Die Reform der privaten Altersvorsorge könnte Deutschlands Finanzbranche kräftig anschieben. Nach Einschätzung von S&P Global Ratings sind jährliche Nettozuflüsse von 26 bis 56 Milliarden Euro möglich. Banken mit Fonds- und Depotangeboten profitieren besonders.

Die Reform der privaten Altersvorsorge in Deutschland könnte der Finanzbranche jedes Jahr zusätzliche Anlagegelder in deutlich zweistelliger Milliardenhöhe bescheren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von S&P Global Ratings. Nach einer Einführungsphase von 12 bis 24 Monaten erwartet S&P zusätzliche jährliche Nettozuflüsse zwischen 26 und 56 Milliarden Euro.

Der Bundestag hatte die Reform der Altersvorsorge im März beschlossen. Dabei soll das bisherige Riester-Sparen durch ein Altersvorsorgedepot ersetzt werden, über das Bürger – staatlich gefördert – Geld in Aktien, Fonds und ETFs anlegen können. Das Angebot soll am 1. Januar 2027 starten. Vorgesehen sind Angebote privater Finanzdienstleister, es soll aber auch ein staatliches Produkt geben.

Banken bekommen Gebühren statt Kreditrisiko

S&P sieht durch das Altersvorsorgedepot vor allem für Banken große Chancen. Denn rund um das neue, staatlich geförderte Produkt ließen sich gut Produkte verkaufen, bei denen die Erträge vor allem aus Gebühren stammen. Diese würden bevorzugt, weil die Banken dafür, anders als für ausgegebene Kredite, kein Kapital vorhalten müssten. Sie seien also für die Bankbilanz „leichter“ als das klassische Kreditgeschäft. Es sei außerdem möglich, dass die Beratung rund um das Altersvorsorgedepot Cross-Selling-Potenzial biete, weil sie zu mehr Interesse an Rentenlösungen und zum Verkauf weiterer Produkte führen kann. Das würde die Gebühreneinnahmen noch einmal steigern.

Allerdings stellt S&P fest, dass der Wettbewerb schon voll entbrannt ist: Digitalbanken und Neobroker seien bei dem Thema bereits vorgeprescht. Doch nach Ansicht der S&P-Analysten hätten gerade traditionelle Institute wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken ein großes Potenzial, weil sie enge Kundenbeziehungen besitzen und diese für Depot- und Fondslösungen nutzen können. In allen drei Bankensäulen gebe es zudem eigene Fondshäuser: Bei den Sparkassen die Deka, im Genossenschaftssektor Union Investment und im privaten Sektor unter anderem die DWS.

DWS Group (WKN: DWS100)

Versicherer profitieren weniger als früher

Auch Lebensversicherer könnten laut S&P einen Teil der Zuflüsse abbekommen. Allerdings werde der Wettbewerb zunehmen, weil die neue Altersvorsorge stärker auf Kapitalmarktprodukte setze und auch das staatliche Angebot voraussichtlich günstig bepreist werde. Das könnte die Versicherer zwingen, die Kosten ihrer Produkte zu senken. Man dürfe aber ihre Vertriebskraft nicht unterschätzen.

S&P erinnert in diesem Zusammenhang an die Riester-Reform 2002: Damals profitierten Lebensversicherer stärker als Banken und Fondsanbieter. Dieses Mal erwartet S&P zwar ebenfalls Wachstumspotenzial für Versicherer, aber keinen ähnlich hohen Anteil am zusätzlichen Geld wie bei den bestehenden Riester-Verträgen. Hinzu komme die Gefahr für die Versicherer, dass Kunden bestehende Riester-Guthaben in neue Depotlösungen bei Banken und Brokern umschichten.

Fazit

Die Reform der Altersvorsorge bedeutet einen neuen Wachstumsmotor für Banken, Versicherer und Vermögensverwalter in Deutschland. Zu den Profiteuren könnten zum einen Neo- und Direktbroker gehören, aber auch Direktbanken wie Consors und die ING sowie klassische Großbanken und deren Fondsgesellschaften.

Aus Anlegersicht gehören zu diesem Thema deshalb die folgenden Unternehmen auf die Watchlist:

• Allianz

• DWS

• ING

• MLP

• Munich Re (wegen der Versicherungstochter ERGO)

MLP (WKN: 656990)

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Weiterführende Links

Häufige Fragen zum Thema

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Vorsorgevertrag, der im Gegensatz zur Riester-Rente den Fokus stärker auf Fonds und ETFs legt. Damit sollen sich Anlegern höhere Renditechancen für die Altersvorsorge eröffnen als bei klassischen Versicherungsprodukten mit strengen Garantien. Diese Öffnung weg von Versicherungsverträgen, hin zu börsengehandelten Investments ist ein Kern der Reform.

Wer kann das Altersvorsorgedepot nutzen?

Das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot steht allen Arbeitnehmern und erstmals auch Selbständigen offen.

Wie hoch ist die Förderung im Altersvorsorgedepot?

Die Förderung basiert auf einem Zulagensystem. Die Höhe der Grundzulage hängt davon ab, wie viel die Vorsorgesparer einzahlen.

Für Einzahlungen bis 360 Euro pro Jahr beträgt der staatliche Zuschuss 50 Cent für jeden eingezahlten Euro, maximal 180 Euro pro Jahr. Für Einzahlungen zwischen 360 Euro und 1.800 Euro pro Jahr beträgt der staatliche Zuschuss 25 Cent je eingezahltem Euro, also maximal weitere 360 Euro pro Jahr. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr.

Für Familien gibt es eine Kinderzulage von bis 300 Euro pro Kind und Jahr. Die volle Zulage bekomemn Eltern bereits bei einer monatlichen Einzahlung von 25 Euro (300 Euro im Jahr).

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: MLP.