Während die deutsche Wirtschaft schwächelt, wächst das Vermögen an der Spitze rasant. Laut einer neuen BCG-Studie besitzen rund 5.000 Superreiche bereits mehr als ein Viertel des deutschen Finanzvermögens – und ihr Vorsprung wächst weiter.
Deutschland schwächelt wirtschaftlich, doch an der Spitze der Vermögenspyramide läuft es glänzend. Laut dem aktuellen „Global Wealth Report" der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) ist die Zahl der Menschen in Deutschland mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar (umgerechnet 86 Millionen Euro) im Jahr 2025 um rund 1.100 Personen oder ein Viertel gestiegen. Damit wächst eine kleine Elite, auf die sich ein immer größerer Reichtum konzentriert.
Insgesamt besitzen diese rund 5.000 Superreichen laut „Global Wealth Report“ 27,3 Prozent des deutschen Finanzvermögens, das sich auf insgesamt 12,4 Billionen Dollar beläuft. Die Top 5000 allein verfügen über knapp 3,4 Billionen Dollar (2,9 Billionen Euro). Gemeinsam mit mehr als 700.000 Multimillionären im Land kommt die Vermögenselite damit auf 52,8 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens, das ist mehr als die Hälfte. Das gesamte Nettovermögen der Deutschen stieg 2025 übrigens trotz der Konjunkturflaute um rund 15 Prozent auf 23,3 Billionen US-Dollar an.
Börsengewinne als Vermögens-Turbo
Der entscheidende Hebel hinter diesem Anstieg: die starken Aktienmärkte. Boomende Börsen sorgten dafür, dass das Finanzvermögen der Superreichen sogar überproportional um fast 18 Prozent zulegte. BCG-Partner Michael Kahlich, Co-Autor der Studie, erklärt, warum beides zusammenpasst: „Wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren."
Das ist der eigentliche Trick der Superreichen: Wer bereits viel besitzt, investiert automatisch einen größeren Anteil seines Vermögens in Aktien, Fonds und alternative Anlagen – und profitiert damit überproportional stark von Kursgewinnen. Deshalb rechnen die Autoren der Studie auch damit, dass die Vermögen der rund 5.000 Superreichen bis 2030 sogar 29 Prozent des deutschen Finanzvermögens ausmachen werden.
Auf der anderen Seite der Vermögensskala sieht es deutlich nüchterner aus. Rund 66 Millionen Menschen in Deutschland verfügen über ein Finanzvermögen von weniger als 250.000 US-Dollar, umgerechnet knapp 215.000 Euro. Dieser großen Mehrheit gehören gerade einmal 35,9 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens. Die obere Mittelschicht, zu der BCG rund 3,2 Millionen Menschen mit einem Vermögen zwischen 250.000 und einer Million US-Dollar zählt, kommt auf einen Anteil von 11,3 Prozent.
Die Schere öffnet sich also weiter: Während die Börsenhausse vor allem dem oberen Prozent nützt, dominieren bei der breiten Bevölkerung nach wie vor risikoarme, aber auch renditeschwache Anlageformen.
Was sich die große Mehrheit abgucken kann
Wem die Grenze von 250.000 Euro zu hoch gesetzt erscheint: In der Untersuchung ging es ausschließlich um „Reiche“, die etwa als Zielgruppe für Vermögensverwalter interessant sein könnten. Deshalb wurde unterhalb dieser Marke nicht weiter aufgeschlüsselt.
Festzuhalten ist jedoch: Reichtum lässt sich nicht ausschließlich ererben, man kann ihn auch selbst schaffen – und dabei spielt die Börse eine große Rolle. Diesen Teil des Tricks können tatsächlich auch Privatanleger nutzen. Und wie die Ergebnisse der BCG-Studie zeigen, tun das eine wachsende Zahl von ihnen bereits. „Die Deutschen bleiben vorsichtige Anleger. Einlagen und Bargeld dominieren weiterhin die Vermögensstruktur privater Haushalte“, erklärt BCG-Autor Kahlich. „Gleichzeitig sehen wir, dass ETFs, Aktien und kapitalmarktorientierte Anlagen stetig an Bedeutung gewinnen."
So können auch Sie zum Millionär werden
Wer langfristig am Kapitalmarkt partizipiert – etwa über breit gestreute ETFs –, kann zumindest einen Teil des Mechanismus nutzen, der bislang vor allem den Superreichen zugutekommt. Wer rechtzeitig beginnt, kann schon mit 300 Euro Sparrate im Monat mit einem ETF auf den MSCI World Index innerhalb von 45 Jahren zum Millionär werden. Unterstellt ist dabei eine Durchschnittsrendite von 7,16 Prozent.
Sie haben nur noch 25 Jahre Zeit bis zur Rente und nicht einen Cent auf dem Sparkonto? Dann hätten Sie in der Vergangenheit800 Euro im Monat ansparen und auf einen etwas höher rentierenden Index wie den S&P 500 setzen müssen (Durchschnittsrendite 8,49 Prozent per annum), um mit hoher Wahrscheinlichkeit die Million zu erreichen.
Wenn Sie zwischendurch einmal einen Tenbagger wie Nvidia oder Micron Technology erwischen, geht es natürlich theoretisch schneller. Doch auch das entbindet nicht von der Aufgabe, regelmäßig Geld beiseitezulegen.
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Häufige Fragen zum Thema
Wer gilt in Deutschland als reich?
Beim Vermögen wird Reichtum meist ab einem frei verfügbaren Nettovermögen (Immobilien, Ersparnisse, Aktien abzüglich Schulden) von einer Million Euro definiert. Der Wert variiert jedoch stark nach Lebensalter:
- Unter 35 Jahren gilt man bereits ab rund 200.000 Euro als vermögend
- über 54 Jahre ist dei Grenze von einer Million der Richtwert, da in diesem Alter oft bereits Vermögen durch Immobilien oder Erbschaften aufgebaut wurde.
Um zu den obersten zehn Prozent der Vermögendsten in Deutschland zu gehören, ist bislang ein Gesamtvermögen von über einer Million Euro erforderlich.
Was bedeut der Begriff "einkommensreich"?
Nach einer Einstufung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beginnt Reichtum bei mehr als 250 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens. Das bedeutet
- für Singles: ab circa 5.780 Euro netto im Monat
- für Paare ohne Kinder: ab circa 8.670 Euro netto im Monat
- für eine Familie mit 2 Kindern: ab etwa 12.140 Euro netto im Monat.
Wer als Single mehr als 5.780 Euro netto verdient, gehört schon zu den reichsten fünf Prozent der deutschen Bevölkerung. Das reichste eine Prozent beginnt bei einem monatlichen Nettoeinkommen von mehr als 12.000 Euro.
Wer ist die Boston Consulting Group (BCG)?
Die Boston Consulting Group (BCG) zählt zu den weltweit führenden strategischen Unternehmensberatungen. Zusammen mit McKinsey und Bain nennt man sie auch die „Großen Drei“ der Branche. Das Unternehmen wurde 1963 in den USA gegründet und berät Konzerne, Regierungen und Institutionen in Management-, Transformations- und Strategiefragen-