FRANKFURT (dpa-AFX) - Für die europäischen Anleger wird die Rückkehr aus dem Wochenende wegen des weiter zugespitzten Iran-Kriegs zum bösen Erwachen. Ein rasender Anstieg der Ölpreise macht ihnen zunehmend Inflations- und Wachstumssorgen. Im Fokus steht, dass der Iran mit dem Sohn des getöteten Ajatollah Ali Chamenei einen neuen obersten Führer bestimmt hat. Ein schnelles Ende des Kriegs und eine Normalisierung der Ölproduktion in der Region scheinen nicht absehbar.

Zumindest scheint der Dax aber nicht ganz so massiv einzubrechen, wie noch am frühen Morgen befürchtet. Der X-Dax signalisierte für den deutschen Leitindex rund eine Stunde vor Handelsbeginn einen Kursrutsch um 2,8 Prozent auf 22.932 Punkte. In der Nacht hatten Indikationen schon im Bereich von 22.705 Punkten gelegen. Unter den 22.943 Punkten vom November droht dem Dax das tiefste Niveau seit Frühjahr vergangenen Jahres.

Getrieben ist die Situation von der Angst vor einer längeren Sperrung der Straße von Hormus. Der Preis für ein Fass Rohöl der Nordsee-Sorte Brent ist in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar gestiegen. In einem Bericht der "Financial Times" wird nun darüber spekuliert, ob die Situation durch die Freigabe von Ölreserven beruhigt werden könnte. Der Ölpreis kehrte daraufhin zuletzt in Richtung der 100-Dollar-Marke zurück.

"Die Angst davor, dass das schwarze Gold die Weltkonjunktur ausbremsen könnte, ist deutlich größer geworden", schrieb der Experte Christian Henke vom Broker IG. US-Präsident Trump fordere eine bedingungslose Kapitulation des Iran und in der Folge davon drohe der Militäreinsatz länger anzudauern. "Und dies dürfte nicht im Sinne der Anleger sein", so der Experte.

Die geopolitisch getriebene Flucht aus dem Risiko schreite fort, schrieb denn auch der JPMorgan-Anlagestratege Mislav Matejka. Er erinnerte jedoch daran, dass der Aktienmarkt sein Tief meist dann findet, wenn die Anlegerstimmung am schlechtesten ist. Matejka wäre entsprechend jedenfalls nicht überrascht, wenn der Kursrutsch in dieser oder der kommenden Woche endet.

Die vom Ölpreis ausgelösten Schwankungen zeigen sich am Montag in vielen Branchen mit den üblichen Ausschlägen. Aktien großer Ölkonzerne sind im vorbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate sehr gefragt, während die Titel in der Tourismusbranche stark leiden. Für die Titel der Lufthansa ging es vorbörslich um mehr als drei Prozent bergab. Dass die Barclays Bank ihr negatives Votum für die Fluggesellschaft aufgab, erleichterte nicht groß. Der Analyst hatte seine Studie noch vor der erneuten Ölpreisrally verfasst.

Relativ geringe Kursverluste bahnen sich am Montag im Rüstungsbereich bei Rheinmetall an. In dieser Branche schauen die Anleger am Montag auf den voraussichtlich ersten Handelstag des Unternehmens Gabler im Börsensegment Scale der Frankfurter Wertpapierbörse.

Vollzogen wird am Montag noch eine Umplatzierung in der Dax-Indexfamilie. Der Autozulieferer Schaeffler ist jetzt Mitglied im MDax , weil der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen den Index der mittelgroßen Unternehmen verlassen musste. Den frei gewordenen Platz im SDax der Nebenwerte nehmen die Vorzugsaktien des Werkzeugherstellers Einhell ein./tih/stk

Quelle: dpa-Afx