Der Börsengang von SpaceX hält die Welt in Atem. Für alle Anleger, die sich zum ersten Mal an einer Neuemission beteiligen, erklärt BÖRSE ONLINE hier noch einmal Regeln und Mechanismen eines IPOs.
Kaum ein IPO dürfte in diesem Jahr so viel Aufmerksamkeit bekommen wie der Börsengang von SpaceX. Für viele Privatanleger ist es der erste IPO, an dem sie teilnehmen. Doch wie läuft das genau ab? Was passiert eigentlich zwischen Ankündigung und Börsenstart? Worauf müssen Anleger achten, wenn sie sich an einer Neuemission beteiligen wollen?
Woher kommt der Name IPO?
Zunächst zum Begriff selbst: Der IPO steht für „Initial Public Offering“, also das erste öffentliche Aktienangebot eines Unternehmens. Im Deutschen spricht man schlicht von einem Börsengang oder einer Neuemission. Sprachlich mag das banal klingen, in der Praxis steckt dahinter aber ein mehrstufiger Prozess, der für Anleger alles andere als trivial ist.
Der Prospekt
Der Prospekt ist das Pflichtdokument jeder Neuemission und damit die wichtigste Lektüre für Anleger. Hier beschreibt das Unternehmen sein Geschäftsmodell, nennt Chancen und Risiken, erklärt die Konzernstruktur und legt Kennzahlen offen. Im Fall von SpaceX finden Investoren dort vor allem Antworten auf die Frage, wie stark das Geschäft mit Raketenstarts, Raumfahrttechnik und Satelliteninternet tatsächlich wächst und welche Risiken mit der hohen Kapitalintensität verbunden sind. Wer sich an einem IPO beteiligen will, sollte sich den Prospekt möglichst genau ansehen. Der Inhalt ist zwar trocken, aber er enthält die relevanten Fakten.
Wichtig: Es ist in letzter Zeit in Mode gekommen, dass Unternehmen in den USA der dortigen Wertpapieraufsicht SEC ihren Prospekt vorab „vertraulich“ zukommen lassen. Das bedeutet, dass die Behörde den Prospekt bereits darauf prüft, ob er vollständig ist und alle rechtlichen Anforderungen erfüllt. Darin fehlen aber meist noch wichtige Details wie der Preis oder die Zahl der angebotenen Aktien. Diese stehen dann im offiziellen Prospekt, der zu Beginn der Zeichnungsperiode veröffentlicht wird. Nur dieser gilt.
Hier geht es zum Emissionsprospekt von SpaceX
An wen geht der Emissionserlös?
Um die Zukunftsaussichten eines Börsenneulings beurteilen zu können, spielt es für die Investoren auch eine Rolle, an wen die Erlöse aus dem Börsengang fließen. Erhält das Unternehmen wirklich frisches Geld, um eigene, geplante Projekte umzusetzen, die den Wert weiter erhöhen? Oder kassieren lediglich die Altaktionäre ab, indem sie ihre Papiere versilbern? Davon hätten neue Aktionäre dann gar nichts. Ähnliches gilt, wenn mit dem IPO-Erlös vor allem Schulden abgebaut werden. Das kassieren de facto die kreditgebenden Banken.
Im Fall von SpaceX fließen tatsächlich die gesamten IPO-Erlöse, die bei einem Emissionspreis von 135 Dollar rund 75 Milliarden Dollar betragen würden, an das Unternehmen. Allerdings bringt SpaceX zunächst nur fünf Prozent seiner Aktien an die Börse. Der Trick: In den kommenden Monaten laufen zahlreiche Lockup-Fristen für die Altaktionäre aus. Diese können dann weit mehr Aktien verkaufen als sonst bei solchen Emissionen üblich, so dass am Ende doch noch ein Großteil der fulminanten Börsenbewertung „ausgecasht“ werden dürfte.
