FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger schauen am Montag weiterhin nervös auf die Entwicklung am Ölmarkt. Die weiter zugespitzte Lage im Nahen Osten drückte den Dax im frühen Handel auf ein Zehnmonatstief. Der Druck ließ allerdings im Laufe des Morgens etwas nach, als eine Debatte über die Freigabe von Ölreserven losgetreten wurde.

Der Leitindex Dax rutschte zunächst deutlich unter die Marke von 23.000 Punkten, nachdem der Preis für ein Fass Rohöl der Nordsee-Sorte Brent in der Nacht auf fast 120 Dollar hochgeschnellt war. Entlastend wirkte dann ein Bericht der "Financial Times", wonach die G7-Staaten über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven beraten sollen. Der Brent-Fasspreis kehrte daraufhin in Richtung der 100-Dollar-Marke zurück.

Vor diesem Hintergrund konnte auch der Dax sein bis zu 2,8 Prozent großes Tagesminus reduzieren. Zuletzt stand der Leitindex dann noch 1,6 Prozent tiefer bei 23.206 Punkten. Der MDax fiel um 2,4 Prozent auf 28.766 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte etwa zwei Prozent ein.

Ein schnelles Ende des Iran-Krieges bleibt nicht absehbar. Getrieben ist die Situation an den Ölmärkten von der Angst vor einer längeren Sperrung der Straße von Hormus, die für den globalen Ölmarkt als Transportweg von enormer Bedeutung ist. Im Fokus der Märkte stand, dass der Iran mit dem Sohn des getöteten Ajatollah Ali Chamenei einen neuen obersten Führer bestimmt hat.

"Der Wochenauftakt hat es in sich. Nach der handelsfreien Zeit am Wochenende schlägt der Markt wieder einmal mit voller Wucht zu", schrieben am Morgen die Experten von Index-Radar. Investoren preisten das Szenario eines länger anhaltenden Konflikts ein und die Sorge vor einem erneuten Inflationsimpuls durch steigende Energiepreise.

In solchen Phasen lohnt es sich laut den Index-Radar-Fachleuten, einen Schritt kürzerzutreten. "Panik war an der Börse selten ein guter Ratgeber", heißt es aber weiter in ihrem Kommentar. Die Experten setzen darauf, dass der Konflikt zeitnah entschärft oder zumindest so begrenzt wird, dass die Energiepreise wieder deutlich nachgeben. Jeder weitere Tag erhöhe den politischen Druck auf Washington, eine Lösung voranzutreiben, schrieben sie auch mit Blick auf bald anstehende Zwischenwahlen in den USA.

Die vom Ölpreis ausgelösten Schwankungen zeigten sich am Montag in vielen energieintensiven Industriebranchen mit den üblichen Belastungen, während die Aktien großer europäischer Ölkonzerne wie BP oder Shell gefragt waren. Stark unter Druck standen zum Beispiel Aktien aus dem Stahlsektor.

Auch in der Tourismusbranche bleibt die Angst der Anleger vor den Auswirkungen hoher Treibstoffpreise spürbar. Für die Aktien der Lufthansa ging es um fast fünf Prozent bergab auf ein Tief seit November. Dass die Barclays Bank ihr negatives Votum für die Fluggesellschaft aufgab, erleichterte nicht groß. Der Analyst hatte seine Studie noch vor der erneuten Ölpreisrally verfasst.

Gewinne erzielen konnten Anleger im Rüstungsbereich. Während es die Titel von Rheinmetall mit zwei Prozent ins Plus schafften, fielen vor allem jene von Hensoldt mit einem Anstieg um 5,6 Prozent positiv auf. Sie wurden gestützt von einer Kaufempfehlung des Analysehauses Jefferies. Diese hatte der Experte Ben Brown damit begründet, dass die Jahresziele für den freien Finanzmittelfluss vor dem Hintergrund der hereinkommenden Aufträge aus Deutschland konservativ wirkten.

In der Rüstungsbranche schauten die Anleger am Montag auch auf ein gelungenes Börsendebüt des Unternehmens Gabler . Die Aktien des U-Boot-Zulieferers starteten mit 47,20 Euro über ihrem Ausgabepreis, der bei 44 Euro in der oberen Hälfte der Angebotsspanne gelegen hatte. Zuletzt zahlten Anleger dann 47,60 Euro für den Erwerb der Aktien.

Aktien der Gea Group konnten sich dem schwachen Marktumfeld nicht entziehen, wie das zuletzt 0,7 Prozent große Minus zeigt. Mit den vorgelegten Resultaten habe der Maschinenbauer die zuvor veröffentlichten Eckdaten bestätigt, hieß es unter Analysten. Leicht positiv bewertet wurde die diesjährige Margen-Zielspanne, die im Mittelwert etwas über den Erwartungen liege.

Vollzogen wurde am Montag eine Umplatzierung in der Dax-Indexfamilie. Weder die Aktien des Autozulieferers Schaeffler noch jene des Werkzeugherstellers Einhell konnten jedoch von ihrem Aufstieg in den MDax beziehungsweise SDax profitieren. Die Wechsel stehen damit in Zusammenhang, dass der bisher im MDax enthaltene Immobilienkonzern Deutsche Wohnen nicht mehr die Anforderungen an den Mindeststreubesitz erfüllt./tih/nas

Quelle: dpa-Afx