Frank Thelen spricht in einem Interview offen über seinen bisher größten Investor-Fehler – und liefert Privatanlegern damit eine selten ehrliche Lektion. Denn auch der Tech-Investor hält offenbar manchmal zu lange an seinen Lieblingsaktien fest.

In der Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“ geht Frank Thelen seine Investments nüchtern und mit System an. Auch bei seinen Fonds – und seit Neuestem in einem ETF – propagiert er diesen Ansatz: Daten, Analysen, Technik – möglichst wenig Bauchgefühl. Umso überraschender kommt nun ein Geständnis, das er gegenüber der BILD-Zeitung machte. Auf die Frage nach seinem größten Investment-Fehler gestand Thelen, er habe 100 Millionen Euro dadurch verloren, dass er zu lange an einer Aktie festgehalten habe, als er es eigentlich schon hätte besser wissen müssen.

„Das hat mich über 100 Millionen Euro an privatem Vermögen gekostet“

Die Rede ist vom Flugtaxi-Pionier Lilium. „Rein finanziell“ sei es sein größter Fehler gewesen, die Lilium-Aktien nicht abgestoßen zu haben, als sie noch liquide waren, man sie also problemlos hätte verkaufen können. Am Ende ging die Firma in die Insolvenz – und das Geld war weg. „Das hat mich über 100 Millionen Euro an privatem Vermögen gekostet“, gestand Thelen der BILD. Aber Geld sei für ihn nicht alles. „Emotional war das für mich richtig. Ich habe an das Unternehmen geglaubt. Ich habe geglaubt, dass wir die Flugtaxis an den Start bekommen. Deswegen habe ich die Aktien nie verkauft. Aber finanziell war es ein Fehler.“

„Ich habe an das Unternehmen geglaubt“

Damit beging ausgerechnet Thelen denselben Fehler wie vermutlich Millionen Anleger vor ihm: Emotionen sind häufig eine Anlegerfalle. Wer sich in eine Story verliebt, verwechselt schnell „Ich finde die Idee großartig“ mit „Die Aktie wird sich gut entwickeln“. „Ich habe an das Unternehmen geglaubt“, sagt Thelen. Genau diese Überzeugung kann an der Börse eine Stärke sein – oder aber eine gefährliche, rosarote Brille, durch die man Warnsignale zu lange ignoriert.

Die Lektion für andere Privatanleger

Die Lektion ist simpel, aber unbequem: Gute Ideen und starke Visionen bedeuten nicht automatisch gute Investments, wenn die Finanzierung, der Zeitpunkt oder der Markt nicht mitspielen. Wer Einzelaktien kauft, braucht deshalb immer schon vor dem Kauf auch einen Plan für den Verkauf. Das ist nicht zynisch – es begrenzt das Risiko. Und es schützt davor, dass man später, in kritischen Momenten, mit dem Bauch entscheidet und nicht mit dem Kopf.

Damit zeigt sich wieder einmal: Eine breite Portfolio-Streuung, klare Positionsgrößen und feste Regeln für den Ein- und Ausstieg sind oft wichtiger als die perfekte Wette auf das nächste große Zukunftsthema.

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