Alphabet, Meta, Oracle oder Super Micro Computer nutzen die aktuellen Kursniveaus, um riesige Kapitalerhöhungen durchzuziehen. Warum jetzt so viele Tech-Konzerne frisches Geld brauchen - und was Anleger davon halten sollten.

Die KI-Euphorie an der Börse bekommt einen neuen Beigeschmack: Immer mehr Tech-Schwergewichte nutzen die Gunst der Stunde, um sich frisches Kapital zu besorgen. Alphabet hat zuletzt eine Aufstockung seiner Platzierung auf 84,75 Milliarden Dollar gemeldet, selbst Berkshire Hathaway ist unter den Zeichnern. Meta denkt laut Reuters ebenfalls über „eine große Kapitalaufnahme“ nach, Oracle will bis zu 50 Milliarden Dollar über Aktienemissionen und neue Schulden einsammeln. Zuletzt trat dem Club sogar der skandalumwitterte Server-Hersteller Super Micro Computer bei: SMCI plant sogar eine neue Aktienrunde über sieben Milliarden Dollar, nachdem sich der Aktienkurs nach Bilanzunregelmäßigkeiten und einem Chip-Schmuggel-Skandal um ein Vorstandsmitglied gerade erst wieder ein wenig erholt hatte.  

Aus der Investmentstory rund um die Künstliche Intelligenz wird nun plötzlich knallharter Wettbewerb um die ausreichende Finanzierung. Der Hintergrund ist klar: Die Investitionen in Rechenzentren, Chips und Cloud-Infrastruktur laufen langsam, aber sicher aus dem Ruder. Selbst Hyperscaler wie Alphabet, die ihre KI-Investitionen bisher locker mit dem operativen Cashflow stemmen konnten, lassen ihre Projekte jetzt zunehmend vom Kapitalmarkt vorfinanzieren. Für Anleger ist das ein Warnsignal. Je größer der Geldbedarf, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund, wann sich diese Milliarden im Gewinn niederschlagen sollen.

Wenn die KI-Rechnung plötzlich teurer wird

Besonders deutlich zeigt das Oracle. Der Konzern will seine Kapazitäten aggressiv ausbauen und hat sein Investitionsbudget für 2026 gerade erst noch einmal erhöht. Die Märkte würden sich zunehmend fragen, wie solche Ausbaupläne überhaupt nachhaltig finanziert werden sollen, kommentierte die Nachrichtenagentur Reuters die Ansage. Damit verlagert sich der Kern der Debatte um KI: Nicht die Idee selbst steht infrage, sondern ihr Kapitalbedarf und die Frage, ob die Rechenzentren der Hyperscaler in Summe jemals profitabel betrieben werden können. Die Antwort darauf wird umso drängender, als KI-Labore wie OpenAI offenbar darüber nachdenken, die Preise für Tokens wieder zu senken, nachdem zahlreiche Kunden angesichts der explodierenden Kosten für ihre KI-Modelle die Nutzung wieder heruntergedreht haben.

Auch bei Alphabet zeigt sich, wie schnell sich die Tonlage drehen kann. Der Suchmaschinenriese profitiert zwar weiter vom Cloud-Geschäft, doch die angekündigten Ausgaben für KI-Infrastruktur sind mittlerweile auch bei Google über das Wohlfühl-Niveau gestiegen. Dass Berkshire Hathaway sich mit zehn Milliarden Dollar an der Kapitalerhöhung beteiligt, stützt zwar die Story. Es ist aber auch ein Hinweis darauf, dass selbst Qualitätswerte jetzt gezwungen sind, aktiv um Kapital zu werben. Dass Alphabet das Geld dennoch relativ problemlos einwerben konnte, zeige die starke Nachfrage nach Big Tech trotz des Ausgabenrausches, kommentierte Reuters. 

Börse im Geldregen - oder vor dem Kater?

Letzteres gilt wohl auch für Meta: Der Facebook-Konzern hatte seine Investitionspläne zuletzt noch einmal deutlich angehoben; seit April gilt eine Zielmarke von 125 bis 145 Milliarden Dollar – pro Jahr. Dafür benötigt Meta entsprechend mehr Geld. Deshalb ranken sich auch um Meta Gerüchte, dass der Konzern bald dem Beispiel Alphabets folgen und den Kapitalmarkt anzapfen könnte. Medienberichten zufolge geht es um einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag.

Steigende Speicher- und Infrastrukturkosten machen die KI-Offensive teurer als gedacht, warnen Analysten. Zumal die nächste Generation noch schnellerer KI-Chips und-Netze schon vor der Tür steht: Es geht um Silicon Photonics und optische Netzwerktechnologien. 

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Variante 2: 40- und 100-jährige Anleihen

Doch schon jetzt zeigt sich, dass Aktienemissionen allein nicht reichen werden, um den Kapitalbedarf zu decken. Alphabet begab 2025 sogar eine 100-jährige Anleihe. Ein besonderer Fall ist Oracle: Das Unternehmen benötigt so viel Geld für seine exorbitanten Investitionspläne, dass Kapitalerhöhungen dafür schon lange nicht mehr ausreichen. Stattdessen hat Oracle auch den Anleihenmarkt angezapft – und sogar Anleihen mit Laufzeiten bis zu 40 Jahren herausgegeben. Nun fürchten die Investoren eine Überschuldung und so ist diese Quelle aufgrund der sinkenden Bonität versiegt – woraufhin Oracle vergangene Woche prompt eine neue Kapitalerhöhung ankündigte.  

