Viele führende Banken und Vermögensverwalter wie Blackrock, Goldman Sachs, JPMorgan AM, Bank of America, UBS und Deutsche Bank halten eine Portfolioaufteilung von 60 Prozent Aktien zu 40 Staatsanleihen nicht mehr für zeitgemäß.

Der Hauptgrund für diesen Paradigmenwechsel liegt in den veränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen. Über viele Jahrzehnte funktionierte das Modell vor allem deshalb so gut, weil sinkende Zinsen und niedrige Inflation Anleihen in Krisenzeiten zu einem verlässlichen Stabilitätsanker machten. Dieses Umfeld hat sich jedoch grundlegend gewandelt.

Inflation zehrt Zinsen auf

Ein zentraler Faktor ist die dauerhaft höhere Inflation. Steigende Preise schmälern nicht nur die reale Rendite von Anleihen, sondern erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, dass Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck geraten könnten. Damit geht die klassische Pufferfunktion von Anleihen zunehmend verloren. Gerade in Stressphasen reagieren Rentenmärkte heute oft empfindlicher auf Inflations- und Zinserwartungen als früher, was die Schutzwirkung im Portfolio deutlich abschwächt.

Hinzu kommen wachsende geopolitische Risiken. Handelskonflikte, Sanktionen, militärische Auseinandersetzungen und eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft sorgen für höhere Volatilität und unberechenbare Marktreaktionen. In solchen Phasen korrelieren traditionelle Anlageklassen häufiger miteinander, wodurch die Diversifikation eines reinen Aktien-Anleihen-Portfolios eingeschränkt wird.

Auch strukturelle Umbrüche spielen eine entscheidende Rolle. Die Energiewende, der massive Investitionsbedarf in Infrastruktur, Digitalisierung und Verteidigung sowie die Deglobalisierung verändern Produktionsketten und Kapitalflüsse nachhaltig. Diese langfristigen Trends begünstigen reale Vermögenswerte, während klassische Anleihen davon kaum profitieren.

Das alte 60-zu-40-Portfolio hat ausgedient

Vor diesem Hintergrund empfehlen viele Banken heute flexiblere Multi-Asset-Ansätze. Diese setzen bewusst auf eine breitere Streuung und integrieren neben Aktien und Anleihen auch Rohstoffe, Edelmetalle oder alternative Anlagen. Ziel ist es, das Portfolio robuster gegenüber Inflation, geopolitischen Schocks und strukturellem Wandel aufzustellen – und sich weniger auf ein Modell zu verlassen, das unter den heutigen Bedingungen seine frühere Verlässlichkeit zunehmend verliert.

Die 50-30-20-Portfoliostruktur ist zum Beispiel ein einfaches Grundmodell für ausgewogene Vermögensaufteilung. Rund 50 Prozent entfallen auf wachstumsorientierte Anlagen wie Aktien, die langfristig Rendite liefern sollen. 30 Prozent werden defensiver investiert, meist in Anleihen oder Cash-nahe Anlagen, um Schwankungen abzufedern und Liquidität zu sichern. Die restlichen 20 Prozent dienen der Absicherung und Diversifikation, etwa durch Gold, Rohstoffe oder alternative Investments. Ziel ist ein robuster Mix aus Wachstum, Stabilität und Schutz vor Krisen.

Ronald Stöferle (Incrementum AG) geht im Jahr 2024 veröffentlichten In Gold We Trust Report deutlich weiter und plädiert für eine spürbar höhere Gewichtung von Gold und Sachwerten, da klassische Anleihen ihre Schutzfunktion verlieren. In seinem zuletzt vorgestellten „neuen 60/40-Portfolio“ wird das Vermögen stärker differenziert aufgeteilt: 45 Prozent Aktien, 15 Prozent Anleihen (= 60 Prozent), 15 Prozent Sicherheitsgold, 10 Prozent Performance-Gold (z. B. Silber und Minenaktien), 10 Prozent Rohstoffe sowie 5 Prozent Bitcoin (also insgesamt 40 Prozent). Diese Struktur soll sowohl Inflation, geopolitische Risiken als auch strukturelle Umbrüche wie Deglobalisierung und hohe Staatsverschuldung besser abfedern als klassische Modelle. Gold übernimmt dabei eine Doppelrolle als Stabilitätsanker und Renditetreiber.

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