Für Anleger ist das wichtig, weil es etwas über die Signalwirkung des Börsengangs verrät. Wenn vor allem Altaktionäre verkaufen, kann das zwar völlig legitim sein, aber es wirkt oft weniger wie ein Wachstumsschritt als wie ein Liquiditätsereignis.
Roadshow und Bookbuilding
Direkt nach der Veröffentlichung des Börsenprospekts folgt die Bookbuilding-Phase. In dieser Zeit holen die begleitenden Banken das Kaufinteresse und die Preisvorstellungen der institutionellen Investoren ein. Vereinfacht gesagt wird getestet, wie groß die Nachfrage ist und zu welchem Preis der Markt die Aktien aufnehmen würde. SpaceX ging mit einer ungewöhnlich breiten Zeichnungsspanne von 135 bis 162 Dollar in diese Phase. Gerade bei einem Hype-IPO wie SpaceX ist sie besonders spannend, weil sich dort bereits abzeichnet, ob die Nachfrage zum angebotenen Preis das Angebot deutlich übersteigen wird, der Börsengang also „überzeichnet“ sein wird. Oder ob der Preis für die Institutionellen zu teuer ist. Auch Privatanleger, die derzeit über ihre Banken und Broker Aktien zeichnen können, geben dadurch ihre Preisvorstellung ab. Allerdings ist ihr Einfluss längst nicht so groß wie der Institutionellen.
Wichtig: Der spätere Ausgabepreis entsteht nicht willkürlich, sondern ist das Ergebnis dieses Abstimmungsprozesses mit professionellen Investoren.
Teil der Bookbuilding-Phase ist auch die Roadshow. Dabei stellt das Management das Unternehmen großen Anlegern vor, erläutert die Strategie und beantwortet kritische Fragen. Für Privatanleger ist die Roadshow zwar nicht direkt zugänglich, sie prägt aber die Wahrnehmung des Unternehmens und damit auch die spätere Preisfindung.
Zeichnen einer Aktie
Wer sich am IPO beteiligen will, kann Aktien zeichnen. Das heißt: Man gibt eine verbindliche Kauforder zu einem festen Preis ab. Meist ist das der geplante Ausgabepreis – bei SpaceX 135 Dollar – oder ein Preis innerhalb einer Preisspanne. Auch bei deutschen Brokern wie Comdirect, Flatex oder Trade Republic können Anleger SpaceX-Aktien zeichnen. Die ING gehört sogar zum Konsortium. Hier mehr zu den Konditionen erfahren.
Achtung: Zeichnen heißt noch nicht, dass die Anleger diese Aktien auch wirklich bekommen. Gerade bei stark nachgefragten Neuemissionen ist die Nachfrage nämlich häufig größer als das Angebot.
Tipp: Ihre Bank bietet keine Zeichung von SpaceX-Aktien an? Dann sollten Sie besser mal einen Blick in den Depot-Vergleich von BÖRSE ONLINE werfen.
Zuteilung und Preisfestsetzung
Liegen alle Orders vor, sortiert die Bank diese nach den gebotenen Preisen und entscheidet, zu welchem Preis die meisten Aktien vergeben werden können. Das ist dann die sogenannte Zuteilung. Die Konsortialbanken entscheiden auch, wer wie viele Aktien erhält. Dass ein Anleger nur einen kleinen Teil seiner gewünschten Stückzahl bekommt oder gar leer ausgeht, ist bei gefragten IPOs eher die Regel.
Manchmal gibt es bei Börsengängen eine sogenannte „Mehrzuteilungsoption“, auch „Greenshoe“ genannt. Ist die Emission überzeichnet, kommen die Aktien aus diesem Topf ebenfalls auf den Markt. Bei SpaceX ist jedoch kein Greenshoe geplant.
Die Zuteilung erfolgt meist am Vorabend oder spätestens am Morgen der geplanten Erstnotiz. Mit der Zuteilung erfolgt auch die Preisfestsetzung. Erst jetzt steht fest, zu welchem Emissionskurs die Aktie tatsächlich an den Markt geht. Das ist ein heikler Moment, denn ein zu hoher Preis kann den Start belasten, ein zu niedriger Preis lässt Geld für den Emittenten liegen. Klar: Bevor die Anleger nicht wissen, ob ihnen überhaupt Aktien zugeteilt wurden – und zu welchem Preis – können sie damit auch nicht handeln.
