Seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise im Jahr 2009 hat sich der S&P 500 mehr als versiebenfacht. Nun hält ein bekannter Star-Strategie einen weiteren Anstieg um mehr als 1.000 Punkte für möglich hält. Doch danach könnte es sehr ungemütlich werden.

Aus einem anfangs zutiefst verunsicherten Markt ist eine der längsten und dynamischsten Haussephasen der US-Börsengeschichte geworden. Seit dem Ende der Finanzkrise 2009 stieg der S&P 500-Index um mehr als 600 Prozent. Und das ist noch lang nicht das Ende, wenn man dem Marktstrategen Mark Spitznagel glaubt, Gründer und Chief Investment Officer von Universa Investments. Sein Hedgefonds ist auf sogenannte Tail-Risk-Strategien spezialisiert, also auf Absicherungen gegen extreme Markteinbrüche. Spitznagel gilt eigentlich als ausgewiesener Experte für Krisenszenarien – und gerade deshalb sorgt sein vergleichsweise optimistischer Ausblick derzeit für Aufmerksamkeit.

Optimales Marktumfeld für US-Aktien?

Spitznagel spricht davon, dass sich die Finanzmärkte weiterhin in einem sogenannten „Goldilocks-Szenario“ bewegen: Die Inflation gehe zurück, die Zinsen stabilisierten sich, und die Wirtschaft verlangsame sich zwar – aber nicht stark genug, um sofort in eine Rezession zu kippen. In diesem Umfeld könne die Anlegerstimmung von vorsichtigem Optimismus in regelrechte Euphorie umschlagen. Dies wiederum könne den S&P 500 laut Spitznagel auf 8.000 Punkte oder darüber treiben. Am gestrigen Dienstag schloss der Index bei 6.843 Punkten – Spitznagels Prognose entspräche somit einem zusätzlichen Anstieg um mehr als elf Prozent.

Doch hinter der hohen Prognose verbirgt sich eine scharfe Warnung. Spitznagel sieht nämlicch bereits seit einiger Zeit die „größte Blase der Menschheitsgeschichte“ in ihrer Endphase. Solange die US-Wirtschaft robust bleibe, könnten Aktienkurse weiter steigen. Problematisch werde es jedoch, wenn die Geldpolitik der Federal Reserve zu lange restriktiv bleibe, sagt der Hedgefonds-Manager. Geldpolitische Maßnahmen wirken mit Verzögerung., wsarnt Spitznagel. Unternehmen könnten deshalb zunehmend Schwierigkeiten bekommen, sich zu refinanzieren, wenn das Zinsniveau hoch bleibt.

Der Markt, so Spitznagel, preise aktuell bereits zukünftige Zinssenkungen ein. Solange eine lockerere Geldpolitik erwartet werde, könnten Aktien noch einmal kräftig steigen. Sollte sich die Konjunktur jedoch stärker eintrüben als gedacht, drohe ein abrupter Richtungswechsel. Im schlimmsten Fall könne die Notenbank gezwungen sein, die Zinsen aggressiv zu senken, um eine Rezession abzufedern. Das Risiko in diesem Fall: Die Bewertungen am Aktienmarkt sind bereits hoch. In einem solchen Umfeld könne eine Enttäuschung schnell zu einem massiven Ausverkauf führen.

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Im Crash-Szanario droht ein Einbruch um 80 Prozent

Spitznagel zieht Parallelen zu den Jahren 2007 und 2008. Damals habe die Notenbank ebenfalls spät reagiert. Wenn eine Blase platze, sei die Dynamik schwer zu kontrollieren. Er hält sogar einen Markt-Einbruch um 80 Prozent für denkbar – ein Szenario, das viele Anleger nach Jahren zweistelliger Renditen kaum noch für möglich halten.

Interessant ist zudem Spitznagels Skepsis gegenüber klassischen „sicheren Häfen“. Selbst Gold, das in den vergangenen zwölf Monaten deutlich zugelegt hat, sieht er nicht automatisch als Schutz vor einem breit angelegten Börsencrash. Auch gängige Diversifikationsstrategien betrachtet er kritisch, wenn sie nicht konsequent auf Extremrisiken ausgerichtet sind.

Für Privatanleger bedeutet das: Kurzfristig könnte die Börsenrally durchaus weitergehen. Die Kombination aus moderater Konjunkturabkühlung, nachlassender Inflation und der Hoffnung auf Zinssenkungen kann die Kurse noch einmal antreiben. Gleichzeitig steigen jedoch mit jeder weiteren Kursrally die Fallhöhen. Wer investiert ist, sollte sich bewusst machen, dass hohe Bewertungen und große Euphorie oft Vorboten scharfer Korrekturen sind.

Fazit: Spitznagels Botschaft ist zweigeteilt. Seine gute Nachricht lautet:  Noch ist die Party nicht vorbei. Doch je höher die Kurse steigen, desto kritischer wird die Lage. Anleger sollten sich nicht von kurzfristiger Euphorie blenden lassen – sondern auch Szenarien bedenken, in denen es deutlich rauer wird als in den vergangenen Jahren.

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