Obwohl zuletzt viele Börsenindizes neue Allzeithochs markiert haben, hinken zahlreiche Aktien der Entwicklung hinterher. Manche wirken attraktiv bewertet - doch nicht jeder Kurssturz ist auch eine Chance.

Der S&P-500-Index hat in der vergangenen Woche neue Allzeithochs erreicht. Damit hat der Index die Korrektur infolge der Irankrise vorerst deutlich hinter sich gelassen. Gleichzeitig werden bereits wieder Stimmen laut, die vor einer Überbewertung warnen und nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial sehen. Doch stimmt das wirklich?

Wir haben analysiert, wo die einzelnen Aktien des S&P 500 im Vergleich zu ihren jeweiligen Allzeithochs stehen. Das Ergebnis: 223 Titel notieren derzeit mehr als 25 Prozent unter ihrem Höchststand. Insgesamt liegen 95 Unternehmen sogar mehr als 50 Prozent darunter – das entspricht fast jeder fünften Aktie im Index.

Ein starker Kursrückgang allein macht eine Aktie aber noch nicht automatisch günstig. Der Kurs kann auch deshalb gefallen sein, weil die Aktie zuvor überteuert war und sich nun wieder auf einem fairen Niveau eingependelt hat. Deshalb hat BÖRSE-ONLINE.de zusätzlich untersucht, wie viele dieser 95 stark gefallenen Aktien tatsächlich auch fundamental attraktiv bewertet sind. Wir haben deshalb alle Unternehmen herausgefiltert, die mindestens 30 Prozent günstiger bewertet sind als der Gesamtmarkt. Benchmark dafür ist das durchschnittliche Forward-KGV im S&P 500 von aktuell von 20,7.

Damit ergeben sich folgende Kriterien:

• Kursrückgang um mehr als 50 Prozent seit dem letzten Allzeithoch;

• Allzeithoch innerhalb der vergangenen fünf Jahre ereicht;

• Forward-KGV unter 14,5 und damit mindestens 30 Prozent unter dem Marktdurchschnitt.

Das Ergebnis ist eine Liste von 26 Unternehmen, die in den vergangenen Jahren stark gefallen sind und gleichzeitig eine vergleichsweise niedrige Bewertung aufweisen.

Value-Aktie oder "fallendes Messer"?

Dennoch sollten Anleger diese 26 Titel nicht ungeprüft kaufen. Ein starker Kursrückgang kann durchaus gerechtfertigt sein und ist in manchen Fällen ein klares Warnsignal. Beispielsweise ist Super Micro Computer seit seinem Allzeithoch um mehr als 75 Prozent gefallen. Hintergrund sind Berichte über Ermittlungen im Zusammenhang mit möglichen Bilanzmanipulationen. Außerdem wurden Anfang 2026 mehrere hochrangige Manager wegen mutmaßlicher Umgehung von Exportkontrollen für KI-Server nach China angeklagt.

Ein weiteres Beispiel ist Pfizer. Der Pharmakonzern profitierte während der Corona-Pandemie von der starken Nachfrage nach Covid-Impfstoffen. Im Jahr 2023 kam es jedoch zu einem deutlichen Rückgang bei Umsatz und Gewinn.

Auffällig ist zudem, dass sich zahlreiche Software-Unternehmen auf der Liste befinden, darunter Salesforce, Adobe und Workday. Diese Unternehmen wurden in den vergangenen Monaten an der Börse deutlich abgestraft. Hauptgrund war die Sorge, dass Künstliche Intelligenz das Geschäftsmodell klassischer Softwareanbieter unter Druck setzen könnte. Auch wenn diese Sorgen bei einigen Unternehmen nicht ganz unberechtigt sind, gibt es auch Software-Anbieter, die von KI sogar profitieren könnten. Dennoch wurden auch solche Titel deutlich abverkauft, die langfristig weiterhin solide Wachstumsperspektiven besitzen. Anleger sollten daher genau prüfen, welche Unternehmen strukturell gut positioniert sind und welche tatsächlich unter Druck geraten könnten.

Fazit: Auch in einem Marktumfeld mit neuen Allzeithochs finden sich weiterhin zahlreiche Chancen bei Einzelwerten. Entscheidend ist jedoch eine sorgfältige Auswahl, um nicht in ein „fallendes Messer“ zu greifen.

Nachfolgend die vollständige Liste.

S&P 500 Aktien mit 50% unter Allzeithoch

Wer gezielt nach robust bewerteten Einzeltiteln sucht, findet im Stabile Werte Index von Börse Online eine interessante Orientierung. Gerade in einem Umfeld zunehmender Bewertungsdebatten kann dieser Index eine hilfreiche Orientierung für langfristig stabile Investments bieten.

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Häufig gestellte Fragen:

Bedeutet ein Kursrückgang von über 50 Prozent, dass eine Aktie automatisch günstig ist?

Nein. Ein starker Kursrückgang kann auch darauf hindeuten, dass sich zuvor überzogene Erwartungen normalisieren oder sich die Fundamentaldaten verschlechtert haben.

Warum wird das Forward-KGV zur Bewertung verwendet?

Das Forward-KGV basiert auf den erwarteten Gewinnen und spiegelt damit die zukünftige Ertragskraft besser wider als historische Kennzahlen.

Warum sind so viele Aktien gefallen, obwohl der S&P 500 auf Allzeithoch steht?

Der Index wird stark von wenigen großen Unternehmen getragen. Viele andere Aktien entwickeln sich deutlich schwächer und notieren weit unter ihren Höchstständen.