligen Angebot steckt aber auch eine strategische Überlegung: Frasers hält neben dem direkten Aktienpaket weitere Finanzinstrumente auf Hugo-Boss-Papiere – konkret sogenannte Put-Optionen, durch die dem Konzern Aktien zu einem vorab festgelegten Preis hätten angedient werden können. Hätte Frasers dadurch die Schwelle von 30 Prozent der Anteile überschritten, wäre ohnehin ein gesetzliches Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig geworden. Frasers habe sich stattdessen bewusst für den freiwilligen Weg entschieden, um das Investment in Hugo Boss zu festigen, hieß es vom Unternehmen.
Aktie steigt: Hugo Boss mit 2,7 Milliarden bewertet
Für die verbleibenden knapp 74 Prozent der Hugo-Boss-Anteile müsste Frasers rund zwei Milliarden Euro aufwenden. Der Gesamtkonzern würde damit mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot ist an keine Mindestschwelle geknüpft – die Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden steht jedoch noch aus.
Hinter Frasers steht der britische Milliardär Mike Ashley, der mit seinem Konzern bereits mehrere Modemarken vereint – darunter auch der Onlinehändler Sports Direct. Zudem hatte das Unternehmen im März den Einstieg beim Herzogenauracher Sportartikelhersteller Puma bekannt gegeben. Frasers bezeichnete sich als langfristig orientierten Investor und bekräftigte sein Vertrauen sowohl in Aufsichtsratschef Sturm als auch in Vorstandschef Daniel Grieder.
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Häufige Fragen
Was macht Hugo Boss?
Hugo Boss ist ein im schwäbischen Metzingen ansässiger Luxus- und Premiummodehersteller, der seit Jahrzehnten zu den bekanntesten deutschen Modemarken weltweit zählt. Das Unternehmen ist im deutschen Börsenindex MDax gelistet und beschäftigt weltweit mehrere tausend Mitarbeiter.
Wer steckt hinter der Frasers Group?
Die Frasers Group ist ein britischer Handelskonzern, der mehrheitlich dem Milliardär Mike Ashley gehört. Ashley hat durch gezielte Beteiligungen an Modemarken und Sporteinzelhändlern – darunter Sports Direct – ein großes Portfolio aufgebaut.
Was bedeutet ein freiwilliges Übernahmeangebot?
Bei einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot bietet ein Investor allen übrigen Aktionären eines Unternehmens an, ihre Anteile zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Im Gegensatz zum Pflichtangebot – das ab einer Beteiligungsschwelle von 30 Prozent gesetzlich vorgeschrieben ist – geht der Bieter dabei aus eigener Initiative vor.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Hugo Boss.
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