Vom Armaturenhersteller zur digitalen Plattform: Der Spezialist für Wassermanagement profitiert vom Rechenzentrumsboom, dem Bleileitungsersatz und einem stabilen Ersatzteilgeschäft.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 19. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 22/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Sauberes Wasser ist eines der kostbarsten — und zugleich knappsten — Güter des 21. Jahrhunderts. Die Nachfrage wächst, während die Infrastruktur vielerorts in die Jahre gekommen ist und die regulatorischen Vorgaben steigen. In diesem Umfeld gehört Watts Water Technologies zu den wenigen börsennotierten Unternehmen, die nahezu ausschließlich auf diesen Megatrend ausgerichtet sind.
Der bereits 1874 gegründete amerikanische Industriekonzern stellt Produkte und Systeme zur Steuerung, Regulierung und zum Schutz von Wasserkreisläufen her — von Druckreglern und Sicherheitsventilen über Wasseraufbereitungssysteme und Rückflussverhinderer bis hin zu Sprinkleranlagen. Ein auf den ersten Blick unspektakuläres Geschäftsmodell, das allerdings als Fundament für eine langfristige Wachstumsstory dienen kann.
Watts befindet sich seit Jahren in einer Transformation: weg vom reinen Hersteller mechanischer Komponenten, hin zu einem Anbieter vernetzter, datengetriebener Wassermanagementsysteme. Das Herzstück dieser Strategie ist die 2024 lancierte Plattform Nexa — ein intelligentes Wassermanagementsystem für Gewerbeimmobilien, das smarte Hardware wie Sensoren und Ventile mit einer Cloud-Software verbindet.
Facility Manager erhalten damit ein Echtzeit-Monitoring aller Wassersysteme im Gebäude, automatische Alerts bei Anomalien wie Druckabfällen sowie Zugang zu detaillierten Analysen und Dashboards. Das Modell verspricht eine starke Kundenbindung, regelmäßig wiederkehrende Umsätze und höhere Margen als der reine Produktverkauf.
Gezielte Akquisitionen
Sein Smart-Building-Portfolio vergrößert Watts nicht nur durch eigene Entwicklungen, sondern auch durch eine konsequente Akquisitionsstrategie. Allein in den vergangen drei Jahren hat der Konzern acht Unternehmen übernommen. Dabei hat er nicht nur sein Portfolio erweitert, sondern gezielt den Zugang zu wachstumsstärkeren Märkten außerhalb des klassischen Wohnungsbaus erschlossen, insbesondere im Industriebereich.
Ein Risikofaktor im traditionellen Geschäftsmodell von Watts: Die Nachfrage hängt stark vom Wohnungsbau ab und ist damit konjunkturanfällig. Die breit installierte Basis, über die Watts vor allem im amerikanischen Markt verfügt, sorgt allerdings für eine stetige Nachfrage nach Ersatzteilen, Wartung und Reparatur — ein wirksamer Puffer in schwächeren Konjunkturphasen. Auch regulatorische Vorgaben spielen Watts derzeit in die Karten: Viele Produkte aus dem Kernportfolio sind gesetzlich vorgeschrieben. Auch das macht die Nachfrage unabhängiger von Konjunkturzyklen.
Wachstum im Rechenzentrum
Ein weiterer spannender Wachstumstreiber, den sich das Unternehmen neu erschließt, ist die Kühlung von Rechenzentren. Da moderne Datacenter zunehmend auf Wasser- statt Luftkühlung setzen, trifft Watts mit seiner Kernkompetenz im Wassermanagement dort auf einen wachstumsstarken Markt. Mittelfristig beziffert der Konzern das adressierbare Marktvolumen auf mehr als eine Milliarde US-Dollar. Noch macht das Rechenzentrumsgeschäft erst rund drei Prozent des Gesamtumsatzes aus. Nachdem das Datacenter-Geschäft im ersten Quartal 2026 bereits der entscheidende Wachstumstreiber im amerikanischen Segment war, dürfte der Anteil jedoch rasch steigen.
Langfristig Rückenwind liefert Watts zudem der Ersatz von Bleileitungen in den USA. Der US-Kongress hat im Rahmen des Infrastructure Investment and Jobs Act (IIJA) insgesamt 15 Milliarden Dollar für den Bleileitungsersatz bereitgestellt, die sukzessive bis in die frühen 2030er-Jahre ausgezahlt werden. Gleichzeitig hat die US-Umweltschutzbehörde EPA die Grenzwerte für Blei im Trinkwasser verschärft und eine Ersatzpflicht für Millionen von Leitungen festgeschrieben. Für Watts entsteht daraus ein planbarer, konjunkturunabhängiger Absatzmarkt: Jede neu verlegte Leitung braucht Rückflussverhinderer, Druckregler und Sicherheitsventile — allesamt Kernprodukte aus dem Watts-Portfolio. Im gewerblichen Umfeld wächst zudem die Nachfrage nach digitalen Überwachungssystemen für Wasserqualität, was den IoT-Produkten des Konzerns Rückenwind gibt.
Solide Bilanz
Die Finanzentwicklung spricht für sich. Im Gesamtjahr 2025 erzielte Watts einen Umsatz von 2,44 Milliarden Dollar — ein Plus von acht Prozent. Der Nettogewinn stieg von 291 auf 341 Millionen Dollar, die bereinigte operative Marge erreichte 19,6 Prozent. Der freie Cashflow kletterte auf einen neuen Rekordwert von 356 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr schüttete Watts 83 Millionen Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Aktionäre aus und erhöhte die Jahresdividende um rund 20 Prozent.
Das erste Quartal 2026 setzte die positive Entwicklung fort und übertraf die Erwartungen deutlich. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 677 Millionen Dollar, der operative Gewinn legte um 52 Prozent auf 133 Millionen Dollar zu. Die bereinigte operative Marge verbesserte sich auf 20,1 Prozent. Haupttreiber war das Amerika-Segment mit einem organischen Wachstum von 16 Prozent, angeführt vom boomenden Rechenzentrumsgeschäft. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 28 Prozent auf 3,04 Dollar — Analysten hatten nur 2,68 Dollar erwartet. Die Quartalsdividende wurde erneut um rund 20 Prozent erhöht, die Jahresprognose hat das Management bestätigt.
Die Zukunftsaussichten für Watts bleiben intakt. Wachstumstreiber wie die Fokussierung auf margenstarke Plattformlösungen, der Aufbau des Rechenzentrumsgeschäfts und der Ersatz von Bleileitungen in den USA werden durch ein stabiles Ersatzteilgeschäft und einen robusten Cashflow ergänzt.
Fazit
Nach dem Allzeithoch im Februar ist der Kurs um rund neun Prozent zurückgekommen. Seit Mitte März hat sich im Bereich um 246 Euro eine solide Unterstützungszone ausgebildet, an der der Kurs mehrfach abgeprallt ist. Angesichts der intakten Wachstumsstory erscheint diese Konsolidierung als attraktive Einstiegsgelegenheit.