Der spanische Hersteller hat sich in den USA ein starkes Standbein aufgebaut. Das sollte sich auszahlen. Und auch in Europa könnte 2026 die Trendwende gelingen. Die Aktie ist preiswert
Fast ohne Ausnahme sind Stahlaktien im vergangenen Jahr stark gelaufen. Weniger Dynamik verzeichneten die Edelstahl-Aktien. In der Regel sind sie konjunkturellen Schwankungen etwas geringer ausgesetzt. In einem besseren konjunkturellen Umfeld haben die Werte einiges an Aufholpotenzial. Eine dreifache Chance bietet sich etwa bei Acerinox.
Die Spanier sind mit einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro einer der führenden Edelmetallhersteller. Im Bereich Speziallegierungen ist Acerinox nach der Übernahme von VDM und Haynes International sogar Weltmarktführer. Stark vertreten ist es nun vor allem in den USA. Die Umsatzverteilung zwischen Europa und USA ist in der Konzernrechnung gleich hoch. Die Marktstellung im US-Markt ist jedoch mit einem Marktanteil von mehr als 35 Prozent deutlich höher. Das liegt vor allem daran, dass der Importanteil von Edelstahl in den USA deutlich höher war als in Europa.
USA, Europa und Übernahme
Diese starke US-Marktstellung ist die erste Chance. Seitdem die Zölle in den USA eingeführt wurden, profitierte der Konzern von geringeren Importen. Deswegen konnte er mehr verkaufen und auch höhere Preise in Rechnung stellen. Im Moment sind Teile der Zölle gerichtlich gekippt. Die Regierung hat aber neue Zölle angekündigt, mit dem Ziel, die lokale Produktionsbasis zu verbreitern. Wenn aber mehr in neue Fabrikationen investiert wird, nimmt auch die Nachfrage nach Edelstahl zu. Wer Edelstahl benötigt, der muss, wenn er im Ausland bestellt, damit rechnen, dass er doch Zusatzzölle zahlen muss. Das wird die Geschäfte für Acerinox erleichtern.
Chance Nummer 2 ist das Comeback von Europa. Es werden große Beträge für Investitionen freigeschaufelt. In Deutschland gibt es Steuererleichterungen für den Wohnungsbau. Und letztlich fahren alle Länder ihre Verteidigungsbudgets hoch. Überall wird hochwertiger Edelstahl benötigt. Weil sich das europäische Geschäft schwach entwickelte, gibt es hier einen hohen Gewinnhebel. Das Unternehmen hat 2025 das Gewinntal durchschritten. Die Analystenprognosen gehen für 2026 und 2027 deutlich nach oben. Die Bewertung ist günstig, die Relation zwischen Unternehmenswert und Betriebsergebnis liegt deutlich unter zehn.
Die starke Marktstellung in den USA und die tiefe Bewertung sind Pfeiler der dritten Chance. Schon einmal stand Acerinox im Zentrum einer Übernahmespekulation. 2022 drängte der von Familie Mittal kontrollierte Wettbewerber Aperam auf eine Fusion. Die Gespräche wurden dann abgebrochen. Heute ist Acerinox aber deutlich attraktiver geworden, was bei einer neuerlichen Annäherung eine hohe Prämie rechtfertigen würde.
Fazit
Der erwartete konjunkturelle Aufschwung in Europa, die Marktstellung in den USA und eine attraktive Bewertung sprechen für die Aktie des Edelstahlherstellers. Dazu gibt es latente Übernahmefantasie. Kursziel und Stoppkurs werden angehoben.
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