Auch Super Micro Computer will sich die Chance nicht entgehen lassen, das gute Börsenklima zur Kapitalbeschaffung zu nutzen. Das Unternehmen baut Server für KI-Rechenzentren und war noch 2023 der Star am KI-Himmel. Danach sorgten Vorwürfe um Bilanztricks und andere Unregelmäßigkeiten im Geschäftsbetrieb jedoch für einen Kurssturz. Zuletzt ist der Kurs aber wieder gestiegen. Prompt nutzt SMCI, so das Börsenkürzel, die Chance, über neue Aktien mehr Kapital einzuwerben, um die steigende Server-Nachfrage bedienen zu können.  

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Auch deutsche Unternehmen nutzen die Gunst der Stunde

in Deutschland folgt man dem Trend – wenn auch in etwas kleinerem Maßstab: Der Wafer-Hersteller Siltronic besorgt sich ebenfalls frisches Kapital über eine Kapitalerhöhung. Dazu platzierte das im SDax gelistete Unternehmen am Montag drei Millionen neue Aktien zu je 91 Euro bei institutionellen Anlegern und nahm damit brutto 273 Millionen Euro ein. Damit erhöhte sich das Grundkapital um zehn Prozent. Die neuen Aktien wurden mit einem Abschlag von knapp sieben Prozent bepreist. 

Der Schritt des Chipzulieferers geschehe wohl opportunistisch im Anschluss an den zuletzt starken Kursanstieg, schrieb Analyst Constantin Hesse von der US-Investmentbank Jefferies Die Siltronic-Aktie hat ihren Wert allein in diesem Jahr im Boom der Halbleiterwerte verdoppelt und war zu Wochenbeginn mit 97,70 Euro aus dem Xetra-Handel gegangen. Die Kapitalmaßnahme verwundert auch, weil der Siltronic-Vorstand noch Ende April in einer Telefonkonferenz zum ersten Quartal betont hatte, dass die Bilanz solide sei und keine Liquiditätsprobleme bestünden. 

Siltronic (WKN: WAF300)

Was Privatanleger jetzt beachten sollten

Das Vorgehen ist typisch für späte Boomphasen: Erst steigt die Fantasie, dann der Finanzierungsbedarf; und so geraten gerade die rasantesten Wachstumsstorys plötzlich unter einen immensen Finanzierungsdruck – und die Aktionäre müssen ihn bezahlen. Entweder, indem sie selbst die Kapitalerhöhung zeichnen und neues Geld zuschießen, oder indem sie unter der Verwässerung ihrer Gewinne durch die neuen Aktien und in der Folge sinkenden Aktienkursen leiden.

Eine Kapitalerhöhung heißt nicht automatisch: Finger weg. Denn solange das Geld wertsteigernd eingesetzt wird, ist alles fein. Die Börse liebt Wachstum, aber eben nicht um jeden Preis. Wenn jetzt immer mehr Konzerne neue Aktien ausgeben oder sich massiv verschulden, entzieht das dem Markt außerdem Kapital, das dann nicht mehr woanders für wachsende Nachfrage eingesetzt werden kann und die Kurse steigen lässt. Da dieser Tage auch der neue Börsen-Whommy SpaceX Milliarden aus den Taschen der Anleger ab- und zu sich hinzieht, könnte der Nachschub für eine Fortsetzung der Börsenrally in der Breite fehlen. 

Die entscheidende Frage der kommenden Wochen dürfte deshalb lauten: Welche Unternehmen können ihre KI-Investitionen aus eigener Kraft finanzieren – und wer muss dafür auf das Geld der Kapitalmärkte und von Investoren zurückgreifen, die nun anfangen, kritische Fragen zu stellen?

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Häufige Fragen zum Thema

Welchen Anteil an Alphabet (Google) hält die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway?

Berkshire Hathaway hält aktuell rund 54,2 Millionen Class-A-Aktien (GOOGL) und 3,6 Millionen Class-C-Aktien (GOOG) von Alphabet. Damit besitzt die Beteiligungsgesellschaft insgesamt ca. 57,8 Millionen Aktien, was etwa 0,15 bis 0,2 Prozent der gesamten ausstehenden Alphabet-Anteile ausmacht. Der Gesamtinvestitionswert dieser Beteiligung lag zuletzt bei mehr als 16 Milliarden US-Dollar, womit Alphabet mittlerweile zu den Top-5-Positionen Aktienportfolio von Berkshire gehört. Darüber hinaus Berkshire Hathaway Alphabet eine Zusage über eine Direktbeteiligung in Höhe von zehn Milliarden Dollar an der jüngsten Kapitalerhöhung von Alphabet zugesagt, um die KI-Infrastruktur des Tech-Konzerns zu finanzieren.

Wie hoch ist der Finanzierungsbedarf von Oracle?

Um den Ausbau von KI-Rechenzentren stemmen können, plant Oracle im laufenden Geschäftjahr 2026/2027 40 Milliarden US-Dollar Kapital aufzunehmen. Dies soll durch "eine ausgewogene Kombination" aus Fremdkapital (Anleihen) und Eigenkapital (Aktienemissionen) gedeckt werden.Zahlen  Im abgelaufenen Geschäftsjahr gab Oracle rund 55,7 Milliarden US-Dollar für Investitionen aus, einen Großteil davon für KI-Technik. 

Warum ist die Oracle-Aktie zuletzt gefallen?

Der hohe Kapitalbedarf belastete Anfang Juli trotz starker Quartalszahlen den Aktienkurs, weil Investoren zunehmend kritisch auf die steigende Verschuldung und die hohen Geldabflüsse reagieren, die zur Vorfinanzierung des Infrastrukturwachstums nötig sind. Ob und wann Oracle dieses Geld zurückverdienen kann, steht in den Sternen, zumal einer der größten Auftraggeber das KI-Labor OpenAI ist, das selbst noch keine positiven Cashflows erwirtschaftet, aus denen man die Investitionen bezahlen könnte.

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