FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Bundesanleihen sind am Dienstag sehr stark gestiegen. In der Folge sank die Rendite zehnjähriger Papiere erstmals seit etwa einem Monat wieder unter die Nulllinie. Sie fiel um 0,21 Prozentpunkte auf minus 0,08 Prozent. Im Gegenzug stiegen die Kurse deutlich an. Der richtungweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future kletterte um 1,82 Prozent auf 170,95 Punkte. In allen Ländern der Eurozone stiegen die Kurse stark.

Beobachter bewerten die Lage an den Finanzmärkten weiter als angespannt. "Der Krieg in der Ukraine geht mit unverminderter Härte weiter und die Verunsicherung bleibt hoch", heißt es in einem Kommentar der Landesbank Hessen-Thüringen. Der Nachrichtenfluss sei unkalkulierbar und so dürfte die Volatilität erhöht bleiben.

Zudem bleibt der Inflationsdruck hoch. Die Jahresinflationsrate in Deutschland ist im Februar auf 5,1 Prozent gestiegen. Ökonomen rechnen mit einem weiteren Anstieg in den kommenden Monaten, manche halten Teuerungsraten in Richtung sechs Prozent für möglich. Der Krieg gegen die Ukraine könnte die Energie- und Rohstoffpreise weiter nach oben treiben.

Die Auswirkungen des Krieges dürften nicht nur die Inflation nach oben treiben, sondern auch die wirtschaftliche Erholung belasten. Dies macht die Lage für die EZB schwierig, die zumindest langsam aus ihrer lockeren Geldpolitik aussteigen will. Der finnische Notenbankchef Olli Rehn hat gefordert, dass die Notenbank erst einmal die wirtschaftlichen Folgen des Krieges abschätzen müsse, bis die Unterstützung der Wirtschaft zurückgefahren werden könne. Eine Verzögerung des Ausstiegs aus der lockeren Geldpolitik würde tendenziell die Anleihekurse weiter stützen./jsl/he

Quelle: dpa-Afx