Der Hype um den KI-Pionier OpenAI treibt immer wildere Blüten. Wie jetzt bekannt wird, ist ein börsennotierter Großinvestor dabei eine besonders gefährliche Wette eingegangen.

Die japanische Softbank ist eine der größten Technologie-Holdings der Welt. Natürlich hat ihr Chef Masayoshi Son dafür gesorgt, dass sich sein Unternehmen frühzeitigt an OpenAI beteiligt. Nun will die Softbank diese Beteiligung nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg noch einmal aufstocken. Insgesamt 100 Milliarden Dollar wollen demnach Softbank, Microsoft, Nvidia und weiter Investoren in einer neuen Finanzierungsrunde zusätzlich in die Firma von OpenAI-Gründer Sam Altman stecken. Damit könne die KI-Firma, die noch immer nicht börsennotiert ist, nach Berchnungen des „Wall Street Journal“ auf eine Bewertung von 830 Milliarden Dollar kommen. Das hat es im Venture-Capital- und Private-Equity-Sektor zuvor noch nie gegeben. Zudem würde OpenAI seinen Wert damit innerhalb weniger Monate erneut verdoppeln.

26 Prozent vom Nettobuchwert

Aber wäre so ein Investment für die Softbank das klug? „Sam Altman und Masayoshi Son träumen zu viel“, lautet die Überschrift über einem Kommentar der Bloomberg-Autorin Shulli Ren vom Mittwoch. Ihren Informationen zufolge will Softbank diesmal 30 Milliarden Dollar geben, ein Großteil davon würde aus einem erst kürzlich eingeworbenen Fonds stammen. Schon jetzt hält Softbank elf Prozent an OpenAI. Was aufhorchen lässt, ist, wieviel diese Beteiligung am Nettobuchwert der Softbank ausmacht. Es sind atemberaubende 26 Prozent.

Anteil der Beteiligungen am Buchwert der Softbank
Bloomberg
Anteil der Beteiligungen am Buchwert der Softbank

Im vergangenen Jahr zahlte Masayoshi Son schon einmal 30 Milliarden Dollar bei OpenAI ein. Um an das Geld zu kommen, versilberte Son seinen kompletten Nvidia-Anteil im Wert von damals 5,8 Milliarden Dollar sowie Aktien von T-Mobile USA im Wert von 9,2 Milliarden Dollar. Zudem habe Son Anteile am Chipdesigner Arm beliehen, der 30 Prozent des Buchwerts ausmache. schreibt Bloomberg-Autorin Ren. Das heißt: der Softbank-Boss verabschiedete sich von Beteiligungen an etablierten, gut aufgestellten Unternehmen, um ein Viertel seines Unternehmens auf einen Newcomer zu verwetten, der zwar ohne Frage ein bahnbrechendes Produkt besitzt, aber damit noch vergleichsweise wenig Geld verdient – und immer größere Wetten auf die Zukunft eingeht. 

So hat OpenAi für mehrere hundert Milliarden Dollar KI-Rechenzentren bei Hyperscalern wie Microsoft und Oracle bestellt, von denen völlig offen ist, ob der Cashflow ab 2027 überhaupt ausreichen wird, um diese Aufträge zu bezahlen. Zudem gibt es potente Wettbewerber: Alphabet etwa, das über fast 100 Milliarden US-Dollar Cash verfügt und sich in den vergangenen Monaten als ernstzunehmender Pulsgeber im KI-Wettlauf entpuppt hat. Und auch das Start-up Antropic, Erfinder des ChatGPT-Konkurrenten „Claude“ lässt mit technischen Quantensprüngen und Kooperationen aufhorchen. Zudem scheint seine Bilanz finanziell deutlich solider aufgestellt als die von den erwähnten künftigen Zahlungsverpflichtungen belastete von OpenAI. 

Softbank (WKN: 891624)

Sollte OpenAi diese Verpflichtungen nicht begleichen können, würde wird nicht nur Oracle kollabieren, dass die Vorleistungen für die OpenAI-Aufträge seinerseits über Schulden finanziert. Auch Masayoshi Son wäre dann blank und müsste seinen Aktionären und den Investoren in seine Fonds erklären, wo all die schönen Milliarden hin sind.

Leider hat der Softbank-Chef nämlich kein lupenreinen Track-Record für sein bisherigen Risiko-Investments. Schon oft habe er Milliarden-Dollar-Schecks für verlustbringende Unternehmen ausgestellt - und sie so zu den wertvollsten „Einhörnern“ der Welt gemacht. Son sei dafür bekannt, dass er sich gerne an mehreren aufeinanderfolgenden Finanzierungsrunden von Start-ups mit exponentiellen Wertsteigerungen beteiligt, „nur um am Ende mit schlechten Wetten und massiven Abschreibungen dazustehen“. Beispiele dafür seien der Coworking-Space-Anbieter WeWork oder die indische Hotelkette „Oyo“.

Alle KI-Champions in einem Korb

Mit dem „Künstliche Intelligenz-Index“ von BÖRSE ONLINE investieren Sie gleichzeitig in 17 führende Treiber des KI-Booms. Hier mehr erfahren.

Künstliche Intelligenz Index (WKN: SL0G7E)

Lesen Sie auch

Quartalszahlen von Microsoft, Tesla, Meta und IBM: Das müssen Anleger zu ihren Aktien wissen

oder

Gold knackt magische Marke von 5.500 US-Dollar - kein Ende der Rallye in Sicht