Jedes Jahr legt die Saxo Bank ihre „Outrageous Predictions“ vor. Es geht um bewusst provokante Szenarien mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit – aber enormer Sprengkraft. Für 2026 reicht das Spektrum von KI-Schocks bis zu einer neuen Weltwährung. 

Wieder einmal hat die Saxo Bank zum Jahreswechsel acht Szenarien durchgespielt, mit denen kaum ein Anleger rechnet, die aber – wenn sie eintreten würden – immense Schockwellen im Markt verursachen würden. Hier sind die „Outrageoaus Predirctions 2026“:

1. Quantencomputer knacken Kryptowährungen

In der ersten Prognose skizziert die Saxo Bank den sogenannten „Q-Day“ – jenen Moment, in dem Quantencomputer leistungsfähig genug sind, um gängige Verschlüsselungsmethoden zu knacken. Sollte dieser Durchbruch früher als erwartet eintreten, stünde ein Großteil der digitalen Infrastruktur infrage: Online-Banking, Zahlungsverkehr, Blockchain-Technologien und staatliche Datennetze wären akut verwundbar.

Für die Finanzmärkte hätte das massive Folgen. Kryptowährungen könnten stark unter Druck geraten, da ihre Sicherheitsarchitektur auf klassischer Kryptografie beruht. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach physischen Wertspeichern explodieren. Gold, so Saxo, könnte in diesem Szenario auf extreme Höhen steigen, während Staaten und Unternehmen Milliarden investieren müssten, um quantensichere Systeme aufzubauen.

Lese-Tipp: Mehr zu der aktuellen Debatte um die Gefahr von Quantencomputern für die Blockchain erfahren Sie hier.

Bitcoin (ISIN: CRYPT0000BTC)

2. Der „Taylor-Swift-Moment“ schiebt die Weltkonjunktur an

In diesem Jahr steigt die Hochzeit von Mega-Popstar Taylor Swift mit dem NFL-Footballstar Travis Kelce. Die Saxo Bank sieht darin einen möglichen Auslöser für einen kulturellen Stimmungsumschwung – weltweit. Nach Jahren digitaler Isolation, Social-Media-Fixierung und gesellschaftlicher Fragmentierung könnte ein kollektiver Rückzug ins „echte Leben“ einsetzen.

Ökonomisch würde das laut Saxo spürbare Effekte haben. Steigende Hochzeits- und Geburtenraten, mehr Konsum im stationären Handel und eine neue Lust an Gemeinschaft könnten Wachstum erzeugen. Der augenzwinkernd formulierte „Swiftie-Put“ steht damit für die These, dass kulturelle Trends unterschätzt werden, obwohl sie reale wirtschaftliche Impulse setzen können.


Taylor Swift tritt auf der Bühne während der „Taylor Swift | The Eras Tour“ im Volksparkstadion am 23. Juli 2024 in Hamburg auf
Foto: Gregor Fischer/TAS24 / Kontributor/Getty Images

3. Die US-Zwischenwahlen verlaufen überraschend ruhig

Wäre das nicht ein Non-Event? Nein, denn angesichts des vorherrschenden Pessimismus, der Polarisierung der Gesellschaft und sozialer Spannungen wäre es laut Saxo Bank eine positive Überraschung, wenn die US-Midterm-Wahlen 2026 reibungslos ablaufen und weder Anfechtungen noch politische Eskalationen das Ergebnis überschatten würden.

Für die Märkte wäre das eine Erleichterung. Politische Stabilität senkt Risikoaufschläge, stärkt den US-Dollar und unterstützt Aktien wie Anleihen. Gerade internationale Investoren, die zuletzt zunehmend vorsichtig agierten, könnten Vertrauen zurückgewinnen. Die Prognose erinnert daran, dass nicht jedes politische Großereignis zwangsläufig im Chaos enden muss.

4. Abnehm-Medikamente werden zur Massenware – sogar für Haustiere

Die rasante Verbreitung von GLP-1-Medikamenten wie Wegovy (Novo Nordisk) und Mounjaro (Eli Lilly) zählt zu den wichtigsten Trends im Gesundheitssektor. Die Saxo Bank denkt diesen Trend weiter: 2026 könnten die Mittel als wirksame Abnehm-Pillen weltweit verfügbar und erschwinglich sein – und zwar nicht nur für Menschen, sondern auch für ihre Haustiere.

Die wirtschaftlichen Folgen wären erheblich. Pharma- und Biotech-Unternehmen würden profitieren, während Fast Food-Konzerne, Zucker- und Süßwarenproduzenten und weitere Teile der Lebensmittelindustrie unter Druck gerieten. Gleichzeitig könnten Versicherer, Gesundheitssysteme und Arbeitgeber langfristig von geringeren Folgekosten profitieren, weil ihre Belegschaft gesünder lebt und seltener ausfällt – ein Paradebeispiel für sektorübergreifende Disruption.


Eli Lilly (WKN: 858560)

5. SpaceX geht an die Börse – und die Weltraumwirtschaft explodiert

Der geplante Börsengang von SpaceX wird eines der Mega-Ereignisse n den Finanzmärkten. Und er könnte eine immense Fantasie entfesseln. Im Szenario von Saxo wird dieser Schritt, den Elon Musk jüngst tatsächlich angedeutet hat, 2026 Realität – mit einer Bewertung im Billionen-Dollar-Bereich. Der Börsengang würde die Raumfahrt endgültig aus der Nische holen und zu einer eigenständigen Anlageklasse machen.

