Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé baut nach einem Gewinnrückgang sein Geschäft um. Künftig wollen sich die Schweizer auf ihre stärksten Marken in vier Kernbereichen konzentrieren. Der Rest wird abgestoßen. Was das für die Aktie bedeutet.

Nach einem Gewinnrückgang im Jahr 2025 unterzieht der neue Nestlé-Chef Philipp Navratil den Schweizer Lebensmittelkonzern einer harten Diät: Künftig soll sich Nestlé auf die vier Kernbereiche Kaffee, Tierfutter, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks konzentrieren. Damit will Navratil das Geschäft vereinfachen und Einsparungen erzielen. Vor Journalisten am Stammsitz in Vevey kündigte er auch höhere Investitionen in die Marken und leistungsorientierte Anreize für die Belegschaft an.

Navratil betonte, es handle sich nicht um einen umfassenden Umbau der Konzernorganisation. Die Maßnahmen sollten vielmehr klarstellen, welche Geschäfte Priorität hätten. Gesteuert werden sollen die Geschäfte weiterhin aus den Regionen heraus, mit eigener Ergebnisverantwortung.

Börse begrüßt den Plan

An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an, die Aktie legte zuletzt um gut drei Prozent zu. Trotz einiger pessimistischer Prognosen von Marktbeobachtern aus den vergangenen Wochen habe Nestlé solide Zahlen vorgelegt, kommentierten die Analysten von Bernstein. Im vergangenen Jahr war der Gewinn um 17 Prozent zum Vorjahr auf gut neun Milliarden Franken (rund 9,88 Mrd. Euro) geschrumpft. Der Umsatz ging um zwei Prozent auf rund 89,5 Milliarden Franken zurück. Im laufenden Jahren wird zudem der Rückruf verunreinigter Babynahrung das Wachstum belasten, das dadurch um 20 Basispunkte niedriger ausfallen soll. Bereits 2025 seien im Zusammenhang mit dem Rückruf Kosten von insgesamt 185 Millionen Franken für Produktrückgaben und Bestandsabschreibungen angefallen. Navratil betonte jedoch, er glaube nicht an einen langfristigen Schaden für das Unternehmen.

Nestlé (WKN: A0Q4DC)

Weniger Marken, Verkauf der Eis- und Wassersparte

Außerdem will Nestlé sein Sortiment deutlich straffen und sich auf größere Kernmarken konzentrieren. Die Zahl der Marken soll von mehr als 400 im Jahr 2024 deutlich sinken. Gleichzeitig trennt sich der Konzern von Randgeschäften: Geplant sind der Verkauf des Speiseeisgeschäfts, analog zur jüngsten Börsen-Abspaltung von Magnum Ice Cream aus dem Unilever-Portfolio. Geplant ist auch die Ausgliederung von Marken für Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsergänzungsmittel. Bereits bekannt war, dass Nestlé sein Wassergeschäft mit Marken wie San Pellegrino, Perrier oder Vittel verkauft. Die Transaktion soll bis 2027 abgeschlossen werden.

Neues Vergütungssystem klammert Preiserhöhungen aus

Interessant ist, dass Navratil auch neue Vergütungssysteme für das Management und die Mitarbeitenden einführt. Sie sollen sicherstellen, dass Wachstum künftig primär über höhere Volumina und weniger über Preiserhöhungen erzielt wird. Offenbar hatte es an dieser Stelle bisher Fehlanreize gegeben, was erklären könnte, warum Nestlé im Handel mehrfach durch als überzogen empfundene Preiserhöhungen aufgefallen war. Wie andere Konsumgüterhersteller hat Nestlé in den vergangenen Jahren die Preise erhöht, um gestiegene Rohstoffkosten an Kunden weiterzureichen. Doch wegen hoher Lebensmittelpreise setzen Verbraucher vermehrt auf günstige Eigenmarken oder kaufen beim Discounter.

Navratil will zudem mehr Geld in Marketing und Innovationen stecken. Es soll aus dem laufenden Sparprogramm kommen. Der Manager hatte kurz nach seinem Einstand im Oktober angekündigt, weltweit rund 16.000 Stellen binnen zwei Jahren abzubauen. Das sind fast sechs Prozent der weltweit knapp 280.000 Jobs. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland entfallen, steht noch nicht fest. Mit dem Stellenabbau sollen bis Ende 2027 insgesamt jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Franken erzielt werden. 20 Prozent davon seien bereits erreicht, hieß es nun.

Dividende steigt zum 30. Mal in Folge

Trotz des hohen Schuldenbergs hält der Konzern an seiner Dividendenpolitik fest: Die Auszahlung steigt zum 30. Mal in Folge, und zwar auf 3,10 Franken je Aktie nach 3,05 Franken im Jahr davor. Auf Basis des heutigen Kurses von 80,58 Franken bedeutet das eine Dividendnerendite vn 3,8 Prozent. Ob die Aktionäre nach Abschluss der geplanten Verkäufe und Abspaltungen in den kommenden Jahren sogar mit einer Sonderdividende rechnen können, ist bisher offen.

Navratil ist seit September CEO und war damit schon der zweite Nestlé-CEO in einem Jahr. Sein Vorgänger Laurent Freixe war wegen einer Liebesbeziehung zu einer ihm unterstellten Managerin nach nur wenigen Monaten ausgetauscht worden.


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