Allen Unkenrufen zum Trotz tritt Amazon das Gaspedal in Sachen Künstliche Intelligenz noch einmal voll durch und investiert weitere 25 Milliarden Dollar in einen KI-Newcomer. Die Börse honoriert das.
Amazon baut seine KI-Allianz mit dem KI-Newcomer Anthropic, Entwickler des Chatbots Claude, massiv aus. Am Dienstagabend kündigten beide Unternehmen an, dass Amazon im ersten Schritt fünf Milliarden US Dollar investieren wird, gleichzeitig aber weitere Schritte in Aussicht stellt, mit denen sich das Gesamtvolumen auf bis zu 25 Milliarden US Dollar summieren könnte. Amazon hatte bereits im vergangenen Jahr rund acht Milliarden US Dollar in Anthropic investiert.
Börse feiert das Gegengeschäft
Aufhorchen lässt die Börse nicht nur die Beteiligung – sondern vor allem die Gegenleistung: Anthropic verpflichtet sich nämlich, in den kommenden zehn Jahren über 100 Milliarden US Dollar für Technologien von Amazon Web Services (AWS) auszugeben. Dabei geht es laut Berichten um Halbleiter, also KI-Chips, und Rechenleistung.
Die Börse honoriert vor allem diesen zweiten Teil der Vereinbarung mit einem satten Kursaufschlag: Die Amazon-Aktie stieg am Mittwoch bereits vorbörslich um drei Prozent, was einem Marktwertzuwachs von 80 Milliarden Dollar entspricht. Das heißt, die 25 Milliarden Dollar Investition hätten sich jetzt schon ausgezahlt.
Damit erinnert der Deal an Beteiligungen von Nvidia oder Oracle am KI-Konkurrenten OpenAI aus dem vergangenen Jahr, die ähnlich Bewertungsaufschläge ausgelöst hatten. Investoren wie Michael Burry hatten diese Deals, bei denen OpenAI ebenfalls Abnahmeverpflichtungen bei seinen Investoren eingegangen war, als Kreislaufmodelle kritisiert.
Aggressiver Investmentplan - und eigene Chips
Anthropic wolle beim Training seiner Modelle auf Amazons eigene KI-Chips mit dem Namen Trainium setzen, meldet CNBC. Amazon-Chef Andy Jassy sagt dazu sinngemäß, Anthropics Zusage, seine großen Sprachmodelle in den nächsten zehn Jahren auf AWS-Trainium laufen zu lassen, zeige Amazons Fortschritte in der Entwicklung eigener KI-Chips. AWS liefere damit die Infrastruktur, die Kunden für generative KI brauchen.
Amazon hatte bereits im Februar angekündigt, in diesem Jahr rund 200 Milliarden US Dollar für Investitionen auszugeben, den Großteil davon für KI-Infrastruktur.
Anthropic ist längst mehr als ein Startup
Anthropic wird im Markt längst nicht mehr als KI-Startup wahrgenommen. Das Unternehmen geriet zuletzt wegen Einschränkungen zur Nutzung seiner Modelle für das Pentagon in Konflikt mit US-Behörden. Das Pentagon stufte Anthropic zeitweise als Lieferketten-Risiko ein, wogegen die Firma juristisch vorgeht. Kurz darauf präsentierte Anthropic ein Modell mit dem „Claude Mythos Preview“, das binnen Stunden Dutzende Schwachstellen in etablierten Software-Betriebssystemen gefunden haben soll. Die Meldung löste einen Kurssturz bei Aktien aus dem Cybersecurity-Sektor aus.
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Häufige Fragen zum Thema
Was macht Anthropic?
Anthropic ist der Entwickler des KI-Chatbots "Claude", einem der größten Konkurrenten von ChatGPT (OpenAI). Beide Chatbots basieren auf sogenannten Large Language Models.
Was unterscheidet Anthropic von OpenAI?
Anthropic entwarf auf Basis der Claude-Architektur diverse KI-Agenten, die bereits für Furore gesorgt haben - obwohl es sich meist um Demo-Versionen handelte. Darunter sidn Agenten für das Customer Relationship Management (CRM), für juristische Vertragsprüfungen oder zuletzt Cybersecurity-Anwednungen. Viele Aktienkurse in den betroffenen Branchen brachen daraufhin ein.
Was hat Anthropic mit OpenAI gemeinsam?
Beide Unternehmen bauen KI-Anwendungen auf Basis von Large Language Modellen. Zudem arbeiteten der Chef und Co-Gründer von Anthropic Dario Amodei und seine Schwester und Mitgründerin Daniela Amodei zuvor für OpenAI.