Griechenland ist vom Sorgenkind der Eurozone zum Wachstumsmotor geworden – und steht jetzt vor dem saisonalen Sommerhoch. Neben einem Index-Investment bietet die gezielte Aktienauswahl gute Chancen.
Griechenland dreht die eigene Wirtschaftsgeschichte um. Für das Jahr 2026 erwartet die Europäische Kommission ein reales Wachstum des griechischen Bruttoinlandsprodukts von 1,8 Prozent. Die restliche Eurozone wächst laut Prognose nur mit einem Plus von 0,9 Prozent.
Der im Jahr 2021 aufgelegte europäische NextGenerationEU-Fonds – operativ umgesetzt über die Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) – wirkt in Athen wie ein Wirtschaftsmotor. Das Land ruft die Milliardensummen hocheffizient ab. Die Mittel fließen direkt in Großprojekte wie den Netzausbau und moderne Verkehrsachsen. Parallel greift die staatliche Haushaltsdisziplin. Die Staatsschuldenquote sinkt von ihrem historischen Höchststand von über 200 Prozent auf voraussichtlich 140,7 Prozent im Jahr 2026.
S&P Global Ratings führt das Land auf dem Investment-Grade-Niveau von „BBB-“. Dieser Schritt beendete Ende 2023 den jahrelangen Blockadezustand am Finanzmarkt. Seitdem darf internationales Großkapital der Pensionsfonds und Versicherer per Satzung wieder in griechische Vermögenswerte investieren. Der wirtschaftliche Aufschwung treibt die Börse an. Die Berichte der Statistikbehörde ELSTAT untermauern die fundamentale Wende. Die Wirtschaftsleistung legt kontinuierlich zu. Die ausländischen Direktinvestitionen stiegen auf den höchsten Stand seit Jahren. Dieses Kapital fließt direkt in den Leitindex. Der Athex Composite hat die Marke von 2.500 Punkten zurückerobert. Das ist der höchste Stand seit 2009. Auf Sicht von drei Jahren hat sich der Index verdoppelt. In den vergangenen fünf Jahren hat er sich fast verdreifacht.
Perfektes Timing
Wer den griechischen Aufschwung im Depot begleiten will, erwischt statistisch ein optimales Zeitfenster. Die Historie der vergangenen fünf Jahre zeigt ein wiederkehrendes Muster. Pünktlich zum Sommeranfang nimmt der Markt Fahrt auf. Im Juli läuft der Index zur Höchstform auf. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre verbuchte der Athex Composite in diesem Monat ein Plus von 4,38 Prozent. Die statistisch stärkste Phase des Jahres steht unmittelbar bevor. Dieses saisonale Hoch fällt traditionell mit dem Höhepunkt der Tourismussaison zusammen. Zudem steigt das Frachtvolumen in den großen Seehäfen. Für eine breit gestreute Positionierung bietet sich ein Indexfonds an. Wer die maximale Outperformance sucht, setzt auf die operativen Treiber des Aufschwungs.
Der Infrastruktur-Champion
Der Bau- und Infrastrukturkonzern GEK Terna ist der unangefochtene Marktführer in Griechenland. Das Management reduziert das zyklische Baugeschäft. Es baut das Portfolio an langfristigen Infrastruktur-Konzessionen gezielt aus. Das Rückgrat dieser Strategie bilden 2.000 Kilometer Autobahnnetz. Dazu gehören die strategisch wichtigen Mautstrecken Attiki Odos und Egnatia Odos. Mit der operativen Übernahme dieser Achsen ist der Wendepunkt erreicht. Die Investitionsphase ist abgeschlossen, die Erträge fließen planbar.