In der Folge könnten Investitionen in Satelliteninfrastruktur, Fabriken udn Rechenzentren im Orbit, Raumfahrtlogistik und sogar Rohstoffgewinnung im All stark zunehmen. Für Anleger entstünde ein neues Wachstumsfeld, vergleichbar mit dem Internetboom der frühen 2000er-Jahre – allerdings mit deutlich längeren Zeithorizonten und hohen technologischen Risiken.

Wie selbst Alphabet vom SpaceX-IPO profitiert, erfahren Sie hier.


6. Ein KI-System wird zum CEO eines Großkonzerns ernannt

In dieser Prognose denkt Saxo die Entwicklung künstlicher Intelligenz radikal zu Ende: Ein Fortune-500-Unternehmen ernennt eine KI offiziell zum CEO. Entscheidungen über Strategie, Investitionen und Personal würden damit datengetrieben und nahezu in Echtzeit getroffen.

Das Szenario wirft grundlegende Fragen auf. Wer trägt die Verantwortung? Wie wird Haftung geregelt? Und wie reagieren Mitarbeiter auf eine nicht-menschliche Führung? Für Anleger könnte eine solche KI-geführte Firma jedoch effizienter, transparenter und profitabler sein – zumindest theoretisch. Die Prognose soll auch die Frage aufwerfen, wie sehr KI künftig bestehende Governance-Strukturen herausfordern wird.


7. Der „goldene Yuan“ erschüttert das Währungssystem

Geopolitisch besonders brisant ist die siebte Annahme: China könnte einen goldgedeckten Offshore-Yuan etablieren – als Gegenspieler zum Dollar. Dieser goldene Yuan wäre gezielt für den internationalen Handel gedacht und könnte Ländern eine Alternative zur bislang dominierenden US-Währung bieten. Damit spräche China vor allem jene an, die ihre politische oder wirtschaftliche Abhängigkeit von den reduzieren wollen.

Auch wenn der Dollar seine Leitwährungsrolle nicht sofort verlieren würde, könnte seine Dominanz spürbar erodieren. Gold dagegen bekäme erneut eine monetäre Bedeutung, Wechselkurse dagegen würden stärker schwanken. Für Anleger hieße das: Währungsrisiken gewinnen an Gewicht, Diversifikation wird wichtiger denn je – und Gold steigt.


Berenberg Renminbi Bond Opportunities UI R EUR Dis (WKN: A1XABM)

8. „Dumme KI“ verursacht weltweit Billionenschäden

Zum Schluss warnt die Saxo Bank vor den Schattenseiten autonomer KI-Systeme. Was passiert, wenn wir KI-Agenten künftig eigenständig miteinander handeln lassen, ohne sie ausreichend zu kontrollieren? Könnten dann Fehlentscheidungen womöglich ganze Lieferketten, Verwaltungssysteme oder auch die Finanzmärkte lahmlegen?

Im achten Szenario der Saxo Bank passiert genau das: KI-Agenten haben alle Bereiche von der Finanzwelt bis zur Logistik durchdrungen. Sie optimieren, automatisieren und verbinden – bis sie es nicht mehr tun. Eine Handvoll kleiner Störungen entwickeln sich zu einer ausgewachsenen Krise:

- Ein fehlgeleiteter Algorithmus löst einen Flash Crash an den Märkten aus;

- In den (automatisierten) Buchhaltungen wird eine Welle von KI-bedingten Unregelmäßigkeiten entdeckt, was zu umfassenden Korrekturen und Rücktritten von Führungskräften führt.

- In Produktions- und Forschungseinrichtungen verursachen humanoide und industrielle Roboter, die mit fehlerhaften KI-Befehlen arbeiten, mehrere schwere Unfälle und Todesfälle.

- In allen Branchen erkennen die Vorstände, dass ein Großteil ihrer digitalen Infrastruktur still und leise durch Systeme umgebaut wurde, die niemand vollständig versteht.

In kürzester Zeit müssen nun umfangreiche „Aufräumarbeiten“ vorgenommen werden. Dafür entsteht eine neue Milliarden-Industrie: Elite-Team aus Programmierern und Prüfern übernehmen die Aufgabe, fehlerhafte Systeme aufzuspüren, zu neutralisieren und wiederherzustellen. Saxo nennt sie „KI-Janitors“,  was so viel heißt wie „KI-Hausmeister“ oder „Schädlingsbekämpfer“.

Billionen von Dollar fließen in die Reparatur, Sicherung und Vereinfachung kritischer Codes und Datenbanken. Regierungen beeilen sich, Transparenz- und Sicherheitsanforderungen zu erlassen, da das Vertrauen der Öffentlichkeit in die autonomen Technologien schwindet. Statt die KI sich selbst zu überlassen, werden obligatorische „Human-in-the-Loop“-Kontrollen, Rollback-Architekturen, Herkunftsprotokolle, Modellregister eingeführt. Mit „Kill-Switches“ soll die KI im Ernstfall per Knopfdruck gestoppt werden können.

Die Versicherungsprämien für Systeme ohne unabhängige Ausfallsicherungen. Steigen ins unermessliche, sodass diese Anbieter aus dem Markt gedrängt werden.

Ein zugegeben extremes Szenario.

Was Anleger aus den wilden Thesen für sich mitnehmen

Die Saxo Bank verfolgt mit ihren „Outrageous Predictions“ ohnehin nicht das Ziel, zu 100 Prozent richtig liegen zu wollen. Es geht nicht um die Eintrittswahrscheinlichkeit, sondern um die Perspektive: Welche Risiken und Chancen entstehen, wenn vertraute Annahmen plötzlich nicht mehr gelten?

Für Anleger bedeutet das vor allem: geistige Flexibilität. Wer bereit ist, über den Tellerrand klassischer Szenarien hinauszudenken, kann sein Portfolio robuster aufstellen – selbst wenn keine der acht Prognosen jemals vollständig eintritt.

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