Das neue Altersvorsorgedepot soll 2027 kommen und das unbeliebte Vorgänger-Modell, die Riester-Rente, ablösen. Doch ist das neue Angebot wirklich besser?

Ab 2027 soll ein neues staatlich gefördertes Sparmodell die gescheiterte Riester-Rente ablösen. Das Altersvorsorgedepot verspricht mehr Rendite, weniger Bürokratie und flexiblere Garantien. Doch lohnt sich der Umstieg – und für wen?

Was steckt hinter dem neuen Altersvorsorgedepot?

Bei dem neuen Altersvorsorgedepot hat die Regierung jedenfalls in einigen Punkten nachgebessert. Ein Überblick: Wer ab 2027 bis zu 360 Euro im Jahr anspart, bekommt vom Staat für jeden eingezahlten Euro 50 Cent dazu. Für Sparbeträge zwischen 360 und 1.800 Euro stockt der Staat jeden Euro um weitere 25 Cent auf. Die maximale staatliche Grundzulage beträgt damit 540 Euro pro Jahr.

Familien profitieren zusätzlich: Ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro gibt es einen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr.

Neu ist auch die Wahlfreiheit bei den Garantien: Neben dem klassischen Modell mit 100-prozentiger Beitragsgarantie gibt es künftig eine Variante mit 80 Prozent Garantie – sowie ein Depot ganz ohne Garantien. Letzteres ermöglicht Investitionen in ETFs und damit potenziell deutlich höhere Renditen. Geplant ist außerdem ein Standarddepot eines öffentlichen Trägers. Erstmals sollen auch alle Selbstständigen einbezogen werden.

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Warum muss Riester überarbeitet werden?

Das vorherige Riester-Modell hat viele enttäuscht: Das Fördersystem galt als undurchsichtig und schwer verständlich. Die verpflichtende 100-prozentige Beitragsgarantie zwang Anbieter zu konservativen Anlagestrategien, die kaum Rendite abwarfen. Gleichzeitig fraßen hohe Abschlussgebühren und Verwaltungskosten einen Großteil der ohnehin niedrigeren Erträge auf.

Das Ergebnis: Mehr als jeder vierte Riester-Vertrag wurde mittlerweile gekündigt oder stillgelegt. Beim neuen Altersvorsorgedepot hat die Regierung auf diese Kritik reagiert: Die Förderung ist verständlicher gestaltet, der Kostendeckel von 1,0 Prozent ist niedriger und soll überhöhte Gebühren begrenzen. Außerdem entfällt die starre Beitragsgarantie – was Anlegern erstmals auch die Investition in günstige ETFs erlaubt.

Weiterführende Links

Sollte ich meinen Riester-Vertrag jetzt kündigen?

Nicht in jedem Fall. Die Verbraucherzentrale rät dazu, bestehende Riester-Verträge nicht überstürzt aufzugeben. Denn Riester erlaubt niedrigere Mindestbeiträge, um die staatlichen Zulagen zu erhalten. Wer sich nur geringe Sparraten leisten kann, sollte zunächst prüfen, ob das neue Modell überhaupt günstiger ist – das hängt von der persönlichen Situation ab.

Für wen eignet sich das neue Altersvorsorgedepot?

Generell gilt: Wer so viel einzahlt, dass er auch im neuen Altersvorsorgedepot die volle Zulage erhält, für den ist das neue Angebot oft deutlich besser als Riester.

Gibt es beim neuen Depot keine Kostenfallen?

Doch, die gibt es - davor warnt auch die Verbraucherzentrale. Der Kostendeckel von einem Prozent gilt nur für die sogenannten Standarddepots – und selbst dieser Wert liegt übrigens noch deutlich über dem, was ein günstiger ETF kostet. Dazu kommt, dass es keinen Deckel bei Zusatzleistungen wie „Betreuungsangeboten" oder einer „Premium-Fondsauswahl" gibt. Anleger sollten daher bei jedem Kostenpunkt genau hinschauen – denn wie beim Zinseszins-Effekt gilt: Auch Kosten wachsen mit der Zeit – und können Anleger im Laufe der Jahre viele tausend Euro kosten.

Wie gehen Anleger jetzt am besten vor?

Informieren, nicht hetzen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, sondern sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen – und dabei auf unabhängige Quellen zu setzen.

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Häufige Fragen (Zusammenfassung)

Was ist die Riester-Rente?

Ein Riester-Vertrag ist ein staatlich geförderter privater Altersvorsorgevertrag in Deutschland. Der Staat bezuschusst die Ansparphase durch jährliche Zulagen und die Möglichkeit, Steuervorteile über den Sonderausgabenabzug in der Einkommensteuererklärung geltend zu machen.

Was ist das neue Altersvorsorgedepot?

Das neue Altersvorsorgedepot ist das Herzstück der großen Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Es ermöglicht, direkt und kostengünstiger in chancenreiche Kapitalanlagen wie Fonds und ETFs zu investieren, und wird ab dem 1. Januar 2027 angeboten.

Welche Unterschiede gibt es beim neuen Altersvorsorgedepot im Vergleich zur bisherigen Riester-Rente?

Das neue Altersvorsorgedepot bietet mehr Flexibilität als die Riester-Rente. Es gibt drei Varianten: eine mit 100-prozentiger Beitragsgarantie, eine mit 80-prozentiger Garantie und eine ganz ohne Garantien – letztere ermöglicht höhere Renditen am Kapitalmarkt. Zudem werden erstmals alle Selbstständigen einbezogen, und ein öffentlicher Träger soll ein Standarddepot anbieten.