Beim SpaceX-IPO gilt die Bewertung als besonders sensibel, weil das Unternehmen sich als revolutionäre Zukunftsmaschine mit Wachstumsphantasie positionieren will. Ein zu hoher Emissionspreis kann dazu führen, dass die Aktie nicht weiter steigt – damit wäre die Kursphantasie, die nicht zuletzt Elon Musk selbst schürt, schnell verpufft.
Erstnotiz Inhalte Externe Anbieter Sonstiges E-Paper
Ist die Emission stark überzeichnet, versuchen üblicherweise Anleger, die leer ausgingen, noch am ersten Tag einzusteigen – koste es was es wolle. Die Flut an unlimitierten Orders zum Handelsstart sorgt dann dafür, dass der Kurs in die Höhe schießt.
Bei SpaceX halten Beobachter diesen Effekt für wahrscheinlich – es spricht aber auch einiges dafür, dass der Kurs danach schnell wieder kollabieren könnte. Mehr dazu lesen Sie hier.
Lock-up-Periode
Nach dem Börsengang greift in der Regel eine Lock-up-Frist. In dieser Sperrfrist, die in Tagen, Wochen oder Monaten nach dem Börsengang gemessen wird, dürfen bestimmte Altaktionäre und Insider ihre Aktien nicht verkaufen. Das soll verhindern, dass kurz nach dem IPO zu viele Papiere auf den Markt kommen und der Kurs sofort unter Druck gerät. Für Anleger ist diese Phase wichtig, weil nach Ablauf der Sperrfrist zusätzlicher Verkaufsdruck auf die neu emittierte Aktie entstehen kann.
Erst danach beginnt der eigentliche Handel an der Börse und Angebot und Nachfrage bestimmen wie üblich den Kurs.
Fazit: Gerade am ersten Handelstag der SpaceX-Aktie kann es wild werden: Aktien schwanken am Tag ihres IPO oft stark, weil viele Anleger gleichzeitig kaufen oder verkaufen wollen. Wer sich an einer Neuemission beteiligt, sollte deshalb nicht nur auf die erste Kursreaktion schauen, sondern im Zweifel ein paar Tage abwarten. Denn oft kommt der Kurs noch einmal zurück.
Unterm Strich gilt: Ein IPO ist keine Wette auf den ersten Kursausschlag, sondern eine Anlageentscheidung mit Informationspflicht. Wer den Prospekt liest, das Geschäftsmodell versteht, die Zuteilung im Blick behält und die Lock-up-Frist kennt, ist klar im Vorteil. Garde bei einem stark gehypten IPO wie SpaceX gilt vor allem eines: kühlen Kopf bewahren.
Häufige Fragen zum Thema
Was macht SpaceX?
SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) ist ein von Milliardär Elon Musk gegründetes US-amerikanisches Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmen. SpaceX ist vor allem für die US-Raumfahrt wichtig und führt Aufträge für die NASA durch. Der größte Teil des Konzernumsatzes entfällt allerdings auf die Satellitentochter Starlink. Außerdem gehört xAI, ein großer Anbieter von KI-Modellen, zu SpaceX.
Mit welchen Zahlen rechnet SpaceX bei seinem IPO?
Laut Börsenprospekt wird ein Ausgabepreis zwischen 135 und 162 Dollar angepeilt; das ist die sogenannte Zeichnungsspanne. Durch den Verkauf von rund 555,6 Millionen Aktien soll ein Erlös von mindestens 75 Milliarden US-Dollar erzielt werden. Das Unternehmen würde damit mit einer Gesamtbewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar an die Börse gehen.
Wie viel Umsatz macht SpaceX?
SpaceX verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar.