Die IWH-Experten halten in einer neuen Prognose in Deutschland ein Wachstum von 0,9 Prozent für möglich – aber nur wenn der Golfkonflikt sich nicht verschärft.

Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft wird sich an der Straße von Hormus entscheiden. Das ist die Botschaft der aktuellen Sommerprognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). 

Zwar ist die Ausgangslage nicht hoffnungslos: Für 2026 und 2027 erwarten die Ökonomen jeweils ein Wachstum von 0,9 Prozent (im März lagen die Prognosen noch bei einem Zuwachs von 0,7 Prozent für 2026 und einem Prozent für 2027). Doch dieses Szenario steht unter einem großen Vorbehalt.

IWH-Prognose: Entwicklung der deutschen Wirtschaft hängt von Golfkonflikt ab

Denn der eskalierte Golfkonflikt hat die Energiepreise nach oben getrieben und weltweit die Verbraucherpreise angeheizt. Derzeit wird der Angebotsausfall bei Erdöl noch durch den Abbau strategischer Lager abgefedert – und durch die Hoffnung, dass die Straße von Hormus im Laufe des Sommers wieder frei befahrbar sein wird. Passiert das nicht, droht laut IWH ein deutlich düstereres Szenario.

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„Das wesentliche Risiko für die Weltwirtschaft wie auch für die deutsche Konjunktur liegt im ungewissen Fortgang des Golfkonflikts", sagt dazu Oliver Holtemöller, Vizepräsident des IWH. Im schlimmsten Fall – einer anhaltenden Blockade – würde Öl massiv teurer, die Inflation weiter steigen, die Zinsen klettern und deutsche Exporte würden unter Druck geraten. Stagnation statt Aufschwung wäre die Folge.

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KI treibt deutsche Wirtschaft um: Jobverluste versus höhere Produktivität

Doch das ist nicht die einzige Entwicklung, die die deutsche Wirtschaft umtreibt: Der weltweite Boom der Künstlichen Intelligenz beflügelt die Investitionen in diese Technologie – primär in den USA, aber mit globaler Strahlkraft. 

Holtemöller erklärt dazu mit Blick auf Deutschland: „Kurzfristig könnten die Abwärtsrisiken überwiegen – etwa durch Jobverluste, auch bei höher qualifizierten Beschäftigten." Mittelfristig aber bietet KI die Chance, die gesamtwirtschaftliche Produktivität spürbar anzuheben.

Lage im Sommer: Angespannte Stimmung, aber Einbruch bleibt aus

Insgesamt blicken die IWH-Ökonomen nach einem stärkeren ersten Quartal mit einem überraschend kräftigen Produktionsplus eher besorgt auf den Sommer. Die gestiegenen Energiepreise belasten Unternehmen und Haushalte gleichermaßen. Die Beschäftigung ist seit dem vergangenen Sommer leicht rückläufig; im Verarbeitenden Gewerbe hat sich der Stellenabbau sogar beschleunigt. Das Stimmungsbild ist angespannt.

Dass ein echter Einbruch vorerst ausbleibt, liegt vor allem an der expansiven Finanzpolitik: Der Staat weitet den öffentlichen Konsum aus, Investitionsprogramme kurbeln den Bau an. Und nach drei Jahren mit rückläufigen Exportzahlen dürfte 2026 erstmals wieder ein leichtes Plus gelingen – die US-Zollerhöhungen vom Vorjahr werden sich laut IWH nicht wiederholen.

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Häufige Fragen

Was macht das IWH?

Das IWH (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle) ist eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Das Institut konzentriert sich auf die Themenbereiche Makroökonomik, Finanzmärkte, Strukturwandel und Produktivität. Bekannt ist dabei vor allem der IWH-Insolvenztrend mit regelmäßigen Auswertungen zu den Insolvenzzahlen von Personen- und Kapitalgesellschaften. 

Welche Bedeutung hat die Straße von Hormus?

Die Straße von Hormus ist für den Handel eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Die Meerenge ist der einzige Seeweg, der die großen Erdöl- und Gasproduzenten am Persischen Golf (darunter Saudi-Arabien, Irak, Katar und Kuwait) mit den Weltmärkten verbindet. Ist diese Meerenge blockiert, geht das Angebot an Öl zurück, was die Preise nach oben treibt.

Warum wächst die deutsche Wirtschaft so langsam? 

Deutschland steckt in einer besonderen Zwickmühle. Als exportstarke Industrienation ist das Land besonders abhängig von günstiger Energie – und die ist seit der Energiekrise dauerhaft teurer geworden. Gleichzeitig kämpfen deutsche Unternehmen mit hartem Wettbewerb: Chinesische Anbieter drängen mit günstigen Produkten auf die Weltmärkte, während die USA mit Zöllen den Zugang erschweren. Hinzu kommt, dass viele Verbraucher im Inland vorsichtig sind und weniger ausgeben.