Der deutsche Tech-Investor Frank Thelen hat sich komplett von Bitcoin getrennt. Sowohl privat als auch in seinen Fonds. Warum Thelen diesen rigorosen Schritt geht – und welche Alternativen er im Blick hat.
Frank Thelen, bekannt als Investor in der TV-Show „Höhle der Löwen", hat alle seine Bitcoins veräußert. Das gelte sowohl für sein Privatvermögen als auch für seine Fonds, sagte er im Finanztalk „Money Mittwoch" von BILD.de. Er sei kein Bitcoin-Gegner, betonte der 50-Jährige, die Grundidee als digitaler Wertspeicher finde er weiterhin interessant. Aber aus seiner Sicht überwiegen inzwischen die Risiken die Chancen.
Risiko Quantencomputer
Thelens zentrales Argument ist technologischer Natur. Thelen glaubt an ein Bedrohungspotenzial für Bitcoin durch Quantencomputer: „Der Angriff durch Quantencomputer, also eine neue Art von Computern in Kombination mit neuer Software, rückt immer näher", sagte er gegenüber BILD. Quantencomputer könnten eines Tages die mathematische Verschlüsselung, auf der Bitcoin und andere Kryptowährungen basieren, angreifen und überwinden. Vor diesem Risiko hatten jüngst nicht nur andere Beobachter des Kryptomarkts, sondern auch Google gewarnt. Roman Reher, besser bekannt als „Blocktrainer“, hält die vermeintliche Bedrohung dagegen für übertrieben. Wie er begründet, dass Bitcoin noch sehr lange sicher bleiben wird, erfahren Sie in diesem Interview, das Reher BÖRSE ONLINE jüngst auf Youtube gegeben hat.
Verbohrte Community
Ein weiteres Problem sieht Thelen in der Bitcoin-Community selbst. Während andere Kryptowährungen aktiv weiterentwickelt werden, gelte in der Bitcoin-Community Veränderung oft als Bedrohung statt als Chance, kritisiert Thelen. „Die Bitcoin-Community ist mir zu starr." Wenn neue technologische Gefahren entstehen, müsse sich eine Kryptowährung schnell anpassen können. „Man braucht eine gewisse Dynamik in der Entwicklung, damit man eben auf diese neuen Herausforderungen eingeht. Das sehe ich bei Bitcoin nicht."
Auch die Kursentwicklung gibt Thelen zu denken. Wenn Bitcoin wirklich als große Reservewährung wahrgenommen würde, „dann hätte es eigentlich steigen müssen in letzter Zeit, aber es ist gefallen". Ein Bitcoin notiert aktuell bei 62.600 US-Dollar, rund 54.600 Euro. – fast 40 Prozent unter dem Wert vor einem Jahr. Viele Marktbeobachter teilen Thelens vorsichtige Haltung und warnen ebenfalls vor weiterem Kursdruck.
Ethereum und Hyperliquid als Alternativen
Dennoch hat Thelen nicht vollständig das Interesse am Kryptobereich verloren. Er setzt stattdessen auf Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung: „Ich finde Ethereum zum Beispiel als Chain viel besser, weil es aktiv entwickelt wird." Anders als Bitcoin sei Ethereum nicht nur ein Wertspeicher, sondern eine technische Plattform, auf der Programme, Finanzanwendungen und digitale Verträge laufen können. Spannend finde er auch Handelsplattformen wie Hyperliquid, auf denen digitale Vermögenswerte gehandelt werden und echte Einnahmen über Handelsgebühren entstehen. Zuletzt waren dort zum Beispiel im Vorfeld des Börsengangs von SpaceX Anwartschaften auf die neuen Aktien gehandelt worden. „Da ist ein echter Cashflow drauf", sagt Thelen über Hyperliquid. Das sei für ihn ein entscheidender Unterschied zur reinen Spekulation.
KI-Aktien wichtiger als Krypto?
Wichtiger als jede Kryptowährung sind für Thelen derzeit Aktien aus dem Technologie- und KI-Bereich. Er nennt explizit Unternehmen wie Nvidia, Meta, Alphabet und Amazon. Thelen hält diese Konzerne trotz des aktuellen Hypes nicht automatisch für überteuert. Entscheidend sei, ob die Nachfrage nach Chips, Rechenzentren und KI-Diensten dauerhaft hoch bleibe und ob die Unternehmen damit echte Gewinne erwirtschaften könnten.
Was Anleger daraus lernen können
Thelen warb in dem Interview für nüchterne Risikoabwägung. Er wolle nicht pauschal vor Kryptowährungen warnen, aber es sei auch gefährlich, wenn manche Kryptofans empfehlen, das gesamte Vermögen in Bitcoin zu investieren: „Das finde ich fatal. Sein ganzes Geld in Bitcoin zu investieren, kann tolle Chancen bringen, aber es hat auch viele Risiken."
Bei jedem Investment müssten nicht die Chancen, sondern auch die Risiken ehrlich benannt werden, sagt Thelen. BÖRSE ONLINE geht diesen Weg seit ihrer Gründung 1987. Mit diesem Probeabo für vier Ausgaben können Sie sich persönlich davon überzeugen.
Häufige Fragen zum Thema
Wer ist Frank Thelen?
Frank Thelen ist ein deutscher Seriengründer, Technologie-Investor und Autor. Bundesweite Bekanntheit erlangte er vor allem als Juror in der VOX-Gründershow "Die Höhle der Löwen". Als CEO und Gründer seiner Firma Freigeist Capital investiert er in europäische Start-ups. Zu seinen bekanntesten Frühphasen-Investitionen gehören MyTaxi, Kaufda und 6Wunderkinder. In der "Höhle der Löwen" investierte er unte randerem in das Gewürz-Startup "Ankerkraut", das später von Netslé übernomen wurde., Mittlerweile ist Ankerkraut wieder im Besitz der Gründer. Über seine Firma TEQ Capital hat Thelen Fonds und Themen-ETFs aufgelegt, mit einem Fokus auf Zukunftstechnologien.
Warum sind Quantencomputer eine Gefahr für Bitcoin?
Quantencomputer können in nahre Zukunft theoretisch in der Lage sein, die asymmetrische Kryptografie (ECDSA), die Bitcoin zugrundeliegt, zu knacken. Dadurch könnten Angreifer den privaten Schlüssel aus einem öffentlichen Schlüssel ableiten und Bitcoins stehlen. Auch das Mining (SHA-256) wäre betroffen, wenn auch in einem viel geringeren Maße. Die Bitcoin-Community arbeitetet bereits an Lösungen, um das zuverhindern. Allerdings waren davon vor allem die ältesten Coins mit der schwächsten Verschlüsselung betroffen.
Was macht Hyperliquid?
Hyperliquid ist eine dezentrale Handelsplattform, die speziell für den Handel mit Krypto-Derivaten wie Perpetual Futures und tokenisierten, realen Vermögenswerten wie Rohstoffen oder Aktien entwickelt wurde. Sie ist eine Weiterentntwicklung des dezentralen Finanzwesens (DeFi) in der Krypto- und Blockchain-Welt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.