Wohin die Reise des Ölpreises in diesem Jahr gehen wird, gilt nach der Festnahme Maduros durch die USA als ausgesprochen unsicher. Diese Aspekte und Aktien sollten Anleger unbedingt auf dem „Radar“ haben.

Der Ölmarkt befindet sich derzeit in einem Spannungsfeld aus geopolitischen Risiken und konjunkturellen Unsicherheiten sowie strukturellen Veränderungen auf der Angebotsseite. Entsprechend unterschiedlich fallen die aktuellen Prognosen für den Ölpreis aus. Während ein Teil der Analysten von steigenden Notierungen ausgeht, erwarten andere mittelfristig eher rückläufige Preise. Diese divergierenden Einschätzungen spiegeln die Vielzahl an Einflussfaktoren wider, die den Markt aktuell prägen.

Ölpreis-Prognosen extrem unsicher

Der Ölvolatilitätsindex OVX notiert mit 29 Prozent gegenwärtig zwar auf einem relativ niedrigen Niveau, was auf eine gewisse Marktberuhigung hindeutet. Dennoch bleibt die künftige Richtung des Ölpreises aufgrund der Vielzahl an politischen, wirtschaftlichen und strukturellen Unsicherheitsfaktoren schwer zu prognostizieren.

Relativ optimistische Prognosen stammen von Ole Hansen (Saxo Bank), der davon ausgeht, dass Ölpreise wahrscheinlich höher tendieren werden, wenn geopolitische Risiken infolge der jüngsten Ereignisse in Venezuela zunehmen. Er wies darauf hin, dass die Unsicherheit rund um Lieferunterbrechungen (Iran) oder die weitere politische Entwicklung in Venezuela kurzfristig ein moderates Aufwärtsrisiko für die Notierungen schaffen könnte, auch wenn ein Überschwingen durch das derzeit große Angebot begrenzt würde.

Demgegenüber sieht Daan Struyven (Goldman Sachs), dass eine mögliche Wiederaufnahme der venezolanischen Ölproduktion mittelfristig den globalen Ölpreis deutlich unter Druck setzen könnte. In einem Bericht vom Sonntag heißt es, dass ein Anstieg venezolanischer Produktion auf rund zwei Millionen Barrel pro Tag bis 2030 zu einem Rückgang des Ölpreises um etwa vier Dollar führen könnte. Wichtig zu wissen: Das südamerikanische Land verfügt mit ungefähr 300 Mrd. Barrel über die größten nachgewiesenen Ölreserven weltweit, litt jedoch jahrelang unter Sanktionen, Investitionsmangel und maroder Infrastruktur. Potenzielle Lockerungen von Sanktionen, neue Kooperationsabkommen und erste Investitionen könnten langfristig dazu führen, dass Venezuela seine Produktion schrittweise ausweitet. Ein zusätzliches Angebot aus dieser Region würde den globalen Markt noch stärker entspannen und den Ölpreis tendenziell dämpfen.

Schlumberger (WKN: 853390)

Was die Ölmärkte stark beeinflusst

Weitere Faktoren, die einen rückläufigen Ölpreis begünstigen würden, sind hohe Lagerbestände sowie eine tendenziell restriktivere Geldpolitik in den USA und Europa sowie der strukturelle Ausbau erneuerbarer Energien. Gleichzeitig bleibt die Nachfrageentwicklung fragil, da geopolitische Spannungen und Handelskonflikte das Wirtschaftswachstum bremsen könnten.

Auf der anderen Seite stehen jedoch weiterhin zahlreiche Unsicherheiten, die den Ölpreis nach oben treiben könnten. Dazu zählen mögliche Eskalationen im Nahen Osten und Russland, Produktionsausfälle durch politische Instabilität oder Naturkatastrophen (Hurrikans) sowie eine überraschend robuste Nachfrage aus Schwellenländern. Hinzu kommt, dass Investitionen in neue Förderprojekte in den vergangenen Jahren eher zurückhaltend waren, was das Angebot mittelfristig verknappen könnte.

In diesem Umfeld lohnt daher ein Blick auf internationale Zulieferer und Dienstleister der Ölindustrie. Deren Geschäft hängt weniger vom kurzfristigen Ölpreis ab, sondern in hohem Maße von geopolitischen Entwicklungen und dem regelmäßig wiederkehrenden Bedarf an Reparatur, Instandhaltung und Modernisierung bestehender Förderanlagen. Gerade in einer Phase erhöhter Unsicherheit spricht dies für spezialisierte Dienstleister wie Halliburton und Schlumberger. Sie profitieren davon, dass selbst bei stagnierenden oder fallenden Ölpreisen Investitionen in Effizienz, Sicherheit und Betriebssicherheit der Infrastruktur kaum aufgeschoben werden können.

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Halliburton (WKN: 853986)

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