Der MDAX-Titel steckt im Seitwärtstrend fest. Der Markt dürfte ein entscheidendes Detail im jüngst vorgelegten Zahlenwerk übersehen. Dieses sollte dem Kurs Aufwärtsdruck geben.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 19. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 22/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Wer die vierteljährlichen Berichte von United Internet in den letzten Jahren verfolgt hat, kennt das Muster: solide Umsätze, ein Ebitda unter Druck, stets derselbe Erklärungsrahmen des Managements — der Netzausbau belastet, aber das sei gewollt, temporär und strategisch. Der Markt hat diese Botschaft lange mit Skepsis quittiert. Die Aktie notiert trotz rund 17 Prozent Plus in den letzten zwölf Monaten noch deutlich unter dem, was das Unternehmen fundamental wert sein dürfte. Dabei steht United Internet an einem Wendepunkt, der sich in den vergangene Woche vorgelegten Zahlen ­bereits abzeichnet.

Im Mittelpunkt steht dabei das 1&1 O-RAN-Netz, Europas erstes vollständig virtualisiertes 5G-Mobilfunknetz auf Basis der Open-RAN-Technologie, aufgebaut in gerade einmal zwei Jahren. Zum Jahresende 2025 erreichte das Netz 27 Prozent der deutschen Haushalte, womit 1&1 die regulatorische Vorgabe der Bundesnetzagentur gar übertraf. Der Netztest des Fachmagazins „Connect“ vergab auf Anhieb die Note „Sehr gut“. Für ein Netz im zweiten Betriebsjahr ist das bemerkenswert.

Übersehener Effekt

Das Investmentargument ist jedoch kein technologisches, sondern ein buchhalterisches. Im Ebitda des Segments 1&1 stecken jährlich rund 265 Millionen Euro direkte Netzausbaukosten. Ausgewiesen, aber vom Markt als dauerhaft interpretiert. Das sind sie nicht. Mit jedem neuen Antennenstandort sinkt der Anteil des teuren National Roaming, das derzeit noch über Voda­fone bezogen wird. Der Mechanismus ist simpel: Eigennetz verdrängt Fremdnetz, Fixkosten ersetzen variable Vorleistungen, die Marge steigt. Der Investitions-Peak ist überschritten, der Cash-Capex fällt 2026 von 731 auf 600 bis 650 Millionen Euro. Der Free Cashflow drehte in ersten Quartal 2026 erstmals ins Positive.

Was der Markt einpreist, ist die Vergangenheit. Was er nicht einpreist, ist eine Ebitda-Steigerung von 200 Millionen Euro und mehr bis 2028, allein durch den Wegfall der Roaming-Kosten. Hinzu kommt der Rückenwind aus dem Glasfasernetz von 1&1 Versatel, über 68.000 Kilometer, eines der größten Deutschlands, das als eigener Backbone die Betriebskosten strukturell unter denen der Wettbewerber hält.

Fazit

Bei United Internet steht das größte Projekt der Firmengruppe kurz davor, vom Kostentreiber zum Ertragsmotor zu werden. Dass die Aktie mit einem 2026er-KGV von 13,8 bereits heute leicht über ihrem Zweijahresdurchschnitt gehandelt wird, liegt in erster Linie an den durch die Belastungen des Netzaufbaus tiefen Kursen der letzten 24 Monate. Wir ziehen den Stoppkurs nach.

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