Partnerschaften mit Nvidia und SpaceX sowie optimistische Analysten machen diese vergessene KI-Aktie zum Tagesgewinner im S&P 500. Warum der Einstieg dennoch gefährlich sein könnte.
Am Montag sprang die Aktie von Super Micro Computer (SMCI) im regulären Handel um mehr als 15 Prozent und legte nachbörslich um weitere 2,4 Prozent zu. Damit war SMCI der größte Tagesgewinner im S&P 500 und durchbrach dynamisch die 50-Tage-Linie nach oben. Auslöser waren eine wichtige Ankündigung des Unternehmens zu einer neuen Produktlinie sowie die Hochstufung durch einen Analysten.
Super Micro Computer ist ein Anbieter von KI-Servern und Rechenzentrumsinfrastruktur, der 2023 und 2024 durch den KI-Boom stark an der Börse zulegen konnte. Ab März 2024 geriet das Unternehmen jedoch wegen Bilanzproblemen, verspäteter Finanzberichte und rechtlicher Untersuchungen deutlich unter Druck und verlor seither rund drei Viertel seines Wertes.
Neue Produktlinie und SpaceX-Fantasie lassen Analysten optimistischer für die Super-Micro-Computer-Aktie werden
Auslöser für den starken Kursanstieg am Montag war unter anderem eine Ankündigung einer „Blaupause“ für die nächste Generation von KI-Rechenzentren. Das Konzept umfasst bis zu 1.152 Nvidia-Rubin-GPUs und 576 Nvidia-Vera-CPUs in flüssigkeitsgekühlten Server-Racks. Damit sollen sich KI-Rechenzentren deutlich flexibler skalieren lassen.
Super Micro möchte sich mit dieser Blaupause zunehmend als Komplettanbieter für KI-Infrastruktur positionieren und nicht mehr nur als klassischer Serverhersteller. Neben den Servern umfasst das neue Angebot auch Stromversorgung, Kühlung, Netzwerktechnik, Installation und Wartung.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt die Aktie durch eine Hochstufung von GF Securities auf „Buy“. Das Kursziel wurde mit 48 Dollar angegeben. SMCI könnte stärker als bislang angenommen von den Ambitionen von SpaceX profitieren, in den Neocloud-Bereich vorzustoßen. Super Micro ist bereits ein wichtiger Lieferant für das Colossus-2-Rechenzentrum von xAI und käme damit auch für weitere Großaufträge infrage.
Trotz des starken Kursanstiegs am Montag bleibt bei der Super-Micro-Computer-Aktie jedoch weiterhin Vorsicht geboten.
Starke Verwässerung geplant
Am 9. Juni 2026 kündigte Super Micro ein Finanzierungspaket von bis zu sieben Milliarden US-Dollar an. Damit sollen Komponenten für KI-Server-Aufträge im Volumen von rund 39 Milliarden US-Dollar finanziert werden. Das Paket besteht aus mehreren Bausteinen mit unterschiedlichen Laufzeiten und könnte die Zahl der ausstehenden Aktien um 15 bis 35 Prozent erhöhen. Dadurch sinkt für bestehende Aktionäre ihr Anteil am Gewinn des Unternehmens.
Das Problem: Zusätzliche Umsätze allein schaffen noch keinen Mehrwert für die Aktionäre. Entscheidend ist, ob Super Micro daraus auch ausreichend hohe Gewinne erzielen kann. Bei einem Umsatzvolumen von 39 Milliarden US-Dollar und einer Nettomarge von fünf Prozent, wie sie Super Micro zuletzt ungefähr erzielte, ergäbe sich ein zusätzlicher Gewinn von knapp zwei Milliarden US-Dollar. Dem stünde jedoch ein Finanzierungsbedarf von bis zu sieben Milliarden US-Dollar gegenüber.
Hohes bilanzielles Risiko
Neben der starken Verwässerung ist auch die Bilanz von Super Micro kritisch zu betrachten. In den vergangenen beiden Quartalen stiegen sowohl die Lagerbestände als auch die Forderungen sehr deutlich an. Das bindet nicht nur viel Kapital, sondern erhöht auch das Risiko von Zahlungsausfällen der Kunden oder Abschreibungen auf veraltete Lagerbestände.
Finanziert wurde dieser starke Lageraufbau offenbar durch zusätzliche kurz- und langfristige Schulden, die in den vergangenen Quartalen ebenfalls deutlich zugenommen haben. Dadurch hat sich die Eigenkapitalquote spürbar verschlechtert. Sie liegt inzwischen nur noch bei 32 Prozent mit weiter fallender Tendenz.
Außerdem kritisch: Die hohen Umsatzsteigerungen der vergangenen beiden Quartale gingen mit einem starken Anstieg der Forderungen einher. Ein erheblicher Teil des Wachstums hat sich damit bislang noch nicht in entsprechenden Cashflows niedergeschlagen.
Fazit: Hochspekulative Turnaround-Wette
Aktuell ist noch nicht abzusehen, ob die neue Produktlinie den erhofften Befreiungsschlag für Super Micro bringen kann. Die Konkurrenz durch Dell und HPE bleibt stark und hat das Momentum derzeit klar auf ihrer Seite.
Entscheidend für die Aktie wird sein, ob SMCI seine Margen wieder steigern und die bilanziellen Probleme in den Griff bekommen kann. Gelingt das nicht, erscheint die aktuell niedrige Bewertung mit einem Forward-KGV von rund 12 nicht zwingend ungerechtfertigt.
Für die meisten Anleger dürfte es daher ratsam sein, vorerst an der Seitenlinie zu bleiben und auf klare Anzeichen zu warten, dass sich die fundamentale Lage deutlich verbessert. Erst dann wäre auch eine höhere Bewertung wieder besser zu rechtfertigen.
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Häufig gestellte Fragen:
Was ist das neue Produkt von Super Micro Computer?
Super Micro Computer hat eine neue Blaupause für KI-Rechenzentren vorgestellt. Damit will SMCI komplette KI-Infrastruktur inklusive Server, Kühlung, Stromversorgung und Netzwerktechnik anbieten.
Warum droht bei der SMCI-Aktie Verwässerung?
Super Micro plant ein Finanzierungspaket von bis zu sieben Milliarden US-Dollar. Dadurch könnte die Zahl der Aktien deutlich steigen, wodurch sich der Gewinnanteil bestehender Aktionäre verringert.
Warum ist die Bilanz von Super Micro Computer kritisch?
Die Bilanz von SMCI steht wegen stark steigender Lagerbestände, Forderungen und Schulden unter Druck. Das erhöht das Risiko von Abschreibungen, Zahlungsausfällen und sinkender finanzieller Flexibilität.