Der Bundestag beriet am Donnerstag in erster Lesung über das Altersvorsorgedepot. Geplant sind staatliche Zulagen und Steuervorteile – auch für ein Depot ohne Garantie. Was dahintersteckt, wer profitiert und warum es spannend ist.

Das Altersvorsorgedepot soll die private Altersvorsorge in Deutschland einfacher und attraktiver machen – vor allem für Menschen, die bisher vor komplizierten Produkten, hohen Kosten oder starren Garantien zurückschrecken. Der Bundestag hat am Donnerstag (26. Februar 2026) in erster Lesung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung beraten. Ein endgültiger Beschluss ist das noch nicht – nach der Debatte sollen die Vorlagen erst in die Ausschüsse überwiesen werden. 

Was ist geplant und wen betrifft es?

Die Bundesregierung will ein kostengünstiges, einfaches, transparentes und gut erklärbares Angebot für neue Altersvorsorgeprodukte schaffen, das laut Gesetzentwurf „eine breite Bevölkerungsschicht motivieren“ soll, zusätzlich fürs Alter zu sparen. Einer der Auslöser für die Reform ist die Beobachtung, dass die Besparung von Riesterverträgen seit Jahren abnimmt, auch weil die Anleger diese als teuer und wenig rentabel wahrnehmen. Dadurch sinkt jedoch der Anteil der privaten Altersvorsorge, was das Problem der Altersarmut verschärfen könnte. Dem will die Regierung gegensteuern.

Wie funktioniert die Förderung?

Die Regierung will die bisherige Grundlogik der Förderung beibehalten: Zulagen, die besonders attraktiv für kleine und mittlere Einkommen sowie Familien sind, soll es weiterhin geben. Hinzu kommt die steuerliche Förderung über einen Sonderausgabenabzug in der Steuererklärung in der Ansparphase. Im Gegenzug gibt es, wie von Produkten wie Riester- oder Rürup-Policen bereits gewohnt, eine nachgelagerte Besteuerung in der Auszahlungsphase.

Gleichzeitig soll die Förderung einfacher und transparenter werden: Statt komplizierter Regeln sollen Grund- und Kinderzulagen proportional zum eingezahlten Beitrag fließen, sich also stärker an den tatsächlichen Einzahlungen orientieren. Damit will die Politik Anreize geben, dass die Bürger mehr Geld selbst beisteuern.

Wie viel Geld kann ich in das AV-Depot einzahlen?

Ursprünglich war geplant, dass Angestellte bis zu 1800 Euro pro Jahr, also 150 Euro im Monat, in das Altersvorsorgedepot einzahlen können. Diese Grenze wurde deutlich angehoben. Der neue Vorschlag läuft daraus hinaus, dass zwar weiterhin nur Einzahlungen bis maximal 1800 Euro eine Förderung erhalten. Die Sparer sollen aber bis zu 5040 Euro pro Jahr oder 420 Euro im Monat einzahlen dürfen und erhalten dann auch für diesen Teil die steuerlichen Vorteile: Auf Erträge aus dem Altersvorsorgedepot wird in der Ansparphase beispielsweise keine Kapitalertragsteuer und keine Vorabpauschale fällig.

Drei große Vorteile für Privatanleger

1. Höhere Renditechancen durch weniger Garantien: Ein Depot „ohne Garantie“ kann langfristig stärker auf ETFs und Fonds setzen. Das ist oft die Voraussetzung für langfristig höhere Renditen an der Börse – trotz der üblichen Kursschwankungen. Bei den Riester-Produkten zwangen dagegen meist die Garantien die Anbieter dazu, sehr vorsichtig anzulegen, etwa in Anleihen, wodurch die Renditen eher mickrig ausfielen.

2. Steuervorteile in der Ansparphase (Steuerstundung): Im Eckpunktepapier wird betont, dass im Altersvorsorge-Depot in der Ansparphase keine laufende Besteuerung wie in einem normalen Depot anfallen soll (keine Abgeltungsteuer/Vorabpauschale). Auch das Umschichten soll steuerlich einfacher und weitgehend steuer-unschädlich sein. Besteuert wird erst bei Auszahlung. Das kann den Zinseszinseffekt spürbar verstärken.

3. Staatliche Zulagen als zusätzlicher Turbo: Wer förderberechtigt ist, bekommt die Zulagen im Grunde als „geschenktes“ Zusatzkapital. Das ist besonders relevant für Haushalte mit Kindern oder geringerem und mittlerem Einkommen. Sie sollen nach Angaben der Regierung besonders profitieren.

Unterm Strich

Das geplante Altersvorsorgedepot könnte für viele zum fehlenden Bindeglied werden: Günstige Sparpläne, etwa über ETFs, gepaart mit den langfristig höheren Renditechancen am Kapitalmarkt, plus eine staatliche Förderung und ein steuerlicher Mantel – davon haben viele Finanzexperten schon lange geträumt. Wer das Thema Private Altersvorsorge wegen der vielen Nachteile rund um Riester bereits ad acta gelegt hatte, sollte nun definitiv noch einmal einen Blick auf die Chancen des neuen Altersvorsorgedepots werfen.

Das Alternativmodell der Grünen

Bündnis 90/Die Grünen haben dem Bundestag ein anders Konzept vorgelegt: ine Standardlösung in Form eines öffentlich verwalteten „Bürgerfonds“: Beschäftigte sollen dort automatisch einen Teil ihres Gehalts einzahlen, sofern sie dem nicht aktiv widersprechen (Opt-out). Wer widerspricht, soll stattdessen in private Konkurrenzangebote einzahlen können. Vorbild dafür ist das schwedische Modell.

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