Der KI-Chip-Hoffnungsträger Cerebras Systems hat an der Börse einen herben Dämpfer erhalten. Nach der Vorlage der ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen sackte die Aktie um 17 Prozent ab. Grund für die Nervosität der Anleger ist die Prognose zur Bruttomarge, die deutlich unter den Erwartungen vieler Marktteilnehmer liegt.

CEO Andrew Feldman versucht nun, die Wogen zu glätten. Im Gespräch mit dem TV-Sender CNBC bezeichnete er die Marktreaktion als „missverstanden“. Während Cerebras im ersten Quartal eine Bruttomarge von 47 Prozent ausweisen konnte, rechnet das Management für das Gesamtjahr mit einem Wert zwischen 38 und 41 Prozent.

Der Grund: Das Unternehmen muss für den Ausbau seiner Kapazitäten Ausrüstung von einem seiner Großkunden zurückmieten. Feldman betonte, dass dieser Schritt Teil der strategischen Planung sei, die man bereits beim Börsengang kommuniziert habe. Dass der Weg zur Skalierung „keine gerade Linie“ sei, nehme man in Kauf, um das Ziel für 2026 zu erreichen.

Cerebras Systems Inc (WKN: A40RUX)

Lock-up-Fristen setzen Anleger unter Druck

Neben der operativen Prognose sorgt ein technisches Detail für Verkaufsdruck: Die Sperrfrist für Insider läuft in Tranchen aus. Rund 28 Millionen Class-A-Aktien von Direktoren und frühen Investoren wurden bereits kurz nach der Zahlenvorlage für den Handel freigegeben. Ein solches gestaffeltes Modell soll den Markt eigentlich vor plötzlichen Verkaufsfluten schützen, doch in der aktuellen Stimmung werteten Anleger den gestiegenen Handelsspielraum als Signal zur Gewinnmitnahme.

Unabhängigkeit von Nvidia-Engpässen als Trumpf

Trotz der kurzfristigen Volatilität bleibt Feldman kämpferisch. Während Branchenriesen wie Nvidia mit Lieferengpässen bei High-Bandwidth-Memory und knappen Kapazitäten bei TSMC zu kämpfen haben, sieht sich Cerebras technologisch anders aufgestellt. Das Unternehmen benötigt diese spezifischen Komponenten nicht und ist somit weniger anfällig für die Supply-Chain-Probleme der Konkurrenz.

Dennoch bleibt eine Hürde bestehen: Die physische Infrastruktur. Cerebras steht unter Zugzwang, mehr Rechenzentren zu erschließen. Hier prallen zwei Welten aufeinander, wie Feldman analysiert: „Wir versuchen uns mit der Geschwindigkeit der KI zu bewegen, aber Rechenzentren bewegen sich mit der Geschwindigkeit von Immobilien.“ Lange Genehmigungsverfahren und lokaler Widerstand könnten das Wachstumstempo daher stärker ausbremsen als die technologische Leistungsfähigkeit der Chips selbst.

Fazit

Cerebras steckt in einer klassischen Wachstumsfalle: Die hohen Erwartungen der Wall Street prallen auf die harte Realität der Infrastrukturkosten und Insider-Verkäufe. Analystenhäuser wie Mizuho und Wedbush haben ihre Schätzungen zwar angehoben, doch das Vertrauen der breiten Anlegerschaft muss erst wieder aufgebaut werden. Ein Einstieg drängt sich derzeit nicht auf.