Der Ausstieg der Gründer bei BioNTech hat an der Börse verbrannte Erde hinterlassen – und bei den Aktionären viele Fragen. Einer von ihnen ist BÖRSE-ONLINE-Herausgeber Bernd Förtsch. Er fordert jetzt Antworten vom Unternehmen.

Der 9. November 2020 war ein Tag für die Geschichtsbücher: Das Mainzer Biotechunternehmen BioNTech meldete, dass sein Impfstoff gegen das Coronavirus laut Tests einen Schutz von mehr als 90 Prozent bietet. Endlich sah die Welt einen Ausweg aus der Pandemie. Die Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci wurden zu Helden, später geehrt mit dem Bundesverdienstkreuz. Die Marktkapitalisierung von BioNTech stieg zeitweise auf 100 Milliarden US-Dollar, die Stadt Mainz freute sich über Steuereinnahmen in Milliardenhöhe.

Heute ist davon wenig übrig. Die Aktie hat vom Rekordhoch bei 464 US-Dollar rund 80 Prozent verloren. Und die Gründer gehen von Bord. Sie kündigten im März 2026 an, BioNTech zu verlassen, um ein neues Unternehmen zu gründen. Offenbar nehmen sie dabei auch Personal und Technologie mit - und das sorgt für Unverständnis bei den Aktionären.

BioNTech (WKN: A2PSR2)

Förtsch findet Vorgänge „verwunderlich"

Bernd Förtsch, Mehrheitseigner der Börsenmedien AG, zu der auch DER AKTIONÄR und BÖRSE ONLINE gehört, ist selbst seit Längerem in BioNTech investiert. In einem Interview mit DER AKTIONÄR macht Förtsch jetzt seinem Unmut Luft. Auf die Frage, ob er in 40 Jahren Börsenerfahrung einen vergleichbaren Fall erlebt habe, antwortet er schlicht: „Da fällt mir auf die Schnelle keiner ein.“ Die Vorgänge seien „schon verwunderlich“. Nicht nur der Weggang der Gründer, „auch die praktisch nicht vorhandene Kommunikation über die Pläne sorgen nicht nur bei mir für – milde formuliert – Erstaunen", sagt Förtsch.

Gibt BioNTech seine Zukunft aus der Hand?

Im Kern geht es ihm um eine Frage: „Gibt man das Tafelsilber her? Gibt man das Potenzial auf? Gibt man die Zukunft aus der Hand?" Dazu hat Förtsch BioNTech schriftlich 14 Fragen gestellt. Als Privatmann, als Aktionär. „Ich habe die Medien bewusst zunächst außen vor gelassen. Ziel war es, dass BioNTech mir – und damit den Aktionären und der Öffentlichkeit – mitteilt, was Sache ist“, sagt Förtsch. „Was nicht nur ich, sondern alle BioNTech-Aktionäre benötigen, sind Antworten zu Details.“

Doch Antworten gab es nicht – zumindest keine konkreten. Deshalb macht Förtsch den Fragenkatalog nun öffentlich, über das Interview mit der DER AKTIONÄR, dessen Herausgeber er ist. 

Eine dieser Fragen betrifft etwa die Übertragung der CAR-T-Plattform einschließlich eines Wirkstoffs mit europäischer Zulassungsempfehlung, die RiboMab-Plattform sowie die gesamte Frühphasenforschung – plus rund 300 Forscher. Für vergleichbare Einzeltransaktionen hätten Pharmakonzerne in der Vergangenheit zwischen zwei und sieben Milliarden US-Dollar gezahlt, rechnet "Der Aktionär" im Rahmen des Interviews vor. Wie viel zahlen Şahin und Türeci dafür an BioNTech? Diese Zahl ist bisher nicht bekannt.

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Kapitäne gehen von Bord

Förtsch wählt ein drastisches Bild: „BioNTech ist ein Tanker, der von den Kapitänen aufgegeben wird." Über die Beweggründe und die Pläne schweigen sich die Beteiligten aus. Das, so Förtsch, sei in dieser Situation nicht akzeptabel: „So etwas kann man sich vielleicht erlauben, wenn man hundert Prozent an einem Unternehmen hält oder zumindest eine Dreiviertelmehrheit. Aber in diesem Fall muss man in der Lage sein, auf Fragen zu antworten – oder zumindest den Willen zeigen, in einen Dialog zu treten."

Förtsch fragt in seinem Fragenkatalog nach Bewertung, Interessenkonflikten, Transaktionsstruktur, Personaltransfers und Aktionärsrechten. Die Antwort des Unternehmens ließ ihn laut eigener Aussage „immer noch im Dunkeln stehen". Sein Grundprinzip formuliert er klar: „Alle Aktionäre sollen gleichermaßen an Gewinnen und Verlusten teilhaben, egal ob jemand 50 oder 1.000 Aktien hält. Alle sitzen im selben Boot, und alle haben dasselbe moralische Recht auf dieselbe Information, zur gleichen Zeit."

Was Anleger jetzt wissen müssen

Für Anleger, die in BioNTech investiert sind oder es erwägen, ist die Situation schwer durchschaubar. Das Unternehmen sitzt auf einem Cashbestand von rund 17 Milliarden Euro, der dem Geschäft und der Aktie Stabilität verleiht. Gleichzeitig herrscht aber Unklarheit darüber, wofür das Geld künftig eingesetzt werden wird, welche Technologien und Kompetenzen BioNTech nach dem Abgang der Gründer noch besitzt und wie es sich ohne sie strategisch aufstellen will. „Am Ende läuft es auf eine einzige Frage hinaus“, sagt Förtsch. „Ist der Deal gut für BioNTech?"

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Häufige Fragen zum Thema

Warum ist die Aktie von BioNTech gefallen?

Zum einen sind die Umsätze mit dem Covid-Impfstoff stark zurückgegangen. Stattdessen forscht BioNTech an neuen Wirkstoffen, vor allem in der Krebstherapie, doch bisher hat noch keiner die Marktreife erlangt. Der verkündete Abgang von Ugur Sahin und Özlem Türeci sowie ein erneuter Milliardenverlust ließ den Aktienkurs dann im März noch einmal stark abstürzen.

Warum verlassen Ugur Sahin und Özlem Türeci BioNTech?

Das Gründer-Ehepaar will ein neues Unternehmen gründen und Teile der Forschungsaktivitäten von BioNTech dorthin mitnehmen.

Was sagen die Analysten zu BioNTech?

10 von 13 Analysten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf, ihr durchshcnittliches Kursziel von 128 Dollar liegt 39 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BioNTech.

Bernd Förtsch ist auch Herausgeber von DER AKTIONÄR und BÖRSE ONLINE.

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