Das Konzessionsgeschäft steuert mittlerweile rund 75 Prozent des operativen Konzerngewinns bei. Die staatlich garantierten Verträge weisen eine durchschnittliche Restlaufzeit von über 25 Jahren auf. Ein integrierter Schutzmechanismus sichert die Margen. Die Tarife sind vertraglich an den Verbraucherpreisindex gekoppelt. Steigende Inflationsraten lösen automatische Mauterhöhungen aus. Der Gewinn je Aktie hat sich von 2024 auf 2025 fast versiebenfacht. Der Trend zeigt weiter nach oben. Auf Basis dieses neuen Fundaments erwarten die Analysten der griechischen Investmentbank Eurobank Equities für die kommenden drei Jahre ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 25,4 Prozent pro Jahr. Das frische Kapital fließt in den Schuldenabbau. Zudem finanziert es neue Großprojekte wie den vollständigen Neubau des internationalen Flughafens auf Kreta. Der Konzern wird den Flughafen nach der Fertigstellung langfristig betreiben. Die Finanzierung dieses 500-Millionen-Euro-Projekts ist durch langfristige Kreditlinien bereits vollständig gesichert, sodass der operative Cashflow unangetastet bleibt. Auf dem derzeitigen Niveau sind sich die Experten daher einig: Die Aktie ist ein Kauf. Alle neun von Bloomberg befragten Analysten votieren für den Einstieg. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 52,07 Euro. Eurobank Equities führt den Titel als Top-Pick.
Für das Jahr 2026 prognostizieren die Analysten einen operativen Konzerngewinn von 652 Millionen Euro. Parallel zieht die Dividende an. Die Ausschüttung soll von 0,40 Euro für das Geschäftsjahr 2025 auf 0,82 Euro im Jahr 2030 klettern. Das unterstreicht die langfristige Planbarkeit des Geschäftsmodells.
Der defensive Anker
Hellenic Telecom ist der größte Kommunikationsanbieter des Landes. Operativ ist der Konzern kein Rennpferd. Das soll er auch gar nicht sein. Die Aktie fungiert als verlässlicher Anker im Depot. Die Deutsche Telekom hält mehr als die Hälfte der Anteile. Das bietet Investoren Planungssicherheit. Das Management in Athen trimmt den Konzern nach Bonner Vorbild strikt auf Profitabilität.
Der landesweite Ausbau des Glasfasernetzes sichert die Marktführerschaft im Festnetz. Das 5G-Geschäft sorgt für stabile mobile Erlöse. Während die europäische Konkurrenz unter Zinslasten ächzt, arbeitet Hellenic Telecom mit der niedrigsten Verschuldungsquote im Branchenvergleich. Diese Bilanz finanziert ein Dividendenwachstum von knapp 17 Prozent auf Jahressicht. Anfang Juli schüttet der Konzern aus. Mit einer aktuellen Rendite von 4,5 Prozent kaufen Anleger hier beständige Cashflows.
Das Tor nach Asien
Wer den griechischen Aufschwung physisch greifen will, blickt auf das Hafenbecken von Piräus vor den Toren Athens. Hier betreibt die Piraeus Port Authority den größten Seehafen des Landes. Der strategische Burggraben des Unternehmens ist die chinesische Staatsreederei Cosco. Sie hält mit 67 Prozent die Mehrheit. Cosco lenkt globale Frachtströme aus Asien gezielt ins Mittelmeer. Das garantiert eine konstante Auslastung der Terminals. Piräus fungiert heute als zentraler Knotenpunkt für den europäischen Handel.
Neben dem Containerumschlag füllt das Kreuzfahrtgeschäft die Kassen. Die Tourismussparte profitiert direkt von den Urlauberrekorden in Südeuropa. Trotz der operativen Stärke und des jüngsten Kurslaufs bleibt die Aktie günstig bewertet. Sie liefert Dividendenjägern ein hohes Wachstum. Auf Sicht von drei Jahren kletterte die Ausschüttung um durchschnittlich über 45 Prozent pro Jahr. Im August steht die nächste Zahlung an. Mit einer Rendite von 4,9 Prozent liefert der Hafenbetreiber den höchsten laufenden Ertrag dieses Griechenland-Trios.
Fazit
Athen baut um
Aus dem ehemaligen Sorgenkind der Eurozone ist ein echter Wachstumsmotor geworden. Für den breiten Einstieg bietet sich ein Index-Investment an, wobei Anleger die Struktur des Marktes im Blick behalten sollten: Der Leitindex Athex Composite ist mit gut einem Drittel stark bankenlastig. Noch extremer ist der Amundi-ETF auf den MSCI Greece: Hier machen die vier Großbanken allein fast die Hälfte des Fonds aus. Wer dieses Klumpenrisiko des Finanzsektors umgehen und die operativen Treiber der Realwirtschaft direkt im Depot abbilden will, setzt auf GEK Terna als Profiteur des Baubooms sowie Hellenic Telecom und Piraeus Port Authority als solide Dividendenbringer.