FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der Erholungsrally zur Wochenmitte ist der Dax am Donnerstag erneut unter Druck geraten. Für Verunsicherung sorgten die wieder gestiegenen Ölpreise, denn die gerade erst zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe erscheint brüchig.

Der deutsche Leitindex rutschte um 1,14 Prozent auf 23.806,99 Punkte ab. Tags zuvor hatte das Börsenbarometer nach der vereinbarten Waffenruhe im Iran-Krieg den größten prozentualen Tagesgewinn seit 2022 eingefahren. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten verlor am Donnerstag 0,80 Prozent auf 30.052,36 Zähler.

Die USA müssten sich entscheiden - "entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben", schrieb Irans Außenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X mit Verweis auf Israels verheerende Luftangriffe im Libanon. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation, falls es nicht zu einem umfassenden Abkommen kommen sollte.

Jim Reid von der Deutschen Bank zeigte sich gleichwohl verhalten optimistisch: "Im Vergleich zu vor 24 Stunden hat der Stress an den Finanzmärkten deutlich nachgelassen", hatte der Stratege am Morgen konstatiert. Unter dem Strich hätten die Sorgen über einen "stagflationären Schock" - eine schwächere Konjunktur bei gleichzeitig steigenden Preisen - nachgelassen.

Die Ölpreise bleiben der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt und damit die Risikofreude der Anleger. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni war tags zuvor mit fast 90 US-Dollar auf das tiefste Niveau seit Mitte März gesackt. Zuletzt kostete Brent-Öl wieder 98 Dollar.

Am Dax-Ende sackten die Aktien von SAP um 6,8 Prozent ab. Die Software-Branche leidet besonders unter der Furcht der Anleger vor einer Verdrängung herkömmlicher Software durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Das belastete im US-Handel auch Aktien wie Salesforce und ServiceNow .

Chemie-Aktien wie BASF , Lanxess und Evonik legten um bis zu 2,6 Prozent zu. Analysten argumentierten, asiatische Produzenten chemischer Vorprodukte litten stärker unter der Schließung der Straße von Hormus als Europas Hersteller. Diese könnten zumindest kurzfristig die Preise erhöhen.

Im MDax bekamen die Papiere von Lufthansa wieder die geopolitische Unsicherheit und den höheren Ölpreis zu spüren, der das Kerosin teurer macht. Die Anteilscheine büßten 3,2 Prozent ein. Hinzu kam, dass die Flugbegleiter für Freitag zu einem Streik aufgerufen sind.

Unter den kleineren Werten stiegen Elmos Semiconductor um 7,1 Prozent, sie erreichten ein Rekordhoch. Der Halbleiterhersteller will eigene Aktien einziehen, um künftig bei Aktienrückkäufen flexibel agieren zu können.

In Europa sank der EuroStoxx um 0,29 Prozent auf 5.896,29 Punkte. In Zürich legte der SMI um 0,35 Prozent zu. Der Londoner FTSE 100 endete nahezu unverändert. In den USA lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss moderat im Minus./bek/he

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-Afx